Ein heller Glasbau und ein dunkles, langgezogenes Gebäude – so sollen die neuen Stadthäuser aussehen. Der Entwurf zeigt links den Blick in die Fußgängerzone, der Bahnhof ist von den Gebäuden verdeckt, rechts liegt die Jakobstraße.

Das große neue Stadthaus nimmt Gestalt an: Am Kopf des S-Bahnhofs soll ein gläserner Würfel gebaut werden und die Stadtbücherei aufnehmen, die Stadtverwaltung kommt in einem langgezogenen Bau mit Innenhöfen entlang der Jakobstraße unter. Auf der Ecke entsteht ein neuer Platz.

Dieses Ergebnis eines zweistufigen Architektenwettbewerbs stellte die Stadtverwaltung am Donnerstag vor. Der Siegerentwurf und die Vorschläge der anderen Wettbewerbsteilnehmer werden ab Freitag im Kunstmuseum Villa Zanders öffentlich ausgestellt.

Zur Erinnerung: Der Stadtrat hatte 2016 beschlossen, für die Büros der Stadtverwaltung und die Stadtbücherei ein völlig neues Gebäude auf dem sogenannten Kopfgrundstück zwischen S-Bahnhof und Rheinberg-Passage zu bauen. Die Kosten werden auf 46 Millionen Euro veranschlagt – was immer noch deutlich günstiger ist, als die beiden maroden Stadthäuser an der Gohrsmühle und die Bücherei am Forum zu sanieren. Diese Gebäude sollen abgerissen, die Grundstücke neu genutzt werden. Auch der Bahnhof wird ausgebaut; er erhält einen zweiten Bahnsteig.

Für die Planung des neuen Stadthauses wurde im Herbst 2018 ein zweiphasiger, anonymer Planungswettbewerb ausgeschrieben. In der zweiten Runde waren sechs Teams mit ihren Entwürfen angetreten. Eine Jury unter dem Vorsitz von Prof. Christa Reicher aus Aachen hat jetzt einen Sieger gekürt und der Stadt einstimmig empfohlen, diesen Entwurf umzusetzen.

Jörn Scholz von Auer Weber Assoziierte erläutert den Entwurf.

Der Gewinner des Wettbewerbs ist das Architekturbüro Auer Weber Assoziierte GmbH Architekten BDA aus Stuttgart.

Die weiteren Beteiligten
Zum Planerteam gehören

  • Latz + Partner LandschaftsArchitektur Stadtplanung aus Kranzberg,
  • Knippers Helbig Advanced Engineering GmbH aus Stuttgart (Tragwerksplanung),
  • Schreiber Ingenieure Systemplanung GmbH aus Ulm (Technische Gebäudeausrüstung),
  • ibb Burrer & Deuring Ingenieurbüro GmbH aus Ludwigsburg (Technische Gebäudeausrüstung, Elektrotechnik)
  • Müller BBM GmbH Niederlassung BfB Stuttgart (Bauphysik).

Das Projekt habe die Jury durch zwei sehr unterschiedlich gestaltete Baukörper im Kopfbereich der Gleise und an der Jakobstraße überzeugt, heißt es in der Pressemitteilung:

„Ein zeichenhafter gläserner Würfel am Ende der Bahngleise mit Reisezentrum und GL-Shop im Erdgeschoss und der Bibliothek in den Obergeschossen markiert prägnant die Ankunft in der Stadt und leitet über in Richtung Ortskern. Als Solitär hat er Strahlkraft in alle Richtungen.

Im Kontrast dazu wird das Baufeld an der Jakobstrasse durch ein rhythmisch gegliedertes Gebäude mit Innenhöfen für die neue Stadtverwaltung entwickelt. Es überzeugt durch seine Maßstäblichkeit im Stadtraum. Zudem verspricht es im Innern ein lichte, einladende Atmosphäre und hervorragende Arbeitsplatzqualitäten.

Auch das Freiraumkonzept lobte die Jury. Durch die räumliche Staffelung der Baukörper entsteht im Eckbereich Jakobstraße und Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße, wo sich auch der Haupteingang zum neuen Stadthaus befindet, ein neuer Platz, der von Norden herkommend zugleich ein angemessenes Entrée zur Fußgängerzone der City schafft.”

Ein Foto des Modells zeigt die Proportionen

Weitere Aussagen zum Entwurf finden sich in einer Beschreibung von Auer Weber Assoziierte sowie in der Begründung der Jury- siehe Dokumentation unten.

Alle Wettbewerbsarbeiten werden vom 19.4. bis 2.5. im Kunstmuseum Villa Zanders ausgestellt. Die Öffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag 14:00 – 18:00 Uhr
Donnerstag 14:00 – 20:00 Uhr
Sonn- und Feiertag 11:00 – 18:00 Uhr

Dokumentation:

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Redaktion

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2 Kommentare

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  1. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass bodentiefe Fenster (nach innenliegender Dachentwässerung die zweitdämlichste “Erfindung” des “modernen” Bauwesens) bei einem Verwaltungsgebäude auch nur ansatzweise eine brauchbare Idee wären?
    Sie sind es schon im Wohnbereich nur selten!

    Sie sind unnötig teuer, energetischer Schwachsinn (im Winter geht zu viel Wärme verloren, im Sommer kommt zu viel rein), die Mitarbeiter fühlen sich beobachtet, wenn jeder auf der Straße stehende Idiot ihnen unter die Schreibtische schauen kann, …

  2. Das neue Stadthaus – zurück ins 20. Jahrhundert?

    Die Stadtverwaltung hat das Ergebnis eines zweistufigen Architektenwettbewerbs für das neue Stadthaus vorgestellt.
    In-gl.de beschreibt es als „ein dunkles, langgezogenes Gebäude“. Über die Ästhetik des Gebäudes kann man vielleicht noch streiten (mir jedenfalls gefällt es nicht). Dass in dem Entwurf aber auf jede Fassadenbegrünung verzichtet wird kann nur Kopfschütteln auslösen.
    Es ist unbestreitbar, dass wir uns in Zeiten eines Klimawandels befinden, wodurch Hitzeperioden im Sommer bereits zugenommen haben und in Zukunft auch weiter zunehmen werden.
    So kann aktuell auf den Seiten des CDU geführten Umweltministeriums in NRW gelesen werden: „Über acht Millionen Menschen in Nordrhein-Westfalen leben in Städten mit über 100.000 Einwohnern. Dort werden die infolge des Klimawandels häufiger und länger auftretenden Hitzeperioden dazu führen, dass sich sogenannte Hitzeinseln bilden. …..
    Auf die prognostizierten Folgen des Klimawandels müssen Stadtplanung und Politik schnell reagieren, da städtische Umgestaltungen viel Zeit benötigen. Zu den empfohlenen Maßnahmen, um das Stadtklima abzukühlen, gehören die Begrünung von Dächern, Straßenzügen und Fassaden sowie das Anlegen von Parks und Natur- und Wasserflächen.“
    Die geplante Begrünung des Flachdaches auf dem neuen Stadthaus ist da schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht ausreichend. Gerade dunkle Fassaden heizen sich bei Sonneneinstrahlung stark auf und geben diese Hitze an die Umgebung ab.
    Dieser Zusammenhang ist lange bekannt und wird in dem „Gutachten Fassadenbegrünung“, (im Auftrag des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKUNLV) NRW) ausführlich beschrieben.
    Bereits auf den ersten Seiten ist zu lesen „Das Gutachten soll dem Land und Kommunen Hinweise über bestehende Unterstützungen zur Stärkung von Fassadenbegrünungen, ihre Vorteile für Gebäude und Quartiere sowie zu Bauweisen und Planungskriterien geben.“ Bei den Verantwortlichen in Bergisch Gladbach scheint dieses Gutachten aber nicht bekannt zu sein.
    Wie wichtig dieses Thema ist zeigt der Text auf den folgenden Seiten: „Dass Dachbegrünungen aufgrund der höheren Investitionskosten häufiger finanziell gefördert werden als Fassadenbegrünungen, ist nachvollziehbar. Andererseits können mit Fassadenbegrünungen insgesamt mehr Flächen begrünt werden, das Grünvolumen pro Fläche ist meist höher als bei extensiven Dachbegrünungen, und auch die Sichtbarkeit im urbanen Raum ist ein Faktor, der für eine verstärkte Förderung von Fassadenbegrünung spricht.“

    Zu den positiven Effekten der Fassadenbegrünung gehören:
    – Gebäudekühlung durch Verschattung und Verdunstungskälte
    – Verringerung der Temperatur in der Umgebung während Hitzeperioden
    – Dämmwirkung des Gebäudes durch zusätzliches Luftpolster
    – Schutz der Fassade vor Schadstoffen und Verschmutzung
    – Nutzung von Grauwasser möglich
    – Regenwasserrückhalt
    – Bindung von Luftschadstoffen (Feinstaub und Stickoxid!)
    – Lärmreduktion in der Gebäudeumgebung
    – Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Umgebung durch Begrünung
    In dem Gutachten wird auch darauf hingewiesen, warum noch nicht so häufig eingesetzt wird: „Obwohl die zahlreichen Vorteile und Potenziale der Fassadenbegrünungen erwiesen sind, stößt diese in der Praxis bei Bauherren und Investoren häufig auf Ablehnung. Die Vorbehalte sind meist auf Fehler in Planung sowie mangelhafte Ausführung und Pflege zurückzuführen. In anderen Fällen resultieren sie schlicht aus fehlendem (Fach-)Wissen und Vorurteilen.“
    Dass die Planung des neuen Stadthauses noch einmal geändert wird ist leider kaum anzunehmen. Es wäre aber zu hoffen, dass bei den noch anstehenden Planungen (Zandersgelände!) eine Fassadenbegrünung in die Planung aufgenommen wird.