Seit 11 Jahren starten die Grossen Bensberger mit ihrer „Starthilfe”-Party in die heiße Karnevalszeit. In diesem Jahr stand ein ernstes Thema am Anfang, doch dann wurde gefeiert, was das Zeug hergab.

Am Samstag vor dem Karnevalswochenende veranstaltet die KG Grosse Bensberger (GB) seit 11 Jahren ihre „Starthilfe“ in der Aula des Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG) zu Bensberg. Den technischen Begriff kennen Besitzer älterer Autos mit schwachen Batterien, wenn man das „Starthilfe-Kabel“ zur Hilfe nehmen muss, um der Batterie einen neuen Anstoß zu geben. So ähnlich ist das auch mit der Party der GB gemeint: Eine Hilfe zum Start in die Karnevalswoche.

In diesem Jahr allerdings geht es aber nicht nur um Spass an d’r Freud. Im Kreise der Amazonen der GB ist ein Familienmitglied so stark erkrankt, dass es eine Stammzellenspende benötigt. Die Mitglieder der GB, deren Verwandte und Bekannte und alle Menschen, die man erreichen konnte, wurden gebeten, sich am Tag der Party typisieren zu lassen. Dazu wurde sich der Mitarbeit der „DKMS“ versichert, die die Typisierung vornahm. Spontan stellte das AMG schon um 16 Uhr Räume zur Verfügung und die GB zahlreiche Helfer. Diese Aktion ging bis 22 Uhr, um auch alle Besucher, die mit einer Eintrittskarte ohnehin zur Veranstaltung kamen, typisieren zu können.

Der schon immer auf 19 Uhr terminierte Einlass sah bereist vereinzelte, teils toll kostümierte Besucher sich mit Gerstensaft labend sich auf den Abend einstimmen – man sagt auch „vorglühen“ dazu. Wenn das Palaver auch erst um 20 Uhr beginnen sollte, strömten immer mehr bunte gekleidete Menschen ins Foyer des AMG, um sich bei schon beschwingter Musik auf das Erlebnis in der Aula vorzubereiten.

Punkt 20 Uhr: „Elvis“ betrat die Bühne, allerdings in schlanker Ausgabe, aber mit prachtvoller Haartolle. Als dieser „Elvis“ sprach, erkannte man ihn: Dä Präsident begrüßte sein närrisches Volk, das nun die Aula gefüllt hatte. Mit gewohnt launigen Worten empfing „Elvis“ die erwartungsfrohen und feierfreudigen, in allen Formen und Farben ge- und verkleideten Jecken.

Er gab noch mal einen Hinweis auf die Typisierung. Und dann jing et loss. Die anwesenden Mitglieder der Gesellschaft wurden auf die Bühne geholt – niemand in Litewka oder Uniform, alle kostümiert. „Elvis“ stimmte sein Lieblingslied an – „Et Trömmelche“ – und auf der Stelle kam der Saal in Stimmung. Einige weitere Grüße an die Menge und das Programm nahm seinen Lauf.

Feurige brasilianische Rhythmen erklangen und die „Brasilshow Köln“, alles gut aussehende und sichtbar aus Südamerika stammende Frauen und Männer, enterten die Bühne. Jetzt gab es nur noch Trompeten und Trommeln zu hören und wilde Tanzdarbietungen im typisch brasilianischen Stil. Wie die Tänzerinnen und Tänzer ihren Körper beherrschen ist schon verblüffend und unter großem Beifall zogen sie von der Bühne.

Nach einigen Klängen aus den Boxen des hervorragenden DJs war nun Tanz angesagt. Die „Tanzsportgemeinschaft“ (TSG) der veranstaltenden KG entfachte ihr Können auf der Bühne, dass es eine Pracht war. 14 Mädels und 4 Jungs, die älteste Gruppe der TSG – die nennen sich Klabautermänner (?) – zeigten 2 hervorragende Tänze mit Gardecharakter und Akrobatik, die das Publikum zu Beifallsstürmen mitrissen. Sie verabschiedeten sich, später wieder zu kommen.

„Elvis“ läv – immer noch, denn zwischen den Vorträgen und Darbietungen kam der Präsident immer wieder zu Wort und wusste, auf die nächste Nummer einzustimmen. Die nannte sich jetzt Hanak, eine weit über Köln hinaus bekannte Band, die sich auch im Karneval nützlich macht. Auch sie haben das diesjährige Motto Kölns – „Uns Sproch es Heimat“ – verinnerlicht und sangen in dieser herrlichen Mundart. Natürlich wurden 2 Zusagen verlangt, die Hanak auch gerne zugab.

Die TSG hatte es versprochen, die TSG lieferte. Show-Time war angesagt, bzw. Show-Tanz. Die Truppe tanzt ja nicht nur zu Karnevalsklängen ihre Gardetänze, sie bietet darüber hinaus für alle möglichen Gelegenheiten Tänze mit Showbühnen-Charakter an. In einem Streifzug durch viele bekannte Musicals brachte sie die Besucher wieder zu Begeisterungstürmen.

Dieses Aushängeschild der Gesellschaft, bereits seit über 50 Jahren on Tour – Gründungsmitglieder tanzen nicht mehr – zeigt, wie hoch die Jugendarbeit bei der GB angesiedelt ist. Bei der „Starthilfe“ tanzten zwar „nur“ die Klabautermänner, der Nachwuchs aber steht mit den Schlossstadt-Mäusen (die Kleinsten) und den Schlossstadt-Pänz, beide Prinzengarde des Kinderdreigestirns, schon bereit.

Nachdem die Zugaben gegeben waren und der Applaus abebbte, „Elvis“ den nächsten Programmpunkt ansagte und auch der DJ zu seinem Recht gekommen war, konnte man erleben, dass ein Bandname auch Programm sein kann. „Kontrollverlust“ stand auf der Bühne, nahm im besten Sinne das Motto Bergisch Gladbachs – „Mir rocke, mir rolle, mir fiere wie de Dolle“ – auf, um den Saal in ein Tollhaus zu verwandeln.

Das „verlust“ hinter „Kontrolle“ mag ein wenig übertrieben sein, aber was die Fünf ablieferten, brachte die Seele zum Kochen. Die Sängerin, die man bei den ersten Stück noch hinter der Bühne ließ, hatte den ihr gebührenden Sonderauftritt, denn diese Stimme gehört auf die Bühnen und vor die Mikrofone der Welt.

Natürlich hatte das auch etwas mit der hervorragenden Beschallung zu tun, die wie immer im AMG aufgebaut war, aber man kann aus einem Trabi mit einer besonders musikalischen Hupe auch keinen Ferrari machen. Das „Kontrollverlust“ bestens vom Publikum angenommen wurde, spürte die Fünf, was den Spaß an ihrem Spiel immer weiter nach oben trieb. Sie wollten eigentlich nicht weg, die Jecken wollten sie nicht gehen lassen, doch „Elvis“ musste Sie hinauskomplimentieren.

Das müssen Sie über die Karnevalszüge in GL wissen

Das nächste Großereignis und zugleich der Schluss des programmmäßig geplanten Abends wartete im Foyer. Das Dreigestirn der Stadt Bergisch Gladbach machte dem Saal zusammen mit seiner Prinzengarde seine Aufwartung. Die Drei bekamen wieder das besondere Fluidum zu spüren, wenn sie bei „Ihrer“ Muttergesellschaft einziehen. Et wood jebütz, jeschunkelt un jesunge, was das Zeug hergab, und die Menschen im Saal bekamen dat Jeföhl mit, was es für die Drei bedeutet, selbiges Gestirn in diesem Jahr zu sein.

https://in-gl.de/stadtfuhrer/karneval/karneval-in-bergisch-gladbach-2018-2019/

Nach dem Ausmarsch war neuer Tag, und die Party ging weiter. In der Aula und im Foyer brachte der DJ seine Kunst zu Gehör, was sehr guten Anklang fand – bis, . . . na da schweigt des Schreibers Höflichkeit.

Nur eins noch: Wir alle hoffen, dass Stammzellen gefunden werden, die dem kranken Menschen in Bensberg und vielleicht zusätzlich manchem anderen helfen, weil das Ergebnis der Typisierung geht um die ganze Welt. Bitte hoffen Sie mit.

Weitere Beiträge zum Bensberger Karneval:

Volles Haus, tolles Programm im Gürzenich von Bensberg

Das Kinderdreigestirn regiert die Kinder der Stadt

Festkomitee sammelt für den Bensberger Zug

.

Rolf Havermann

wohnt seit 1982 in Bergisch Gladbach. Hat hier 30 Jahre lang sein eigenes Unternehmen geführt. War elf Jahre Vorsitzender eines Bensberger Karnevalsvereins. Ist nun dessen Ehrenvorsitzender und Rentner - und beschätigt sich seit Februar 2016 mit wachsender Intensität mit dem FNP.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.