„Starthilfe“ hießen Titel und Motto des Abends am 15. Tag des 2. Monats im Jahre des Herrn 2020 in der Aula des Albertus-Magnus-Gymnasiums zu Bensberg. Ein eigentlich seltsamer Name für eine Karnevalsparty mit Programm, aber lasst mich aufklären.

Die GROSSE BENSBERGER KG (GBK) suchte einen Namen für eine neue Veranstaltung, die am Samstags der Woche vor der Karnevalswoche steigen sollte. Im Vorstand kam es zum Brainstorming, einen neuen noch nicht allseits bekannten Namen für die neue Veranstaltung zu finden. Die „Starthilfe“ wurde geboren als Hilfestellungsveranstaltung zum Eintritt in die Karnevalswoche.

So also ist die Party zu verstehen, die vergangenen Samstag zum 11. Mal Jung und weniger Jung ins AMG lockte. Und sie kamen, nicht mit Kutsche und 150 Mann sondern in großem Andrang, der die Aula sehr gut füllte.

Was zunächst auffiel war der Service, der sich ausschließlich aus den eigenen Reihen der GBK – von Amazonen, Senatoren und Herrenreitern – rekrutierte. Überall belieferten Damen und Herren der Gesellschaft im roten Pique-Hemd mit der Bestickung des Wappens der GBK die Gäste mit flüssiger Nahrung. Im Foyer gab es natürlich auch solche in fester Form. Zum ersten Mal hatte die Gesellschaft sich entschlossen, ihre Gäste selbst zu bedienen.

20:15 Uhr, die Besucher hatten schon etwas vorgeglüht, rief eine mächtige Stimme zur Ordnung. Der Mann – Seine Fertigkeit Präsident der GBK Rainer Furth-Quernheimer (EfQu) – hätte eigentlich kein Mikrophon benötigt, wenn nicht schon der Saal, von den Klängen eines DJs vorbereitet, auf dem Weg gewesen wäre, sehr lebhaft zu singen und zu tanzen.

Seine Fertigkeit aber setze sich durch, begrüßte all die bunt kostümierten Besucher, hielt einen netten Schwaad und stimmte mit wohltemperierte Stimme ein paar Karnevalslieder an. Er hatte den Saal im Griff.

Der erste Programmpunkt stand an, eine Band natürlich, was man schon an den Roadies erkannte, die die Technik aufbauten. Dann kamen 5 kölsche Jungs auf die Bühne – „LUPO“ – und nach den ersten Akkorden war die Hölle los.

Die Fünf, alle aus derselbe Schule, gründeten 2011 die Band, die inzwischen einen großen Namen im kölschen Fasteleer, und nicht nur da, hat. Jedenfalls waren das die richtigen Eisbrecher, wenn der Saal so etwas noch nötig gehabt hätte.

Nun kündigte der Präsident – dort aber eher Ententrainer (verz. Entertainer) – nach einem weiteren Austausch mit dem Publikum das Aushängeschild der GBK an, die Tanzsportgemeinschaft, kurz TSG, an. Von der zweiteiligen Truppe traten natürlich zu der Stunde die älteren auf, die „Klabautermänner“, ja, . . . männer! Diesen Namen hatten die Mädels und Jungs selbst gewählt, warum auch immer.

Nun aber fegten 14 Tänzerinnen und Tänzer über die Bühne, dass einem schwindelig wurde. Zu sehen war eine tolle Darbietung und eine gelungene Fortsetzung der Entwicklung, die man in den letzten Jahren schon ahnen konnte. Verblüffende Schrittfolgen wechselten mit akrobatischen Einlagen ab, bei denen einem schwindelig werden konnte. Tosender Applaus, Zugabe-Rufe des ganzen Saals – was natürlich gewährt wurde – und großes Lob von Seiner Fertigkeit war der Lohn für ein Ensemble, dem nicht viele ähnliche Gruppen das Wasser reichen können.

Anschließend hatte Seine Fertigkeit wieder Gelegenheit, seine geliebte Bühnenpräsenz auszuleben. Er erzählte und stimmte Lieder an, um schließlich weiter im Programm zu gehen und „Miljö“ anzukündigen.

Wieder aus einer Schule, dieses Mal auf der schäl Sick (für Imis rechte Rheinseite, weil die Treidelpferde aus früherer Zeit auf dem rechten Ufer des Rheins das linke Auge verdeckt hatten und deshalb dort „schäl“ waren) kamen 5 Jungs zusammen, deren Aufstieg in diesem Jahr mit dem Spitzenplatz bei „Loss mer singe“ seinen vorläufigen Höhepunkt fand.

Gewohnt rockig so wie man‘s mag mit Liedern zum Mitsingen aber auch zum Nachdenken begeisterten sie das Publikum, dass es eine Freude war. Bestimmt eine halbe Stunde musste Seine Fertigkeit hinter der Bühne warten, bis er wieder nach vorne durfte, um dann zur Zugabe zu bitten, zu loben, das Alaaf anklingen zu lassen und die Jungs mit viel Applaus von der Bühne zu lassen.

Nun wieder Geplauder, Lieder, die alle mitsingen können und Verzällcher um schließlich „KONTROLLVERLUST“ auf die Bühne zu bitten. Von manchen als Cover-Band bezeichnet, gelingt es ihr wie kaum anderen Gruppen, ältere Weisen lebendig und wiedersingbar zu machen, semi-alten und aktuellen Liedern ihren eigenen Atem einzuhauchen und 2-3 bekannte Songs zu einem zusammenzufassen und was völlig Neues aber trotzdem Bekanntes daraus zu machen. Die Musiker spielen phänomenal und die Stimme der Sängerin verfolgt einen bis in die Träume. Toll, sagenhaft und süchtig machend.

Entsprechend begeistert war Seine Fertigkeit, der Ententrainer, was er auch in wohl gesetzten und laut überzeugenden Worten zum Ausdruck brachte. Diese Band, eben nicht nur karnevalsaffin, auf alle Bühnen, mir ihr kann kein Programmgestalter einen Fehler machen, „KONTROLLVERLUST“ begeistert alle so wie das Publikum der „Starthilfe“.

Die Stimmung befand sich schon Stunden auf hohem Niveau, was durch das nächste Highlight noch befeuert wurde. Der Moderator kündigte die „Klabautermänner“ ein 2. Mal an, jetzt mit einem ihrer Showtänze.

Und richtig, die Damen (dieses mal ohne Männer) trugen nun rot glitzernde Hotpans und weiße Oberteile analog zu den Farben ihrer Gesellschaft. Was nun kam war berauschend. Nach wilden Rhythmen bewegten sich die Mädels synchron, verbogen Körper und Beine, schmissen selbige, dass man meinte, sie würden sich vom Körper lösen.

Ein tolle Darbietung, die donnernder Applaus von einem begeisterten Publikum belohnte. Der Trainerin und der TSG-Leitung Gebühren ein ganz hohes Lob für die Entwicklung der TSG, die wahrlich bemerkenswert ist.

Das war leider der letzte Akt, dem der Chronist beiwohnte. Wann dieses Event zum Ende kam, vergaß er Sonntagmorgen zu fragen, als er im AMG suchte und fand, was er verloren hatte. Eine große Truppe war bereits mit dem Aufräumen beschäftigt, also auch die Mitglieder, die bis in die Morgenstunden die Gäste bedient hatten.

Chapeau, tolle Gesellschaft, tolle Mitglieder, Glückwunsch an die beteiligten Gesellschafts-Gruppen und deren Leader.

Rolf Havermann

wohnt seit 1982 in Bergisch Gladbach. Hat hier 30 Jahre lang sein eigenes Unternehmen geführt. War elf Jahre Vorsitzender eines Bensberger Karnevalsvereins. Ist nun dessen Ehrenvorsitzender und Rentner - und beschätigt sich seit Februar 2016 mit wachsender Intensität mit dem FNP.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.