Der „Elisenhof“ dürfte jedem Schildgener ein Begriff sein. Seit Februar ist das alte Haus aufwendig renoviert worden. Morgen eröffnet hier der „Olivenhof“, ein Wein- und Tapasrestaurant – und das Herzensprojekt von drei Schildgener Ehepaaren.

Katja van Elst ist aufgeregt. „Das ist ein Gefühl wie vor Weihnachten“, sagt sie und lacht. Sieben Monate haben die Vorbereitungen gedauert, am Samstag eröffnet Schildgens erstes Wein- und Tapas-Restaurant: der Olivenhof.

Dass der Name so ähnlich klingt wie der des alteingesessenen „Elisenhofs“ ist kein Zufall: Der Olivenhof führt die lange, gastronomische Tradition des Eckhauses in der Altenberger-Dom-Straße 152 fort.

Mehr zur Geschichte des Elisenhofs (bitte anklicken):
Der Elisenhof prägt das Schildgener Ortsbild schon seit 1902 und beherbergt seither Schank- und Speisegaststätten. In den ersten Jahren bewirtete der Häuserbauer Nikolaus Fleckenstein hier selber seine Gäste im Restaurant „Zum Nikolaus“, bis er das Haus 1906 an die Eheleute Schankweiler verkaufte. Sie führten dort bis in die 1920er Jahre den Gasthof Schankweiler, der von den Schildgenern wegen der gut laufenden Geschäfte auch als das „goldene Eck“ bezeichnet wurde. Später wurde das Haus bis 2017 – die allermeisten Jahre von den Familien Oessenich und Selbach – als „Elisenhof“ weitergeführt.

Noch aus den ersten Jahren stammt das restaurierte Schild oben am Haus, das unter anderem den Heiligen Nikolaus und einen Davidstern zeigt. Früher beliebte Zwischenstation auf dem Weg vom Bergischen Land nach Köln, später Ort für den Frühschoppen nach dem Kirchgang am Sonntag. In den 90ern auch mal Jugendtreff und Musikkneipe oder der Ort, an dem Handwerker mittags ein großes Kotelett bekamen. Immer und über die Jahrzehnte war der Elisenhof ein beliebter Anlaufpunkt für Jung und Alt mit Hunger und Durst. (von der Webseite des Olivenhofs)

Katja van Elst ist eine von sechs GesellschafterInnen, die hinter dem Konzept stehen. Genau genommen sind es drei Ehepaare: Katja und Hendrik van Elst, Kerstin und Hendrik Walter sowie Katrin und Oliver Grede.

Die Gründer: Kerstin und Hendrik Walter, Katrin und Oliver Grede, Katja und Hendrik van Elst. Foto: Webseite Olivenhof

„Uns eint die Leidenschaft für Kochen und Wein“, sagt Hendrik Walter. Die drei Paare kennen sich schon lange. Sie alle sind selbstständig, alle im Immobilienbereich.

Vor dreieinhalb Jahren kauften van Elsts und Gredes zusammen das Haus an der zentralen Schildgener Kreuzung. Die alte Eckkneipe lief nicht mehr so gut, und als der Vertrag mit dem Pächter auslief, dachten sie sich: Bevor wir wieder verpachten, versuchen wir es lieber selbst.

Kerstin und Hendrik Walter schlossen sich an, im Februar ging es los mit Entrümpeln. „Hier ist kein Stein auf dem anderen geblieben“, sagt Hendrik Walter. Das gesamte Haus wurde gestrichen, innen wie außen, die Bäder sind neu gemacht, die Böden, die Decke.

Ein alter Abstellhof wurde der Küche angeschlossen, die jetzt deutlich größer und zum Restaurant hin halboffen ist. Geblieben sind nur die Eingangstür, der Unterbau der Theke und ein Schrank.

Entstanden ist ein modernes, liebevoll gestaltetes Lokal. Weiße Fenster, hellgrau gestrichene Wände, mehrere Stellen geben die rote Ziegelsteinmauer frei. Holztische in warmem Braun und grau bezogene Stühle, Kerzen, sanfte Lichter, und natürlich dürfen die Olivenbäumchen nicht fehlen.

Das Herzstück ist die doppelte Theke, die sich gegenüber des eigentlichen Tresens an der Fensterwand fortsetzt. Hier können die Gäste ein Glas Wein trinken, eine Tapa essen oder auch ein Hauptgericht.

Die Grenzen sind bewusst fließend, „wie das in Mallorca üblich ist“, sagt Katja van Elst. „Wir sind große Mallorca-Fans, und dieses Feeling, das, was wir dort so lieben, wollen wir hier weitergeben.“

Zum spanischen Konzept gehört auch eine Begrüßungstapa für jeden Gast: eine frische, eigens von der Bäckerei Pieper kreierte Brotauswahl, Oliven und verschiedene Dips (1,50 Euro).

Darüber hinaus gibt es unter anderem Suppen (zum Beispiel Andalusischer Bohneneintopf, 5,50 Euro), Käsespezialitäten von „Käsefuchs“ (ab 9,50 Euro) und natürlich Tapas. Zum Selbstzusammenstellen (etwa Geschmorte Kräuter-Champignons, 4,50 Euro, Kartoffeltortilla mit Zwiebeln und Paprika, 4,50 Euro) oder als Gemischter Tapasteller (17,50 Euro).

Zur festen Karte kommt eine Wochenkarte mit Tapas und drei Hauptgerichten dazu, außerdem bietet der Olivenhof ab Mitte Oktober mittwochs (ab 17 Uhr) und sonntags (von 11.30 bis 17 Uhr) ein Überraschungs-Tapas-Menü an (24,90 Euro / vegetarisch: 19,90 Euro).

„Die Tapas werden auch mal typisch deutsche Speisen als kleine Portiönchen sein“, verrät Katja van Elst. Zum Beispiel Mini-Röggelchen mit einem kleinen Käse-Dom, oder Mini-Flammkuchen.

Die Zutaten kommen überwiegend von regionalen Anbietern, ebenso die Ausstattung. Das schlägt sich natürlich in den Preisen nieder, aber die sollen, genau wie die Gerichte selbst, nicht „überkandidelt“ sein, so Katja van Elst: „Wir bieten hier ehrliches Essen zu anständigen Preisen an.“

Und noch etwas ist besonders: Es wird rund 30 offene Weine geben. Möglich macht das der „Cubo Winefit“, eine Maschine, die die Weinflaschen mit einem geschmacksneutralen Gas luftdicht verschließt und so bis zu 30 Tage haltbar macht. Damit wollen die Gastronomen ihren Gästen ermöglichen, möglichst viel zu probieren, ohne gleich eine ganze Flasche kaufen zu müssen.

In Zukunft soll es im Olivenhof auch Veranstaltungen geben, Musikabende, Weinproben und Käsetastings sind schon angedacht.

Kochen werden die Sechs übrigens nicht selbst, auch, wenn sie das alle sehr gut können. Es gibt zwei Köche, im Oktober kommt eine weitere Köchin hinzu. Und es gibt auch einen Restaurantleiter, der das Gesicht des Olivenhofs sein wird.

Die drei Ehepaare haben schließlich weiterhin ihre eigenen Geschäfte zu führen. Sie werden überwiegend im Hintergrund tätig sein, konzeptionell und strategisch. Vor allem aber wollen sie das Restaurant, das sie ganz nach ihren Vorstellungen und mit viel Herzblut geschaffen haben, genießen. So wie hoffentlich bald viele andere Bergisch Gladbacher auch.

Olivenhof Schildgen
Altenberger-Dom-Straße 152
51467 Bergisch Gladbach

Telefon: 02202 2499155
E-Mail: info@olivenhof-schildgen.de

Öffnungszeiten:
Mi bis Sa ab 17:00 Uhr
So ab 11:30 Uhr

Die Küche schließt in der Regel um 22.00 Uhr. Kleinigkeiten zum Wein können auch danach noch bestellt werden.

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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2 Kommentare

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  1. Sehr geehrte/r Rued,
    auch wenn Ihr jetzt veröffentlichter Kommentar schon 8 Monate her ist, möchte ich doch mein Erstaunen über Ihre Kritik ausdrücken. Die neuen Besitzer haben von außen alles wunderschön erhalten und innen sehr stilvoll mit köstlichen kleinen und größeren, deutschen und spanischen Speisen, ein wahres Lieblingsrestaurant für Schildgen geschaffen. Der hinzugekommene Biergarten wertet das Ganze nochmals auf.
    Sie sollten es erneut testen!! Guten Appetit!

  2. …..ich finde es eine Schande so ein schönes altes Gemäuer so zu „modernverschandeln“ und dem momentanen tollen „Style“ anzugleichen.

    Passt ja in unsere heutige Gesellschaft. Alles gleich machen, bloß keinen Individualismus.

    Auch finde ich das Essen nicht so dolle.

    Man hätte besser das bestehende renoviert und das Konzept wie es vorher war (Essen wie bei Oma) beibehalten.

    Meine Meinung