Grow Together ist eine unorthodoxe Ausstellung und ein ungewöhnliches Integrationsprojekt. Die Villa Zanders zeigt Arbeiten von einheimischen und geflüchteten Jugendlichen, die sich mit der Ausstellung von Tina Haase auseinander gesetzt und in eigene Kunstwerke umgesetzt haben.

In dieser Ausstellung machte die Kennenlern- und Lerngruppe gemeinsame Erfahrungen mit Kunst und Museeumsalltag. Die Deutsch-Lerngruppe trifft sich schon seit längerem zu Freizeitaktivitäten mit Gladbacher Jugendlichen im Jugendzentrum Q1, ganz im Sinne von  „Grow together” – zusammen wachsen und zusammenwachsen. Lukas Lehnstaedt (Initiator und Ehrenamtler) und Paula Schäfer (Projektleiterin) sind Teil des Teams des „Mentorenprojekts Bergisch Gladbach“, das Geflüchtete bei der Integration begleitet.

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Das Projekt will mehr als gute Absicht zeigen. Die Leitidee des Mentorenprojekt Bergisch Gladbach ist es, „Kultur vor Ort erleben zu lassen” und  „geflüchtete Menschen hier in Bergisch Gladbach gezielt, bedarfsorientiert und effektiv zu unterstützen und ihnen das Eingewöhnen in ihr neues Wohnumfeld zu erleichtern”.

Eine kluge und weitsichtige Erkenntnis, deren Umsetzung viel Kreativität, Know-how und langen Atem erfordert.

Lukas Lehnstaedt (links) hat in der Kooperation mit Q1 und der Villa Zanders eine kluge Form der Freizeitaktivität für geflüchtete Jugendliche angestoßen. Nach gemeinschaftlichem Fußballspiel und Schnwimmen will er den Jugendlichen nun Kunst nahebringen. Die Kunst-Vorerfahrungen sind unter der Gruppe weit gefächert. Doch genau darum ginge es, frei nach dem Motto Learning by Doing. Lehnstaedt will mit seinen Freizeitangeboten “ein ungezwungenes Kennenlernen der Kulturen ermöglichen”. So könne man gut Freundschaften schließen.

Mit dem Mentorenprojekt kam Lehnstaedt, Deutschlehrer der kleinen Gruppe, auch die Idee zum Kunstprojekt. Seine Idee klingt einleuchtend: Integrieren durch Kulturvermittlung, mittels der Sprache der Kunst. Lehnstaedt versucht seiner Lerngruppe die Gladbacher Kultur nahezubringen, indem er sie als gemischte Gruppe, also gemeinsam, Kunst in Gladbach kennenlernen und erleben lässt.

Da war die Kooperation mit dem Q1 und der Villa Zanders, dem Bildungspartner, ein geschickter Kunstgriff. Denn die Villa Zanders ist sehr erfahren in der Kunst- und Kulturvermittlung für Jugendliche.

Doch damit geht es um mehr. Mit der professionellen Ausstellung werden die Jugendlichen, als Individuum und zugleich als Gruppe, zu Kultur-Machern. Das gibt der Vision Grow together eine erste praxisorientierte Anwendung, hier wird der Kulturort zum Experimentierfeld

Museumsleiterin Petra Oelschlägel und Anna Arnold, neue Volontärin der Villa Zanders, begrüßten die Workshop-Teilnehmer und Ausstellungsgäste und erklärten die künslterischen Techniken und die Vermittlungsarbeit des Museums. Der erfrischend offene Werkstattcharackter beförderte einen regen Austausch unter den Gästen.

In einem zweitägigen Intensiv-Workshop wurde die aktuelle  Ausstellung von Tina Haase studiert, diskutiert und an Hand einiger ihrer Techniken nachgearbeitet. So wurde nicht nur die künstlerische, sondern auch die museale Arbeit exemplarisch entdeckt und erforscht. Gefördert wurde das Projekt von der Kreissparkasse Köln.

Bei dem bis dato einzigartigen Projekt stehen weder ein gehobener Kunstanspruch noch der Migrationshintergrund der Workshopteilnehmer im Vordergrund. Vielmehr nutzen die Jugendlichen den raumöffnenden Charakter der Kunst und sie stürzten sich sichtlich inspiriert ins experimentelle Miteinander.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Mai  zu sehen, dann werden die Werke der Jugendlichen gemeinsam mit Tina Haases Ausstellung ihre Finissage feiern.

Finissage Ausstellung Tina Haase – unbedingt
mit dem Tanztheater Go.old Seniorcompany Gudrun Wegener
FRAGILE – handle with care (Ausschnitt)
Sonntag, 05.05.2019, 17:00 Uhr

Einige Eindrücke der Ausstellung: 

Unter den Besuchern der kleinen Preview waren vor allem der Freundeskreis des Museeums aber auch stolze Eltern und Freunde der kreativen Jugendlichen. Die Ausstellungsstücke wurden vor einigen Stunden erst fertiggestellt und waren sprichwörtlich druckfrisch. Das eröffnete viel Raum für weitere Überlegungen und lockeren Austausch. Wie könnte man die Werke betiteln, wie z.B. die Drahtskulptur von Lukas Lehnstaedt (im Vordergrund)?

Julian Kurt hat seiner Skulptur bereits einen Titel gegeben. „Absorber” nennt er die Arbeit, die wie Tina Haases Werke aus gefundenen Alltagsgegenständen kreiert wurde. Die Kombination aus Titel und Materialien, wie Filtertüten und Schwämme, regen ein amüsantes, geistreiches Gedankenspiel an.

Mit der Mongrafie werden die Jugendlichen auch an eine vergleichsweise einfache Technik zum Portraitieren herangeführt. Man zeichnete das Antlitz des Gegenüber auf eine Folie nach, um diese dann direkt zu drucken. Die Ergebnisse sind dennoch höchst beeindruckend. Im Vordergrund der „Schnupfenstuck” der Teilnehmer. Eine Anlehnung an Tina Haases Werk, welche den mondänen Stuck der Villadecke als verspieltes Objekt in Papiertaschentüchern nachbildete.

Stela Mataj, eine introvertiert wirkende junge Künstlerin, kann sich sehr vielsprachig und experimentell im Portraitzeichnen ausdrücken. Stolz erzählt ihre Mutter von den zeichnerischen Entwicklungen und von den persönlichen Fortschritten, die gerade in derartig engagierten Kunstprojekten erzielt werden. Stela hatte schon einmal einen guten Kunstkurs besucht. Sie habe Glück gehabt, da aufgenommen zu werden, denn derart freie Kunstkurse seien zumeist ehrenamtlich organisiert und daher selten.

In jeder freien Minute zeichne sie, gesteht Stela Mataj. Notfalls auch auf per Handy-App. Wer sich jemals im Zeichnen auf einem Handy-Display probiert hat, bekommt eine Ahnung, welche spezifischen Fähigkeiten diese Technik abverlangt. Das macht neugierig auf weitere Arbeiten der jungen Frau, die später einmal Designerin werden möchte.

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