Welche Rolle Seilbahnstrecken zur Entlastung des Verkehrs spielen können, das wollen alle Fraktionen gründlich und rasch prüfen lassen. In dieser Frage positionierte sich der Ausschuss für Umwelt, Klima, Infrastruktur (AUKIV) gegen die Stadtverwaltung – und behandelte einige weitere wichtige Themen.

Ein Überblick.

Machbarkeitsstudie für Seilbahnstrecke

Die Fraktion „Die Linke mit Bürgerpartei GL” hatte beantragt, im Rahmen der Regionale 2025 eine Machbarkeitsstudie für eine Seilbahnstrecke in Auftrag zu geben, die vom Busbahnhof Bensberg über die Stationen Vinzenz Pallotti, Technologiepark und Miltenyi bis Steinacker, womöglich sogar über Herkenrath bis Spitze geführt werden könnte.

Dem Antrag legte die Linke einen 68-seitigen „Leitfaden für die Entwicklung von Seilbahnen in urbanen Standorten” des bayrischen Bauministeriums vor – und überzeugte damit zur Überraschung ihres Vertreters Alfons Adler alle anderen Fraktionen.

Für die SPD erläuterte Andreas Ebert, dass die Idee in der Fraktion zwar kontrovers diskutiert werde; eine Seilbahn aber eine gute Idee zur Entlastung im Osten der Stadt sei – zumal es bis zur geplanten Verlängerung der KVB-Linie 1 noch lange dauern würde. Man solle den Antrag in dieser Sitzung zwar noch einmal vertagen und klären, wie die Machbarkeitsstudie finanziert werden kann –  sie dann aber beauftragen.

Dem schlossen sich alle nachfolgenden Redner an, mit einigen Ergänzungen.

Roland Schundau schlug für die Grünen vor, gleich eine zweite Strecke, nämlich von Thielenbruch über das Finanzamt und den S-Bahnhof bis Spitze, zu prüfen.

Harald Henkel (CDU) ergänzte, man müsse im Vorfeld zudem einen Blick darauf werfen, wer als Investor und/oder Betreiber der Seilbahn in Frage käme. Dieser können sich unter Umständen an den Kosten der Machbarkeitsstudie beteiligen.

Jörg Krell (FDP) sagte, es sei „absolut notwendig”, sich jetzt mit der Option Seilbahn zu befassen. Er kritisierte Stadtbaurat Harald Flügge, der in der Verwaltungsvorlage einerseits eine Ablehnung des Antrags empfohlen und gleichzeitig vorgeschlagen hatte, die Seilbahnoption im Rahmen der „Ertüchtigung der Stadtbahn 1″ zu prüfen. Es sei befremdlich, so Krell, wie der Baurat das Thema zerrede. Es sei der klare Wunsch des Ausschusses, dass die Verwaltung bei der übernächsten Sitzung des AUKIV eine vernünftige Vorlage liefere, sagte Krell.

Der Antrag der SPD wurde mit den Ergänzungen einstimmig verabschiedet.

Schließung des Wohnmobilstellplatzes

Nach Auskunft von Baurat Flügge sei die Schließung des Stellplatzes am Kombibad nicht endgültig, sondern ein bewusst gesetztes Signal zu Beginn der Reisesaison, dass die Art und Weise, wie der Platz bislang bewirtschaftet wurde, nicht tragbar sei. Nicht nur irische Landfahrer, sondern auch andere Nutzer hätten zu massiven Problemen geführt, daher habe die Ordnungsbehörde handeln müsse. Nun werde man die Erfahrung anderer Städte studieren und nach einer Lösung für eine Wiedereröffnung suchen.

Belastungen durch Klärschlamm

Willi Carl, Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs, warnte den Ausschuss vor einer Kostenexplosion bei der Entsorgung des Klärschlamms. Der darf bereit jetzt nur in Verbrennungsanlagen entsorgt werden, von denen es zu wenig gebe. Daher seien die Kosten bereits von 15 auf bis zu 120 Euro je Tonne gestiegen. In der Stadt fallen jährlich rund 6500 Tonnen an.

Bis 2028 müsse aber vor der Verbrennung das Phosphat herausgefiltert und gesondert entsorgt werden. Dafür gebe es bislang kaum Kapazitäten, horrende Preise seien zu erwarten. Daher versuche die Stadt, sich einem von vier großen Verbänden anzuschließen, die entsprechende Anlagen bauen und den Schlamm für einen Fixpreis annehmen.

Zum Schluss der Sitzung verabschiedete sich Carl aus dem Ausschuss in den Ruhestand. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und verwies darauf, dass seine Nachfolge noch nicht geklärt sei.

Radweg entlang der S-Bahn-Strecke

Der Antrag des ADFC, beim Ausbau der S-Bahn-Gleise einen Radweg vom Bahnhof bis Duckterath mit zu bauen, liegt nach Angaben der Verwaltung auf Eis. Zunächst müsse die Planung der Deutschen Bahn für die Strecke vorliegen – das werde mindestens noch zwei Jahre dauern.

Umwidmung  „Am Dännekamp”

Die Grünen hatten beantragt, den Straßenabschnitt zwischen der Behindertenwerkstatt und ihrer Kantine in einen Parkplatz umzuwidmen. Hintergrund ist hier der geplante Ausbau der benachbarten Psychosozialen Klink, deren Zuwegung genau dort entlang führen würde. Laut Baurat Flügge gab es in der Sache ein „Konfliktlösungsgespräch” mit allen Beteiligten, der einige alte Ideen neu belebt habe. Es sei aber klar, dass es sich hier um eine „gewidmete Verkehrsfläche” handele.

Keine Müllfahrzeuge zwischen 7 und 9

Der Antrag der CDU, die Müllfahrzeuge in der Stoßzeit von sieben bis neun Uhr von den Hauptverkehrsstraßen zu verbannen, wurde einstimmig angenommen.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Der 1. Beigeordnete übt sich mal wieder in Ignoranz. Nach dem Mott “Das hatten wir noch nicht, das wird es auch jetzt nicht geben!” negiert er a priori die Seilbahnen, lässt aber gutmütig eine Diskussion zu.

    Eine tatsächliche Befreiung aus dem täglichen Verkehrschaos wir nur gelingen, wenn alle Personenbeförderungsmittel sinnvoll in ein Gesamtkonzept eingebunden werden.

    Wo befinden sich die neuralgischen Punkte?:

    – Mülheimer/Bergisch Gladbacher Str. 10 min. Taktung S11, LKW auf Schiene
    – Kempener/Paffrather Str. Seilbahn von Leverkusen bis Bf BGL
    – Odenthaler Str. 10 min. Takte Elektrobusse + Radweg
    – Benbsrger Str. Seilbahnweiterführung zum Bus-Bf Bensb.
    – Braunsberger Str./Straßen/Friedrich-Ebert-Str. Seilbahn von Kürten bis Bus-Bf. Bensberg
    – Overather Str. 10 min. Takte E-Busse + Radweg
    – Kölner Str./Frankenforsterstr. 10 min. Takte E-Busse + Radweg
    – Dolmannstr. 10 min. Takte E-Busse + Radweg

    Mit den bisher vorgestellten “Konzepten” wird man da nicht nur keine Abhilfe schaffen, das Chaos wird sich vergrößern. Darum muss ein Mix aus den verschiedenen Möglichkeiten wie ÖNVP, Seilbahnen, Radwegenetz, Lastverkehr auf die Schiene und Individualverkehr her, um den Übeln an die Wurzel zu gehen. Was hier vorgestellt ist, trägt sicher große Mängel, es kommt ja von einem Laien. Aber so ähnlich wird es gehen müssen.