Die bislang fast 50 Einbrüche halten nicht nur die Polizei, sondern auch die Stadtverwaltung in Atmen. Das Schulamt und das Jugendamt sind betroffen, aber auch viele weitere Dienststellen.

48 Einbrüche in Schulgebäude und Kindergärten sind nach Angaben der Stadt in den vergangenen sechs Wochen registriert worden, einige Einrichtungen seien mehrmals heimgesucht worden. Die Höhe des Sachschadens aufgrund von zerstörten Türen und Verwüstungen könne noch nicht konkret beziffert werden.

Die Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter in der Schulverwaltung, an den Schulen, im Hochbau, in der Gebäudewirtschaft sowie in der Abteilung Versicherung sei sehr hoch. Dabei gehe viel Zeit verloren, die eigentlich für andere Aufgaben, wie die Schulsanierung oder den OGS-Ausbau, genutzt werden müsste.

Wie die Stadt konkret reagiert, will sie im Moment nicht sagen. Ein Grund sei, dass sie den Tätern keine Informationen liefern wolle. Alle Schulen seien zu einer erhöhten Aufmerksamkeit aufgefordert worden; Anwohner werden gebeten, mit aufzupassen.

Jugendamt ist einbezogen

Bei Fällen, in denen Jugendliche bei der Polizei auffällig werden, wird immer auch das Jugendamt informiert. Zu den aktuellen Ereignissen – immerhin sechs Jugendliche sind von der Polizei ermittelt worden – nimmt die Stadt zwar keine Stellung. Sie stellt aber klar, dass es sich nicht um „zu bagatellisierende (Jugend-)Streiche” handele,  sondern um Straftaten mit einer inzwischen massiven Schädigung des allgemeinen Eigentums.

So geht das Jugendamt mit Hinweisen der Polizei um
Wenn ein Jugendlicher polizeiauffällig wird, mit Straftaten wie z.B. Körperverletzung, Raub oder Einbruchsdiebstählen:

  • ergeht in aller Regel eine Information der Polizeibehörde an das zuständige Jugendamt.
  • Wenn der Täter dem Jugendamt noch unbekannt ist, werden die Eltern zusammen mit dem/der Jugendlichen zunächst aufgefordert, zu einem Gesprächstermin zu erscheinen.
  • Wenn bereits Familienhilfe geleistet wird, wird die Meldung der Polizei zum Anlass genommen, ggf. weitere Maßnahmen der Familienhilfe zu ergreifen, die eine Besserung im Verhalten des Jugendlichen versprechen.

Wenn der junge Mensch, 14 Jahre oder älter ist, tritt die Jugendhilfe im Strafverfahren des Jugendamtes auf den Plan und erörtert gemeinsam mit dem Jugendlichen/ Heranwachsenden und ggf. den Erziehungsberechtigten die möglichen erzieherischen Maßnahmen und leitet diese auch ein.

Zur Sache: Jugendstrafrecht
Das Jugendstraftrecht ist das für Jugendliche (14- bis 17-Jährige) und z. T. auch für Heranwachsende (18- bis 20-Jährige) geltende Straf- und Strafprozessrecht; es weicht in wesentlichen Grundsätzen vom allgemeinen Strafrecht ab.

In Deutschland beginnt die strafrechtliche Verantwortlichkeit mit der Vollendung des 14. Lebensjahres, wenn der Jugendliche zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug war, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln (§ 3 Satz 1 JGG).

Kinder unter 14 Jahren sind schuldunfähig (§ 19 StGB).

Auf Heranwachsende wird trotz zivilrechtlicher Volljährigkeit das J. angewendet, wenn im Einzelfall der Täter zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand oder es sich bei dem Charakter der Tat um eine Jugendverfehlung handelt (§ 105 JGG).

Der Unterschied zum Erwachsenenstrafrecht liegt beim materiellen Strafrecht im Bereich der Rechtsfolgen der Tat. Eine Jugendstraftat ist in erster Linie durch Erziehungsmaßregeln (Erteilung von Weisungen; Anordnung, Hilfe zur Erziehung nach § 12 JGG in Anspruch zu nehmen) zu ahnden; wenn diese nicht ausreichen, um dem Täter das Unrecht der Tat und seine Einstandspflicht hierfür bewusst zu machen, wird die Straftat mit Zuchtmitteln(Verwarnung; Erteilung von Auflagen, z. B. Schadensersatz, Zahlung von Bußen; Jugendarrest) oder mit Jugendstrafe geahndet.

Als Maßregeln der Besserung und Sicherung können die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt, die Führungsaufsicht oder die Entziehung der Fahrerlaubnis angeordnet werden. Nachträgliche Sicherungsverwahrung bei Verurteilungen nach J. kann gemäß § 106 JGG erfolgen.

Quelle und weitere Infos: Bundeszentrale für politische Bildung

In einem späteren Gerichtsverfahren oder im Rahmen einer möglichen Einstellung durch die Staatsanwaltschaft werden diese Maßnahmen (z.B Sozialstunden, Anti-Aggressions-Training aber auch Arrest etc.) dem Gericht/ Staatsanwaltschaft empfohlen, die diese dann meist in ihr Urteil/ Entscheidung umsetzen. Des Weiteren besteht die Aufgabe darin, die individuelle persönliche Situation des jungen Menschen in die Entscheidungsfindung einfließen zu lassen.

Grundsätzlich ist das Jugendamt nicht dazu da, Vergehen der Jugendlichen durch behördlichen Eingriff zu ahnden, sondern um Gefahren von Kindern und Jugendlichen abzuwenden. Eingriffe sind jedoch im Sinne des Minderjährigen dort erforderlich, wo eine konkrete Kindeswohlgefährdung vorliegt.

Dies kann bei jugendlichen Straftätern der Fall sein, wenn Eltern nicht willens oder in der Lage sind, auf den Jugendlichen positiv einzuwirken bzw. bei Maßnahmen des Jugendamtes mitzuwirken. Dann kommt ggf. auch eine Inobhutnahme durch Pflegepersonen oder eine Jugendeinrichtung in Betracht.

Auch wenn Kinder noch nicht strafmündig sind, wird das Jugendamt bei einer Straftat von der Polizei eingeschaltet, mit den o.g. Konsequenzen. Lediglich die Option der Jugendhilfe im Strafverfahren würde hier mangels Strafunmündigkeit entfallen.[/su_spoiler]

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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