Beim Gedenken für die Opfer des Brandanschlags von Solingen haben die Redner Stellung zum Thema Rassismus und Diskriminierung bezogen. Zum Teil in sehr berührender Art und Weise.

„Wir wollen nicht vergessen. Wir wollen nicht wegsehen. Wir wollen nicht schweigen“, unter diesem Motto hat der Integrationsrat der Stadt Bergisch Gladbach mit einer Gedenkveranstaltung an den rassistischen Brandanschlag in Solingen erinnert.

Vor 25 Jahren sind bei diesem Verbrechen zwei Frauen und drei Mädchen mit türkischem Migrationshintergrund ums Leben gekommen. Die Bilder der Opfer Hülya (9), Saime (4), Hatice (18), Gürüsün (27) und Gülüstan (12) waren auf eine Leinwand projiziert, als die Besucher in den Ratssaal des Rathaus Bensberg gekommen sind.

Eröffnet hat diesen Abend – dessen Fokus nicht nur auf die Erinnerung des Anschlages lag, sondern vielmehr auch auf die aktuellen Entwicklungen des Rassismus in Deutschland eingegangen ist – der stellvertretende Bürgermeister Michael Zalfen. Mit einem berührenden und mahnenden Grußwort bezog er noch einmal klar Stellung gegen Rassismus und Diskriminierung, bevor er das Wort an Redouan Tollih übergab. Tollih ist der erste stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt und hatte an diesem Abend die Moderation übernommen.

In einer darauffolgenden, emotionalen und auffordernden Rede berichtete Saim Basyigit (Erster Vorsitzender des Integrationsrates) aufschlussreich darüber, was sich seit dem Verbrechen vor 25 Jahren in Sachen Integration getan hat. Er wünsche sich ein gemeinschaftliches und friedliches Leben aller Menschen in Bergisch Gladbach und Deutschland.

Bevor es zu der angekündigten Podiumsdiskussion kam, erläuterte Diplomsoziologin Adelheit Schmitz – Dozentin für Rassismus und Neonazismus an der Hochschule Düsseldorf – die aktuellen Entwicklungen des Rassismus und der Diskriminierung in Deutschland in einem Fachvortrag.

Einordnung, Begriffserklärungen und Zusammenhänge stellte sie in ihrer Präsentation wissenschaftlich dar. Ihr Fazit: „Rassismus ist stellt ein massives gesellschaftliches Problem dar – zahlreiche Anschläge belegen das.“ Auch der Begriff Ausländerfeindlichkeit greife heutzutage nicht mehr, denn die Menschen „werden erst zu Fremden gemacht“.

Rund 40 Gäste beteiligten sich bei der Podiumsdiskussion, bei der sich Jinan Dib (Caritas-Servicestelle Antidiskriminierungsarbeit, Köln), Axel Becker (Vorsitzender der Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala), Adelheit Schmitz (Dozentin Hochschule Düsseldorf) und Redouan Tollih (Moderation) den Fragen der Zuschauer stellten. Die Wortbeiträge der Diskussion zeigten deutlich, dass es wichtig für die Gesellschaft ist, ein respektvolles Miteinander zu leben.

„Dieser Gedenkveranstaltung war für mich überaus gelungen“, berichtet Asthanasia Mantziou, die Beauftrage für Frühe Hilfen der Stadt Bergisch Gladbach. „Der fachliche Input durch Adelheit Schmitz, der nicht stigmatisierend auf die rassistische Szene eingegangen ist, hat im Publikum für einige Aha-Effekte gesorgt,” sagte Mantziou. „Besonders berührend war der Beitrag von Axel Becker in der Podiumsdiskussion, der sehr eindrücklich über seine Erlebnisse als Fünfjähriger im Zweiten Weltkrieg erzählte. Er musste vor dem Inferno eines Bombenangriffs fliehen. Als er dann von dem Brandanschlag in Solingen erfuhr, kamen all diese Emotionen noch einmal hoch und auch immer wieder die Frage: ‚Warum wurde vergessen?‘ – was die eindringliche Erinnerung daran, dass wir nicht vergessen dürfen noch, einmal sehr verschärft hat. Dieser Beitrag ging wirklich sehr unter die Haut.“

Pressestelle Stadt BGL

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