Anja Causemann zeigt dem Bürgermeister die „Selbstverbucher”

Fünf Bücher legt Lutz Urbach auf dem markierten Feld ab, innerhalb von Sekunden zeigt der Monitor Titel und Status der ausgeliehenen Bücher an –  schon ist der Bürgermeister fertig. In der Stadtbücherei herrscht jetzt Selbstbedienung.

In den vergangenen Monaten hat sich in der Stadtbücherei am Forum viel verändert: Die MitarbeiterInnen haben um die 100.000 Bücher und andere Medien per Hand mit sogenannten RFID-Etiketten ausgestattet, ein elektronisches Sicherungssystem eingeführt und einen Kassenautomaten installiert. Zum Schluss wurde das gesamte Foyer umgestaltet.

Dort stehen jetzt die sogenannten ,,Selbstverbucher”: eine Edelstahlstele mit Monitor, Minidrucker und Ablagefeld für die Bücher. Hier kann jetzt jeder Büchereibesucher seine Bücher selbst verbuchen, an anderen Stelen die Bücher zurückgeben.

Seit einer Woche ist diese neue Technik im Einsatz und stößt auf große Begeisterung. Frau Koch-Müther, die seit zehn Jahren Kundin der Stadtbücherei ist, hält diese Modernisierung für eine gute Sache. Beim ersten Mal habe sie noch Probleme bei der Verbuchung gehabt, jedoch sei es nach einmaligem Erklären beinahe selbstverständich.

Büchereileiterin Monika Gippert erzählt, dass ihnen die Idee, die Bücherei umfassend zu modernisieren, etwa vor zwei Jahren gekommen sei. ,,Wir haben eine öffentliche Ausschreibung gemacht.” Letztendlich entschied sich das Büchereiteam für das Verbuchungssystem der Firma EasyCheck, da sich diese Technologie als bemerkenswert schnell und einfach herausstellte.

Insgesamt 90.000 Euro hat das System gekostet, 80 Prozent übernahm das Land.

,,Stapelweise mehr Komfort”

,,Ein wichtiger Vorteil der neuen Selbstverbucher ist der Faktor Privatsphäre”, erklärt Gippert. Da die KundInnen ihre Medien selbst verbuchen, werde ihre Privatsphäre geschützt, da sie niemandem ihre Auswahl vorzeigen müssten. Außerdem gestalte sich das Ausleihen und Zurückgeben der Bücher deutlich leichter als zuvor.

Dank der sogenannten Massenverbuchung könne man bis zu zehn Medien gleichzeitig verbuchen, betont die Büchereileiterin. ,,Voll cool, wie schnell das geht”, staunt ein Junge, der mit seinen Großeltern das erste Mal nach der Umgestaltung hier ist.

Die Wartezeit soll noch weiter reduziert werden. Früher saßen an der Empfangstheke zwei, maximal drei Mitarbeiter, heute gibt es fünf Stelen, die ständig im Einsatz sind. Daher sollte es zukünftig auch zu Stoßzeiten kaum zu Verzögerungen kommen, erzählt Gippert.

Entgegen der Befürchtungen von vielen Kunden werden die Mitarbeiter nicht durch diese Technik ersetzt. Durch diese Entlastung bekommen sie deutlich mehr Zeit für persönliche Beratung, aber auch für Veranstaltungsarbeit und Klassenführungen, betont Gippert.

Hinzu kommt, dass nur durch diesen Wegfall der Routinearbeit eine weitere Verlängerung der Öffnungszeit möglich wird: Sobald sich die neue Technik etabliert hat, soll die Bücherei auch samstagsvormittags geöffnet haben.

Hintergrund: Wie funktionieren die Selbstverbucher?

RFID ist die Abkürzung für Radio Frequency Identification; also der Identifizierung mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen. Jedes Medium der Stadtbücherei ist mit einem RFID-Chip ausgestattet, auf dem die jeweilige Barcode-Nummer gespeichert ist.

Legt man die Medien (einzeln oder im Stapel) auf die Verbuchungsstation, übertragen Radiowellen diese Informationen per Funk an die Station und man kann die Medien per Touchscreen ausleihen oder zurückbuchen. Selbstverständlich werden aber auch trotz neuer Technik weiterhin die MitarbeiterInnen zur Beratung vor Ort sein.

Gebühren kann man an einem Kassenautomaten bezahlen.

Eine futuristisch anmutende Alarmanlage verhindert, dass Bücher heimlich mitgenommen werden.

Dieses Projekt wurde mit 80 Prozent der Kosten vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert. Die gesamte technische Ausstattung ist so angelegt, dass sie nach dem geplanten Umzug in das neue Stadthaus weiterverwendet werden kann.

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