Einem Aufruf zu einer Demonstration besorgter Mütter und Vätern, die um die Kita Arche Noah in Refrath bangen, sind viele Eltern, Kinder, Großeltern und Nachbarn gefolgt. Die Evangelische Gemeinde nimmt als Träger ausführlich Stellung zu den Problemen vor Ort.

Gegen 15 Uhr startete die Demo an der Kita in Kippekausen.  Dabei hatten die Demonstranten viele Transparente, auf denen beispielsweise zu lesen war: „Unsere Arche geht unter“ oder „Gelb-Rote Karte für den Kita-Träger“.

„Bereits seit einem Jahr bewege sich diese Kita in Richtung Untergang“ sagten Eltern-Vertreter. Sie verweisen auf eine starke Fluktuaktion, der Beschäftigten. Selbst längjährige Mitarbeiterinnen hätten gekündigt. 

Die integrative Kindertagesstätte „Arche Noah“ im Familienzentrum E.N.G.E.L. ist eine Einrichtung der evangelischen Kirchengemeinde Bensberg. Kinder im Alter von 4 Monaten bis 6 Jahren werden in den integrativen Tagesstättengruppen, Kindergartengruppen und Spielgruppe betreut.

Die stetigen Wechsel der Betreuerinnen und Betreuer seien zuletzt für die Kinder eine große Belastung gewesen, erzählt ein Vater. Kaum seien die Kleinen mit einer Person vertraut, komme schon wieder ein Wechsel.

Die Erzieherinnen und Erzieher, die noch in der Arche Noah wirken, gäben ihr Bestes, so die einhellige Meinung der Eltern. Die Probleme hätten mit dem Wechsel der Leitungsposition vor einem Jahr angefangen. Neue Strukturen hätten für Unruhe im Team gesorgt und zu den Abgängen geführt. 

Die Eltern wünschen für ihre Kinder wieder stabile Zeiten. An dem vom Träger angebotenen Sonder-Kündigungsrecht des Kitaplatzes haben sie kein Interesse. Gesprächen würden sich die Leitung und der Träger der Kita verweigern.

Während sich die Demo am Mittwoch sammelt und in Bewegung setzt, tagen im Besprechungsraum der „Arche Noah“ die für das Haus Verantwortlichen (Träger, Leitung), erzählt eine Mutter. Sie hoffte, wie andere Eltern, dass sich im Zusammenhang mit dem Treffen der Verantwortlichen vor Ort spontan ein erhellendes Gespräch unter den Betroffenen gesucht wird. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung.

Allerdings bezog die Evangelische Kirchengemeinde später in einer ausführlichen Pressemitteilung Stellung. Sie bedauert „die schwierige Situation”. Die Situation habe sich durch Erkrankungen verschärft, neue Mitarbeiter zu gewinnen sei sehr schwierig. Zur Zeit arbeite man an Notfallpläne sowie an einem Konzept zur Kommunikation und zum Beschwerdemanagement. 

Gemeinsam mit dem Jugendamt sei entschieden worden, die Gruppenstärke der Kita im neuen Kindergartenjahr von vier auf dre Gruppen zu senken. Damit reduziere sich die Anzahl der zu betreuenden Kinder von derzeit 70 auf zukünftig 52 Kinder.

Dokumentation: Stellungnahme der Evangelischen Gemeinde Bensberg
Pressemitteilung der Evangelischen Kirchengemeinde Bensberg zur Demo der Eltern

Die Ev. Kirchengemeinde Bensberg ist Träger von 2 Kindertagesstätten sowie des mehrfach vom Familienministerium mit dem Gütesiegel Familienzentrum als hervorragend zertifizierten Familienzentrums E.N.G.E.L. Die Fragen der Eltern beziehen ausschließlich auf die Integrative Kindertagesstätte Arche Noah.

Der Träger bedauert die schwierige Situation in der Kindertagesstätte Arche Noah sehr.

Nach einer Zeit der Vakanz wurde im Mai 2018 die Leitungsstelle neu besetzt. Als unmittelbare Reaktion auf die Neubesetzung haben 3 Mitarbeiterinnen das Haus verlassen.  Diese Stellen konnten alle neu besetzt werden, allerdings dauerte die Neubesetzung vor dem Hintergrund des allgemein bekannten Fachkräftemangels im pädagogischen Bereich bis in den Dezember 2018. In diesem gesamten Zeitraum ist es nicht zu Gruppenschließungen gekommen, was in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass die neue Leitung mit einem sehr hohen Engagement in den Gruppen tätig war.

Bereits seit Ende 2017 hat sich der Träger, vertreten durch das Presbyterium, intensiv mit der Vereinheitlichung von QM Maßnahmen sowie der Einführung von einheitlichen Qualitätsstandard in der pädagogischen Arbeit beschäftigt.  Kernprozesse sollten überprüft werden und gemäß Qualitätshandbuch evangelischer Kindertagesstätten in Köln angepasst werden. Wir haben dieses Vorhaben im Vorfeld intensiv mit Mitarbeitern und Eltern besprochen. Im Rahmen eines Elternabends im Oktober 2018 wurden die Maßnahmen seitens der Eltern ausdrücklich begrüßt, teilweise sogar eingefordert.

Unmittelbar nach diesem Elternabend haben wir mit einer Team-Coachingmaßnahme durch eine auf Kindertagesstätten spezialisierten Fachberatung begonnen, um dem Team langfristig damit die Arbeit und das Zusammenwachsen zu erleichtern. Mehrere gemeinsame Termine wurden durchgeführt. Das zeigt den hohen Grad der Motivation und Verantwortung für die neue Situation, die beim Presbyterium der Kirchengemeinde vorhanden ist.

Ab Januar 2019 waren alle Mitarbeiterstellen vollumfänglich und qualifiziert besetzt.

Im Februar 2019 wurde der Elternrat durch Trägervertreter sowie den externen Coach hinsichtlich der konkret bis zum Sommer geplanten QM-Maßnahmen in 8 Kernprozessen unterrichtet. Dieses wurde seitens der Elternvertreter ausdrücklich begrüßt.

Im Februar kam es leider zu einer Verschärfung der Situation, als mehrere Mitarbeiterinnen parallel und für uns unerwartet erkrankten. Das Presbyterium hat ständig über Stellenanzeigen oder Mundpropaganda neue Kräfte gefunden, befristet eingestellt und eigene Kräfte aus der zweiten KiTa in die Arche abgestellt. Damit konnten wir, um Eltern und Kinder, sowie die Kolleginnen zu unterstützen den Personalstand zahlenmäßig im pädagogischen wie gesetzlich erforderlichen Rahmen halten. In enger Absprache mit Jugendamt und Landesjugendamt wurden zeitlich befristet weitere Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Betriebes vereinbart. Es kam auch in diesem Zeitraum nicht zu Gruppenschließungen, allerdings wurden Eltern gebeten, sofern Fremdbetreuungszeiten nicht zwingend erforderlich seien, Kinder früher abzuholen. Diese Maßnahme wurde am 14. Februar, im Rahmen eines Elternabends, gemeinsam mit den Eltern beschlossen.

Parallel haben wir in dieser Zeit immer wieder mit dem Elternrat und auch der Elternschaft das Gespräch gesucht, versucht, unsere missliche Lage (ungeplante Unterbesetzung durch Erkrankung von Mitarbeiterinnen, Urlaubsansprüche und Überstundenabbau) zu erklären und nach Wegen für eine gemeinsame Lösung zu suchen. Je länger aber die Lage anhielt und die Stabilität bei aller Anstrengung nicht hergestellt werden konnte, wurde die Unzufriedenheit bei den Eltern größer. Als Träger verstehen wir durchaus den großen Druck, den Eltern haben, ihre Kinder aus beruflichen Gründen in eine verlässliche Betreuung zu geben und ebenso den absolut berechtigten Wunsch für ihr Kind eine möglichst positive Zeit in der KiTa zu bekommen.

Wir gehen heute davon aus, dass diese fortschreitende Instabilität zu weiteren Kündigungen geführt hat. Es kommt erschwerend dazu, dass der Fachkräftemangel im pädagogischen Bereich durch die Einführung von KiBiz mittlerweile so exorbitant ist, dass so gut wie keine neuen qualifizierten Kräfte gewonnen werden können. Auf der anderen Seite ist es leicht für Mitarbeitende, sich neue Stellen zu suchen.

Die Coachingmaßnahmen konnten z.T. dann ebenfalls nicht mehr fortgeführt werden, weil dafür einfach keine Kapazität blieb. Sie sind jedoch nach wie vor im Blick und sollen fortgeführt werden. Als Träger wollen wir keine Möglichkeit auslassen, die Lage zu verbessern. Dazu gehören und gehörten, in dieser besonderen Lage, dicht getaktete Gespräche mit der Leitung, die wir zu jedem Zeitpunkt als sehr kompetente Ansprechpartnerin wahrgenommen haben, inklusive zugeordnetes Coaching und Supervision durch Fachkräfte, um sie in ihrer Rolle in dieser besonderen Lage zu stärken und zu beraten.  Des Weiteren sind wir von Anfang an in engem Austausch mit dem Jugendamt der Stadt Bergisch Gladbach, dem Landschaftsverband und unserer evangelischen Fachberatung und sprechen unsere Maßnahmen jeweils eng und vertrauensvoll ab. Wir sind z.Zt. dabei, Notfallpläne abschließend zu formulieren, sowie ein Konzept zur Kommunikation und zum Beschwerdemanagement einzuführen.

Ein weiterer perspektivisch entlastender Blick wird sein, dass wir uns gemeinsam mit dem Jugendamt der Stadt Bergisch Gladbach entschlossen haben, die Gruppenstärke der KiTa im neuen Kindergartenjahr von 4 auf 3 Gruppen zu senken. Damit reduziert sich die Anzahl der zu betreuenden Kinder von derzeit ca. 70 auf zukünftig ca. 52 Kinder.

Wir freuen uns, dass wir auf die ausgeschriebene Stellen Bewerbungen erhalten und hoffen, dass wir trotz der in die Öffentlichkeit getragenen Schwierigkeiten in der KiTa gute Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter finden werden.

Wir können die Not der Eltern verstehen und bemühen uns so gut es geht, die Sachlage zu wenden. Für uns als Träger ist es wichtig, in allem Handeln ein klares Konzept zu behalten, ein Ziel, auf dass wir zum Wohl der Kinder hinarbeiten können, auch wenn die bedrängende Tagesaktualität im Moment eine andere Sprache spricht. Dazu gehört aber unbedingt, dass wir alle das Vertrauen aller Beteiligten zueinander in angemessener Weise wiederherstellen können.

Bereits in der vergangenen Woche haben wir dem Elternrat mitgeteilt, dass wir kurzfristig einen Informationsabend für die Eltern einberufen werden, in dem wir Lösungsoptionen miteinander besprechen möchten.

Helga Niekammer

ist freiberufliche Journalistin (Text und Bild), weitere Berichte und Fotos finden Sie auf bensberg-im-blick.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Das Schlimmste an dem Artikel ist die Stellungnahme des Trägers. Nicht nur, dass er keinerlei Einsicht zeigt. Er verdreht Informationen und Halbwahrheiten zu seinen Gunsten.

    (Nur) Ein Beispiel?
    Ja, wir Eltern haben im Februar den verkürzten Öffnungszeiten von Seiten der Einrichtung letztlich zugestimmt. Aber nur weil sich zwei pädadgogische Fachkräfte aus der Elternschaft an diesem Abend bereit erklärt haben, die Nachmittagsbetreuung mit Hilfe von weiterer freiwilliger Hilfe von fachfremden Eltern sechs Wochen lang zu übernehmen! Und weil uns vom Träger keine Alternative geboten wurde.
    Das Team sollte in dieser Zeit nicht pausieren und entlastet werden oder zur Ruhe kommen, sondern “miteinander ins Gespräch kommen”…

    Beim Lesen dieser Stellungnahme werde ich als betroffenes Elternteil soooo wütend, vor allem über unsere Hilflosigkeit :,(
    Denn wir haben bei 400 fehlenden Plätzen in GL einfach keine Chance zu wechseln und das zynische Angebot eines Sonderkündigungsrechtes von Trägerseite anzunehmen.

    Oder hat wer einen 45 Stunden (Integrativ-) Platz für meinen vierjährigen Sohn?