Bei einer Konferenz deutscher und palästinensischer Partner zeigte sich, dass konkrete Projekte Brücken bauen können. Zum Beispiel die Hilfe Bergisch Gladbachs für eine LED-Umrüstung in Beit Jala. 

Herausforderungen des Alltags werden am besten gleich dort angepackt, wo sie entstehen: vor Ort, in der Kommune. Nicht auf Gipfeltreffen, nicht durch Kabinettsbeschlüsse, sondern im Bürgerkontakt. Dass dieses Vorgehen auch über 3.000 Kilometer hinweg sinnvoll ist, zeigte jetzt die Deutsch-Palästinensische Partnerschaftskonferenz in Brühl.

Rund 100 Teilnehmer – Bürgermeister von Partnerstädten beider Seiten, Vertreter von Fachabteilungen und Städtepartnerschaftsvereinen – berieten über Projekte zum Ausbau der kommunalen Beziehungen.

In einem Workshop stellten Experten der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach die fast abgeschlossene Umstellung der Straßenbeleuchtung auf stromsparende LED-Technik vor. Erfahrungen aus diesem Projekt sollen der palästinensischen Partnerkommune Beit Jala zugutekommen. Für den hiesigen Städtepartnerschaftsverein nahmen Heinz-D. Haun und Jörg Bärschneider an der Konferenz teil.

Projektbezogene Partnerschaften bauen Brücken

In seiner Begrüßungsrede im Festsaal des Max-Ernst-Museums schlug Brühls Bürgermeister Dieter Freytag den Bogen zu den von weither angereisten Besuchern, indem er an die deutsche Vergangenheit und Verantwortung erinnerte: „Genau diese Erkenntnis und Erfahrung motiviert uns, zu allen Ländern und Regionen, Städten und Gemeinden innerhalb Europas und insbesondere des Nahen Ostens Brücken bauen zu wollen.“

Und: „Ich finde es großartig, diese Idee nicht nur zu denken, sondern durch projektbezogene Partnerschaften palästinensischer und deutscher Kommunen mit Leben zu füllen.“

Bergisch Gladbach gibt gutes Beispiel

Fachgespräche und Arbeitskreise zu Umweltschutz, Energieeffizienz, Bildung und nachhaltigem Tourismus griffen dieses Vorhaben auf. Wie das konkret aussehen kann, zeigten Experten der Stadtverwaltung Bergisch Gladbach am Beispiel der neuen Straßenbeleuchtung, für das sich auch die anwesenden Planer aus Beit Jala und weiteren palästinensischen Städten wie Bethlehem und Beit Sahour interessierten.

Stephan Dekker, Leiter des Bürgermeisterbüros, moderierte die Runde, Frank Jahnke und Nicole Schumann vom Fachbereich Umwelt und Technik präsentierten das Projekt. Die Schilderungen zu Planung, Technik, Finanzierung und Bürgerbeteiligung fanden aufmerksame Zuhörer, vor allem, als Jahnke eine 80-prozentige Energiekosten-Einsparung vorrechnete.

Vorzeigeprojekt in Beit Jala

Ergänzend berichtete Stadtingenieur Issa Juha aus Beit Jala zum Stand der auch dort geplanten LED-Umrüstung. Er leitet das Vorhaben in der Verwaltung und tauscht sich dazu mit Bergisch Gladbach aus.

Besonders Probleme in Beit Jala bereiten die hohen Energiekosten, eine unsichere Versorgungslage und die ungleichmäßige Leuchtenverteilung in den Stadtvierteln, erläuterte Juha. „Bei uns herrschen ganz andere Voraussetzungen als in Bergisch Gladbach. Doch wertvolle Erfahrungen aus unserer deutschen Partnerstadt erleichtern uns die Planung und helfen Fehler zu vermeiden.“

Wenn diese Pläne verwirklicht werden, könnte Beit Jala in puncto energieeffizienter und klimafreundlicher City-Beleuchtung sogar zum Vorzeigeprojekt in Palästina werden.

18 Projekt- und Städtepartnerschaften

Kommunen helfen Kommunen – darum ging es in dieser mittlerweile vierten Konferenz deutscher und palästinensischer Partnerstädte. Waren es bei der dritten Konferenz vor zwei Jahren in Jericho erst sieben Projekt- und Städtepartnerschaften, so kamen jetzt in Brühl bereits 18 zusammen.

Darunter finden sich hier in der Region neben Bergisch Gladbach-Beit Jala die Verbindungen Köln-Bethlehem, Bonn-Ramallah und neuerdings Brühl-Battir. In dem palästinensischen Dorf geht es um die Tourismusförderung rund um das Weltkulterbe seiner Gartenterrassen.

Alle Kooperationen werden unterstützt u. a. von Engagement Global, einem gemeinnützigen Unternehmen im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Deutschen Städtetag.

Wissen schafft Miteinander

Bergisch Gladbach hat inzwischen einen Förderantrag bei Engagement Global für das Beleuchtungsprojekt eingereicht und will seine palästinensische Partnerkommune mit fachlichem Wissen bei der Realisierung unterstützen. „Unsere Stadt möchte damit zum friedlichen Miteinander in der Region beitragen“, erläuterte Dekker das Engagement.

Und was haben die Bürger davon? „Die Möglichkeit von Anstößen und Begegnungen, die uns über den Tellerrand des eigenen Alltags blicken lassen.“ Dem Städtepartnerschaftsverein soll’s recht sein: Mitte des Monats geht’s zur großen Bürgerreise nach Beit Jala.

PDFDrucken

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.