Der Waggon im Park der Gedenkstätte Yad Vashem erinnert an die Transporte in die KZ

Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz lädt der Freundeskreis Ganey Tikva zu einer Lesung in den Heilsbrunnen. Der Autor Frank Beer berichtet über die Shoah in Polen. 

Über den Holocaust ist in vielerlei Hinsicht berichtet und informiert worden. Es gibt schriftliche und filmische Dokumentationen, Zeitzeugenberichte, Biografien und Erzählungen im Prosastil und vieles mehr. Wer bei der Lesung neue, bis jetzt unbekannte Fakten erwartet, wird enttäuscht sein.

Dennoch, bei den von Dr. Frank Beer und den Mitherausgebern geborgenen und in Deutschland veröffentlichten Texten handelt es sich um Besonderheiten: Es sind unmittelbare und ganz ursprüngliche Berichte von Menschen, die gerade der Vernichtung entkommen konnten, Berichte voller Details über die Grausamkeit der organisierten Menschenverachtung und des systematischen Mordens in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs.

Gedenken an die Opfer des Holocaust:
Lesung mit Dr. Frank Beer aus der Quellenedition:
Nach dem Untergang – Die ersten Zeugnisse der Shoah in Polen 1944-47
27.01.2019, 17.00 Uhr, Gemeindesaal, Kirche zum Heilsbrunnen
Im Kleefeld 23, 51467 Bergisch Gladbach

Die Entstehungsgeschichte der Quellenedition:

Diese Erinnerungen sind frisch, nicht durch den Zeitablauf verschwommen oder durch Höflichkeit und Rücksichtnahme entschärft. Sie wurden ganz früh nach Kriegsende gesammelt und dokumentiert: Überlebende der Ghettos und Lager auf polnischem Boden fanden sich 1944 in Lublin zur „Zentralen Jüdisch-Historischen Kommission“ zusammen, die ab 1945 in Lodz und ab 1947 in Warschau arbeitete, wo sie in dem „Jüdisch Historischen Institut“ aufging. Die Historiker sicherten Beweise der Verbrechen und zeichneten Zeugenaussagen auf, die sie in 39 Büchern und Broschüren in polnischer und jiddischer Sprache dokumentierten.

Eine Auswahl von zwölf Texten ist nun erstmalig auf Deutsch veröffentlicht worden: Nach dem Untergang. Die ersten Zeugnisse der Shoah in Polen 1944 –1947. Berichte der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission, Herausgeber: Frank Beer, Wolfgang Benz, Barbara Distel und, Metropol Verlag und Verlag Dachauer Hefte.

Zur Person: Dr. Frank Beer promovierte im Fach Chemie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, es folgte eine Auslandstätigkeit in Großbritannien. Seit 1999 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Bundesbehörde in Bergisch Gladbach. Seine publizistische Tätigkeit zu Zeitzeugenberichten über den Holocaust begann 2011:

„Auf der Suche nach einem Bericht über das Vernichtungslager Belzec fand ich per Zufall ein polnisches Werk, das bereits 1946 in Krakau erschienen war. Es handelte sich um die Veröffentlichung eines Zeitzeugenberichts von Rudolf Reder, einem jüdischen Überlebenden des Lagers Belzec. Als ich mich mit der Dokumentation beschäftigte, war ich sehr betroffen: Sie schildert das erlebte Grauen unmittelbar und schonungslos.“

Einmal auf einen verborgenen Text aufmerksam geworden recherchierte Dr. Beer weiter und fand noch andere Originale – alle nie auf Deutsch herausgegeben. Das sollte sich ändern, beschlossen Dr. Beer und seine Co-Editoren – mit Erfolg, wie sich die Gäste der Veranstaltung überzeugen können.

Der literarische Bericht „In den Fabriken des Todes“ gewann den 3. Platz in der Kategorie „Autobiographisches“ beim DAMALS-Bücherwettbewerb „Das historische Buch des Jahres 2017“.

Liste der von Dr. Beer herausgegebenen Bücher:

Frank Beer, Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hg.), Nach dem Untergang. Die ersten Zeugnisse der Shoah in Polen 1944-1947. Berlin, 2014.

Mordechai Strigler (Autor), Frank Beer (Hg.), Majdanek. Ein früher Zeitzeugenbericht vom Todeslager. Springe, 2016.

Mordechai Strigler (Autor), Frank Beer (Hg.), In den Fabriken des Todes. Ein früher Zeitzeugenbericht vom Arbeitslager. Springe, 2017.

Abraham Teitelbaum (Autor), Frank Beer (Hg.), Warschauer Innenhöfe. Jüdisches Leben um 1900 – Erinnerungen. Göttingen, 2017.

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