Die Aktiven des Internationalen Frauencafés haben sich im Rathaus vorgestellt. Geflüchtete Frauen und die Frauengruppe FINTE erzählen von erfolgreicher Hilfe, gemeinsamen Aktionen und Problemen im Alltag.

Es herrschte eine sehr familiäre Stimmung im altehrwürdigen kleinen Ratssaal. Michaela Fahner, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, freut sich über die vier anwesenden, jungen Frauen ihrer Frauengruppe. Es war ihnen ein Bedürfnis, zum Pressetermin zu kommen, betonen sie.

Dabei sind es nur zwischen sechs und acht Frauen insgesamt nebst Kindern, die regelmässig ins offene Frauencafé kommen. Das hatte sich mit Hilfe von FINTE mit der ersten Flüchtlingswelle gegründet.

Demnächst plane man eine internen Kinderbetreuung, damit sich die Frauen im „Café Kette” ungestört austauschen können. Diese Kontaktmöglichkeiten untereinander, aber eben auch zu Deutschen, sind nicht selbstverständlich. Erste Bekanntschaften beginnen ja oft erst über die Kinder oder den Job.

Der Austausch unter Frauen vereinfache vieles, nicht nur aus kulturellen Gründen. Man findet einfach schnell einen Draht zueinander betonten die jungen Frauen in verständlichen deutsch.

Abir Altaha, Yasmin Kurt und Sabah Darbo kommen aus Syrien, haben hier Deutschkurse absolviert und sind seit zwei bis drei Jahren hier, erzählen sie. Afnan Ammar kommt aus Palästina, auch sie ist seit drei Jahren in Deutschland. Mit ihren öffentlichen Auftritten, wie beispielsweise anlässlich des Frauentags in der Villa Zanders , wurde sie zur Stimme dieser Frauen.

Austausch auf Augenhöhe

Die Tagesordnung sei ganz offen, erzählt Michaela Fahner. Man trifft sich zum gemeinsamen syrischen Essen und zum Austausch auf Augenhöhe, „nicht wir wollen denen was erzählen, wir hören zu, um zu merken, wo der Schuh drückt.“

Der drückt bei ganz alltäglichen Themen. Wie funktioniert „Little Bird”, das deutschlandweite Kita-Platz-Vergabesytem, wie eine Bibliothek, wer ist mein Ansprechpartner beim Jugendamt, was macht eine Erziehungsberatung.

Es werden Stadtspaziergänge organisiert oder auch Einzeltermine in wichtigen Einrichtungen gemacht, damit die Frauen einen konkreten Ansprechpartner haben. Ganz typisch sei auch, dass die Frauen sich nichts schenken lassen wollen. Sie schenken immer zurück, wie beispielsweise die Bepflanzung der Gärtnerkolonne schmunzelt Michaela Fahner ihren Frauen zu.

Michaela Fahner und Afnan Ammar erzählen über das internationale Frauencafé.

Hemmschwellen sind normal

Auch Lioba Böhrs, Bündnis 90/Die Grünen und Hildegard Gitschier-Piepenbrock, Gewerkschaftlerin und Cilly Partsch sind ambitionierte Mitglieder von FINTE, Fraueninteressen Bergisch Gladach. Sie erzählen ganz offen von anfänglichen Hemmschwellen auch von ihrer Seite. Viele dieser Ehrenamtlerinnen, kommen aus sozialen Berufen und sehen die Geflüchteten als eine Bereicherung ihrer Kultur.

Gerade weil sie sehr persönliche Erfahrungen mit den syrischen Frauen machen, können sie Vorurteile von anderen schnell entkräften sagt Böhrs. Und diese Verbindungen werden schnell persönlich, beinahe familiär. “Man sieht sich und umarmt sich” fügt Cilly Partsch begeistert hinzu.

Mit ihrer vermittelnden Arbeit verstehen sie sich als Multiplikator vor allem für den Austausch zwischen deutschen und geflüchteten Frauen. Die Stadt hätte diese Kapazitäten nicht, man sei auf die Hilfe von Ehrenamtlern angewiesen, sagt Marion Linnenbrink, die Leiterin der Pressestelle der Stadtverwaltung. Es geht also um mehr als nur um Kaffeklatsch.

Learning by Doing

Wie fruchtend diese Art von Lernen ist, zeigen die vier anwesenden Frauen. Afnan Ammar kam vor drei Jahren, damals schwanger aus Palästina. Als „Staatenlose” hatte sie lange keine Chance, einen Deutschkurs zu bekommen. Als sie es endlich geschafft hatte, hatte sie ihr Kind ausgetragen und mußte den Kurs nach drei Monaten abbrechen. Kaum zu glauben, dass die junge Frau nun sehr leidenschaftlich erzählt, dass sie deutsch selbstständig im Internet gelernt hat und dass sie ihren Führerschein machen konnte.

Sie erzählte, wie eingeschränkt man in Palästina als Frau lebt und was sonst noch erwartet wird oder eben nicht üblich ist. Sie ist sichtlich stolz darauf, dass sie hier kein Kopftuch trägt. Weil sie hier als Frau so viele Freiheiten genießen kann, würde es ihr heute wahnsinnig schwer fallen, zurückzugehen. Die dort studierte Sozialarbeiterin würde heute gern eine Ausbildung in Deutschland machen, als Arzthelferin oder als Altenpflegerin.

Das interkulturelle Frauencafé findet einmal im Monat im „Beratungscafé Kette” in der Paffrather Straße 70 statt, Ansprechpartnerin ist Frau Micahela Fahner. Interessierte sind natürlich herzlich eingeladen. Die Räumlichkeiten wurden von Kette e.V. gestellt.

Zum Abschluß des Pressegesprächs übergab Manfred Lorenz, der Vorsitzende der Bürgerstiftung für Bergisch Gladbach einen  Scheck über 1000 Euro – für die laufenden Kosten wie beispielsweise Lebensmittel und Kinderbetreuung. Eine weitere Unterstützung für das kommende Jahr konnte er dem interkulturellen Frauencafé auch schon zusichern. Unter anderem will die Frauengruppe einen arabischen Kochkurs organisieren, dafür stellt die Volkshochschule ihre Küche zur Verfügung.

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