Der Hasselbachteich am 23.7.2019

Der Gierather Wald ist ein besonders wichtiges Naturschutzgebiet. Mitten drin liegt der Hasselbachteich: er versandet, der Grasfrosch das erste Opfer – doch die Hilferufe der Anwohner bleiben unbeantwortet. Ein Appell.

Wer das Naturschutzgebiet Gierather Wald, gelegen zwischen Dellbrück, Gierath, Gronau und Refrath betritt, der wird per Beschilderung aufgeklärt, dass es sich um ein „ökologisch bedeutsames, artenreiches und deshalb besonders schützenswertes Naturschutzgebiet“ handelt.

Dezidiert wird auf die selten gewordenen Gewässer und Sumpfbereiche hingewiesen, die u.a. ein bedeutsamer Lebensraum für Amphibien sind. Hunde müssen an der Leine geführt werden und dürfen nur am Wegesrand ihr Geschäft erledigen – es droht Überdüngung. Außerdem soll der Naturliebhaber die großen Wege nicht verlassen, um Flora und Fauna Rückzugsraum zu gewähren.

Die Einhaltung all dieser Auflagen wird regelmäßig von Damen und Herren des Ordnungsamtes überprüft, die gerne Verwarnungen verteilen. Ab und zu finden auch Ortsbegehungen statt, jedoch nichts, was darauf hinweisen würde, dass außer Abholzungen irgendetwas Sinnvolles zum Erhalt der Artenvielfalt getan wird.

Es ergibt sich der Eindruck, dass nicht nur die Gewässer eingetrocknet sind, sondern auch die Unterstützung durch die zuständigen Behörden, nämlich die untere Landschaftsbehörde und den Rheinisch Bergischen Kreis.

Verpflichtet der Naturschutz nur die Bürger und Bürgerinnen?

Der Hasselbachteich war vor Jahrzehnten ein 1,5 Meter tiefer Löschteich, der der Feuerwehr als Wasserreservoir diente und von der Tierwelt mehr als dankbar angenommen wurde. Unter anderem ist es einer der seltenen Massenlaichplätze des Grasfrosches.

Mittlerweile ist der Teich durch eingespültes Sediment so versandet und die Ablaufrinne so tief, dass er im August 2018 (nicht zum ersten Mal!) komplett ausgetrocknete.

Die früher vorhandene Population der grünen, in der Laichzeit laut schnatternden Teichfrösche ist leider zugrunde gegangen, da diese erst sehr spät im Mai laichen und die Kaulquappen dann im Hochsommer – bei der Austrocknung – noch nicht fertig sind.

Im Juni gab es noch ein einzelnes, einsames Männchen, welches quakte. Klingt herzzerreißend – ist es auch, denn man wird direkt vor der Haustür Zeuge des Aussterbens bedrohter Tierarten. Hilferufe besorgter Anwohner bei den Behörden versanden leider ebenso wie der Teich.

In 2018 versuchte die Feuerwehr zweimal auf Bitten naturliebender Anwohner durch eine Gabe von mehreren tausend Litern Wasser Tiere und Pflanzen zu retten. Auch in diesem Sommer war die Feuerwehr bereits aktiv.

Aber das mittlerweile geringe Wasserreservoir des flachen, nur noch maximal 60 cm tiefen Teiches verdunstete rasch in der Hitze des Sommers. Zudem verenden die Kaulquappen schon, wenn die höher gelegene Sumpfzone, die Schutz vor Fressfeinden bietet, trocken fällt.

In einer spontan organisierten Aktion retteten Naturfreunde in 2018 etliche Jungfische und Kaulquappen. Behörden wurden alarmiert, aber nichts ist passiert. Der Teich war bis Oktober ohne Wasser und man hätte in dieser Zeit gut Maßnahmen unternehmen können, um dies für die Zukunft zu verhindern.

Schnelles, unbürokratisches Handeln ist notwendig

Was könnte getan werden? Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass der Mensch den Teich künstlich geschaffen hat, sich nun aber nicht mehr darum kümmert.

Die Natur hat dieses einzige, frei zugängliche Wasserreservoir dankbar angenommen und daher haben wir alle (!) eine Verantwortung dafür. Im Sommer 2018 stellten Naturschützer sogar Wasserbehälter im Wald auf, da der Teich trocken lag und Rehe und andere Tiere kein Wasser mehr hatten. Übrigens wurde kein Jäger jemals beobachtet, bei solchen Aktionen zur „Hege & Pflege“ beizutragen.

Wieder zum Teich: Durch eine Erhöhung des Ablaufes, sowie Ausbaggern und Verdichten des versandeten Teichbodens, könnte hier leicht und günstig Abhilfe geschaffen werden. Engagierte Anwohner organisierten mit Behörden, Förster und Naturschutz in 2018 eine Ortbegehung und schlugen dieses Konzept vor. Passiert ist in der Folge leider nichts, trotz mehrfacher Nachfrage.

Die Chance (Teich lag trocken) verstrich ungenutzt – aber „zum Glück“ können wir das ja nun wieder versuchen – dieses Mal sogar einen Monat früher. Der aktuelle Wasserstand beträgt nur noch wenige Zentimeter – dabei haben die heißen Tage gerade erst angefangen.

Fazit: Auch dieses Jahr hat eine weitere Generation Amphibien einen Totalausfall zu beklagen.

Schon 2018 trocknete der Teich völlig aus. Anwohner retteten in einer spontanen Aktion hunderte Fische und Kaulquappen. Viele verendeten elend im Schlamm.

 Wir, als Bürgerinnen und Bürger, die dieses Naturschutzgebiet achten und schützen, fragen uns nun: Wann wird hier endlich unbürokratisch und schnell geholfen?

Wenn der Teich trocken liegt, können die Grundlagen für das nächste Jahr geschaffen werden. Dieser Zeitpunkt ist jetzt!

Der Wasserstand vor zwei Wochen

Das ist weitaus sinnvoller, als die spontane Nothilfe der Feuerwehr, die in diesen Tagen wieder 10.000e Liter Wasser in den Teich pumpen will. Gut gemeint, hilft aber nur sehr kurzfristig. In wenigen Tagen ist das Wasser wieder verdunstet.

Das Bild oben zeigt den Wasserspiegel vor zwei Wochen, das folgende Bild eine Woche später. Gut zu erkennen, in welcher Geschwindigkeit der Teich austrocknet.

Der Wasserstand vor einer Woche

Da es ein Nuturschutzgebiet ist, dürfen nur die Behörden eingreifen und sind damit auch in der Pflicht – finden wir.

Dr. Thomas Siems
Birgitte Tüpker

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7 Kommentare

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  1. Naturschutz scheint von Seitens der Stadt ein sehr dehnbarer Begriff zu sein. Mit riesen Geräten wird durch Unterholz gefahren, jetzt wurden mehrere völlig begehbare Wege mit Schichten von Schutt verbreitert und planiert, wozu? Vorher liess sich dort auch wunderbar gehen. Letztes Jahr habe ich beobachten können wie ein riesen Traktor über die Hauptwege gefahren ist um das Gras am Wegesrand zu mähen! Wozu das denn bitte?
    Und überall im Wald entstehen momentan so grässlich stinkende Stellen, die für Monate übel riechen. Was ist das, weiss jemand etwas darüber?

  2. Hallo
    Es wird von Naturschutzgebiet geschrieben.
    Anleinpflicht von Hunden?
    Auf den Wegen
    Es hält sich leider keiner dran. Die Herrschaften lassen schön ihre Hunde von der Leine und laufen ungehindert durch den Teich.
    Und dann redet man von Naturschutz! !

  3. Hubert Sumser hat einen sehr wichtigen Hinweis gebracht bzgl. Rote Liste, die am Teich übrigens nicht nur für Pflanzen relevant ist. Die o.g. zuständige Abteilung für Artenschutz weiß davon seit mindestens Herbst letzten Jahres und war auch vor Ort – zusammen mit dem Förster.

    Passiert ist nichts und Emails werden nicht beantwortet. Wofür bekommt diese Abteilung unsere Steuergelder??

    Zum Konzept: Meines Ermessens – und ich bin set 19 Jahren mindestens zweimal pro Woche am Teich – sollte

    1.) die Ablaufrinne um 20cm erhöht werden, damit der Mönch seine Arbeit verrichten kann und nur Oberflächenwasser abfließt, nicht Kaulquappen. Der Bach führt nur weniger Wochen Wasser durch den Wald und versickert am Mai im Wald.
    Am besten wäre hier Beton oder große Steine, denn bei Starkwasser ist die Rinne ruckzuck wieder runter.
    20cm ist die Höhe, die auch ausreicht, damit das Wasser nicht über den Weg abläuft.

    2.) Ausbaggern um 80cm und verdichten des versandeten Bereiches zwischen Sumpfzone und Hütte/Stein. KEIN EINGRIFF IN DIE SUMPFZONE!!
    Das ausgebaggerte Sediment kann in die Rinne eingebracht werden. Dann hat der Teich wieder die ursprüngliche Tiefe von 1,5m.

    3. Optional: Verbreitern der Sumpfzone im östlichen Bereich um ca. 2 – 3m halbkreisförmig, d.h. Ausbaggern um ca. 50cm und Verdichten. Die Pflanzen werden sich den Bereich in 2 – 3 Jahren “erobern”.

    4. Errichten eines niedrigen Zaunes um den Sumpfzonenbereich, damit Tiere und Pflanzen Schutz und Ruhe haben.

    5. Hinweisschild für Besucher. Meiner Ansicht nach ist es nicht schlimm, wenn bei genügend Wasserstand auch mal ein Gund im Teich badet, das sorgt für Sauerstoffanreicherung, v.a. wenn der Bach versiegt ist. Bei niedrigem Wasserstand ist das allerdings eher kontraproduktiv.

  4. Dieser Teich wird seitens der Behörde seinem Schicksal überlassen, weil es ja, im Gegensatz zu Strunde Hoch Vier, keine öffentlichen Gelder und Presseauftritte gibt. Als Anwohner und auch Leidtragender des Hasselbachs begleite ich diese Vorgehensweise mittlerweile seit über vier Jahren. Ob es nun die untere Wasseraufsichtsbehörde, der Kreis oder gar der Strundeverband ist, alle schieben die Verantwortung und Arbeit weiter. Keiner trifft Entscheidungen, man sitzt die “Probleme” aus und brüstet sich dann noch, das man im Sinne der Natur handelt. Mit dem Schlagwort der Renaturierung wird Nichthandeln der Behörden begründet. Dieses ewige Nichthandeln ist im Gierather Wald auch gut zu beobachten. Diesem Wald wird in den letzten Jahren nur noch Holz entnommen. Von Pflege ist nichts mehr zu sehen, stattdessen wird mit großen Gerät Schneisen in den Wald geschlagen, so das der Anblick des Gierather Waldes nur noch traurig macht. Dazu passt auch der Hasselbachteich, an dem ich schon zu Kindheitszeiten die Frösche beobachtet habe. Zwei dieser Grasfrösche haben es aber , wohl über den Hasselbach, bis zu mir in den Garten geschafft und genießen ihr Dasein im Wasserbehälter der kleinen Pumpe.
    Vielleicht werden die Damen und Herren in den Behörden durch diesen Aufschrei ja doch mal wach und besinnen sich auf ihr Dasein… den Bürgern und auch der Natur zu dienen….

  5. Dieser Teich enthält ca. 100 qm und damit das größte Vorkommen in der Grossregion der Flutenden Moorbinse, die in der Roten Liste NRWs als stark gefährdet geführt wird. Weiter Pflanzenarten der Roten Liste stehen im Teich. Der Teich sollte unbedingt gerettet werden. Aber man sollte dabei auch unbedingt vermeiden, dieses Vorkommen zu beschädigen („ausbaggern, verdichten“). Es geht also nicht nur um die Amphibien des Gewässers. Es muss der gesamte Schutz bedacht werden. Es sollte angemessen gehandelt werden, bevor der Teich verschwindet.

  6. Hallo Dirk,

    da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, würden wir wahrscheinlich richtig Ärger bekommen, wenn wir selbst Hand anlegen. Das sollen die Experten tun. Ich bin mir sicher, dass sich zahlreiche Helfer finden würden – wenn das gewünscht ist – die unter fachkundiger Anleitung tätig werden könnten. Im Moment ist es am wichtigsten, dass überhaupt etwas in Bewegung kommt und zwar JETZT, JETZT, wo der Teich, vermutlich noch bis mindestens Oktober trocken liegt. Die Behörden hatten ein ganzes Jahr Zeit, sich etwas zu überlegen. Die zuständige Stelle ist die Abteilung Artenschutz beim Rheinisch Bergischen Kreis. Schreiben Sie doch Frau Wildenhues, Email: artenschutz@rbk-online.de.
    Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihren Einsatz!
    Ganz herzliche Grüße,
    Birgitte Tüpker

  7. Sehr geehrte damen und Herren,

    ich würde gerne den Teich retten. wie kann ich helfen.

    Gruß

    Dirk