Alaaf und herzlichen Glückwunsch! Die Schildgener Clowns werden dieses Jahr 44. Wir haben uns mit Anke (Neu-Clown) und Brigitte (Clown der ersten Stunde) über den Zauber des Zochs unterhalten, über Pleiten und Pannen und die „Schildchener Ejenart“.

Wenn das mal keine schöne Schnapszahl ist: Die Löstigen Schildgener Clowns feiern dieses Jahr 44. Geburtstag. Aus diesem Anlass haben wir zwei Clowns an den Tisch gebeten: Brigitte Wienand, 67, hat die Karnevalsgruppe zusammen mit Freunden gegründet, Anke Steinbüchel ist dieses Jahr mit ihrer ganzen Familie eingetreten. Ihre Kinder sind 9 und 12, Anke wird am Aschermittwoch 43.

Die beiden Frauen lernen sich erst bei unserem Gespräch im Schildgener Rheindorf, dem Stammlokal der Clowns, kennen. Anke ist übrigens aus Paffrath nach Schildgen gezogen, und Brigitte aus Schildgen nach Paffrath. In guter Karnevalsmanier sind wir direkt beim Du.

Brigitte Wienand, links, hat Anke Steinbüchel fürs Foto mit ihrem 43 Jahre alten Clowns-Kostüm ausgestattet.

Anke, was hat dich dazu bewogen, bei den Clowns einzutreten?

Anke: Das Kribbeln. (lacht) Mein Mann und ich sind lange Jahre mitgegangen im Bergisch Gladbacher Karnevalszug. Dann kamen die Kinder, und wir haben erst mal Pause gemacht. Aber wir sind beide sehr jeck, und jetzt haben wir auch unsere Kinder infiziert. Da haben wir uns umgeschaut nach einer Dorfner Gesellschaft, und das waren die Schildgener Clowns.

Wart ihr früher auch schon in einer Karnevalsgruppe?

Anke: Ja, ich bin das erste Mal mit neun Jahren in der Pfarrjugend St. Clemens mitgegangen. Später haben mein Mann, mein Bruder und ich die Paffrather Pappnasen gegründet

Brigitte: Also noch eine Gründerin!

Anke: Ja! Die Pappnasen gibt es auch immer noch, sie fahren aber mittlerweile mit dem Wagen, und wir wollten wieder eine Fußgruppe haben.

Warum?

Anke: Man ist näher dran an den Leuten.

Brigitte, das war ja auch anfangs ein Punkt bei den Clowns, richtig?

Brigitte: Ja, ich habe damals gesagt, ich fahre nur auf einem Prunkwagen. Ich wollte da oben drauf stehen, wie eine Prinzessin. Die anderen wollten laufen. Dadurch hat sich unsere Gründung verzögert. Wir waren ungefähr zehn Freunde, wir waren alle sehr jung und hatten gerade geheiratet, und die Idee mit der Karnevalsgruppe lief nebenher. Nach einem Jahr haben wir dann gesagt, wir gehen erstmal als Fußgruppe mit. Ich war gar nicht glücklich darüber. Aber danach war nie wieder das Gespräch von einem Wagen.

Brigitte Wienand ist die zweite von rechts. Historische Fotos: Brigitte Wienand

Der erste Zoch hat dich also von der Fußgruppe überzeugt?

Brigitte: Absolut. Ich muss dazu sagen, die Schildgener Clowns sind die undisziplinierteste Truppe des Gladbacher Zochs. Wir haben sehr oft Rüffel bekommen, weil wir ständig ausscheren. Es wird vorher gesagt: Bleibt in Zweiergruppen, nehmt euch am Händchen, achtet auf eure Nachbarn. Das gibt es bei den Clowns nicht. Wir haben Fotos aus den ersten Jahren, da siehst du keinen Menschen drauf. Keinen von unserer Truppe! Die sind alle irgendwo am Bützen. Das verstehe ich unter Straßenkarneval. Von der Jury wurde das natürlich nicht so wohlwollend gesehen.

Anke: Aber man weiß ja wo sie steht.

Brigitte: Klar, vorm Rathaus haben wir uns immer ein bisschen zusammengerottet.

Wie seid ihr überhaupt auf die Clowns gekommen?

Brigitte: In meiner Jugend machten sich viele zum Karneval sehr schick, aber das war nicht meine Vorstellung von Karneval. Ich wollte was machen, was man unter dem Jahr nicht machen kann: Schminke im Gesicht und eine ordentliche Verkleidung. Im ersten Jahr sind wir als Schusterjungen gegangen, da hatten wir eine Art Blaumann mit Flicken drauf. Daher kommt auch noch die Perücke, diese fussige Perücke.

Anke: Ach so!

Brigitte: Das war uns aber zu wenig. Wir haben dann ein bisschen rumprobiert und sind auf das Clowns-Kostüm gekommen. Damals sind wir davon ausgegangen, dass wir jedes Jahr was Neues machen. Wir haben dann aber sehr aufwendig die Mäntel genäht, dann kamen die Hosen dazu, und dann sind wir bei dem Kostüm geblieben.

Clowns aus Bequemlichkeit also?

Brigitte: Genau!

Anke: Das spielte uns auch sehr in die Karten, dass es immer das gleiche Kostüm ist. Für vier Leute zu basteln ist schon heftig. Jetzt musste ich nur einmal die Nähmaschine heiß laufen lassen.

Der Orden der Löstigen Schilgener Clowns 2020

Wie lange hast du deinen Clown schon, Brigitte?

Brigitte: 43 Jahre! Ich hab den damals auch selber genäht, so wie Anke.

Anke: Was ich sehr schön finde ist, dass wir einen Patenclown bekommen haben, Andrea. Wir konnten sie fragen, wie das Kostüm aussieht, wo sie ihre Perücke gekauft oder wann wir mal ein Fässchen ausgeben können.

Musstest du eigentlich was machen, um einzutreten?

Anke: Ich hab als erstes eine E-Mail geschrieben, letztes Jahr vor Karneval schon. Als wir dann das Okay bekommen haben, sind wir zweimal zu den Stammtischen. Und jetzt spendieren wir ein Fässchen zum Karnevalszug.

Brigitte: Sehr schön, so gehört sich das! Wir kannten damals alle, die mitgingen, sehr gut. Wenn jemand Neues dazu kommen wollte, mussten wir den erst kennenlernen, also musste er eine Party schmeißen.

Seid ihr auch mal richtig auf die Nase gefallen in den Anfangsjahren?

Brigitte: Oft. Wir haben einmal aus dem Rosenmontagszug vom Vorjahr zwei große Papp-Puppen besorgt, wo man drinsteckte. Die waren so schwer! Irgendwann haben wir die einfach am Rand stehen lassen. Ein andermal haben wir einen Trabi mit in den Zug genommen. Das war sehr schön, aber hinter dem Ding konnte kein Mensch hergehen. Uns war allen schlecht. Nach einer Weile sind wir alle vor dem Trabi gelaufen. Aber nach uns kam eine Musikgruppe…

Gestatten: Joe, die selbstgebastelte Pappnase der Schildgener Clowns (nicht zu verwechseln mit den Papp-Puppen aus dem Kölner Rosenmontagszoch!). Aber auch Joe wurde nach ein paar Jahren lästig… Brigitte Wienand ist hier in der Mitte zu sehen.

Die Armen… Apropos Musik, ist euer Vereinslied noch aktuell?

Brigitte: Ja.

Anke: Das habe ich noch nicht gehört.

Brigitte: (singt) Jo mir us Schildche, mir hann us Ejenart. Mir senn ken Buure, und ken Lück us dä Stadt. Mir hann e Hätzje, dat is voll Sonnesching. Doröm möch ich och immer Schildchner Bürger sinn.

Anke: Oh, wie schön!

Was ist denn die Schildchener Ejenart?

Brigitte: Wenn du mich kennst, dann kennst du die Schildchener Ejenart!

Bist du heute noch dabei?

Brigitte: Ich bin 33 Jahre mitgegangen. Vor zehn Jahren hatte ich keine Lust mehr auf das ganze Drumherum, sonntags früh da sein, Luftballons aufpusten. Und jedes Mal war die große Frage: Wo ist der Stöpsel von der Gasflasche?

Anke, kommt vor Karnevalssonntag noch etwas an Vorbereitung auf dich zu?

Anke: Wir treffen uns am Samstag zum Strüßjerbinden und Kamellepacken, hier im Rheindorf.

Brigitte: Das ist Pflicht! Da haben wir immer drauf bestanden.

Anke: Das ist auch richtig. Da steckt wirklich viel Arbeit drin.

Brigitte: Wir haben anfangs Tannenzweige und Alpenveilchen zusammengebunden. Weißt du, was das für ein Driss ist, dieses Weihnachtszeugs? Das piekst ja alles! Blöde Sträußchen waren das. Danach haben wir angefangen, in Folie einzupacken, bis wir später einen Blumenhändler hatten. Wir waren auch einmal auf der Süßwarenmesse. Am letzten Tag sind die ja froh, wenn sie alles loswerden. Dann kannst du für 100 Euro einen ganzen Stand aufkaufen. Das Problem war nur: Wir hatten bloß eine Eintrittskarte. Der Rest musste draußen darauf warten, alles in Empfang zu nehmen. Der Dieter hat die Sachen drinnen in einer Gitterbox verstaut, und dann war die auf einmal weg. Geklaut.

Anke: Nein!

Brigitte: Doch. Aber ich muss sagen, so optimal war das auch nicht mit der Messe. Dieter war dort an einem brasilianischen Stand gewesen. Das waren vielleicht feinste brasilianische Pralinen, aber die Kinder hier wollen Maoam haben oder Gummibärchen. Wir haben uns dann überall alles zusammengeköttet (Anm. d. Red.: kötten ist kölsch für betteln, sammeln). Ich war bei Bayer, damals gab es die Drugofa noch, und die machten diese Corifinchen. Das waren kleine, einzeln verpackte Kamellchen. Da konnte ich dann schon mal ein Containerchen von kriegen. Wir haben immer sehr viel geschmissen. Auch so, dass wir zwischendurch den Wagen nachladen mussten, weil nicht alles draufging.

Anke: Wahnsinn!

Die Clowns im Karnevalszug 2016. Foto: Thomas Merkenich

Wie viele Kilos trägt man so im Zoch?

Anke: Das kann schwer werden, wenn man nicht schnell genug wirft.

Brigitte: Am Anfang denkt man noch, man muss möglichst viel bei sich haben, aber später will man das nur noch loswerden. Manchmal gibt es aber auch Sachen, bei denen man denkt: Die würde ich am liebsten behalten. Kleine Nageletuis, Taschenlämpchen. Henkel hat uns mal unterstützt, da gab es Uhu und Pattex und Tesafilm.

Anke: Ich hoffe, meine Kinder schmeißen ihre Sachen und stecken sich nicht die Taschen voll!

Wie bereitet ihr euch auf den langen Fußmarsch vor?

Anke: Wir gehen durch den Wald und rufen „Kamelle“! (lacht) Nein, Quatsch.

Brigitte: Das schafft man schon.

Anke: Man wird ja auch von der Menge getragen. Wenn sich der Zug um 13.11 in Bewegung setzt, ist es erstmal so: Na gut, wir gehen. Und dann, wenn man rauskommt auf die Richard-Zanders-Straße und auf einmal alle Leute anfangen zu rufen, kriegt man am ganzen Körper Gänsehaut – ich krieg jetzt schon eine! Dann denkt man nur noch, ich muss jetzt in meine Tasche greifen, ich muss werfen. Bald kennt man die ersten, und schon ist man total im Flow. Auch wenn man in die Stadt kommt, ans Rathaus und in die Laurentiusstraße, das ist einfach schön. Und plötzlich ist man am Mühlenberg und denkt: Oh Mann, jetzt ist es gleich vorbei.

Brigitte: Das ist wie ein Rausch.

Anke: Man könnte immer weitergehen. Ich hab schon Jahre erlebt, wo es geregnet hat und wir nass waren bis auf die Haut. Aber man vergisst das alles. Ich bin so gespannt was unsere Kinder sagen!

Brigitte: Unser Sohn hat den Karnevals-Virus nicht abbekommen.

Anke: Schade. Ich hab immer zu meinem Mann gesagt, was machen wir mit den beiden, wenn sie nicht infiziert sind? Mein Mann und ich haben uns Karneval kennengelernt, das muss einfach so sein!

Wie viel Clown steckt in euch, wenn nicht Karneval ist?

Anke: Sehr viel.

Brigitte: Bei dir hör ich das schon raus. Du bist lustig.

Anke: Wenn man alles bierernst sehen würde, das wäre ja fürchterlich.

Brigitte: Das Leben geht so schnell vorbei! Man darf es sich nicht schwerer machen als es ist.

Und so lernt man von Karneval fürs Leben… Danke fürs Gespräch. Gläbbisch Alaaf!

Weitere Infos:

Webseite der Löstigen Schildgener Clowns

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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1 Kommentar

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  1. Dieses Zwiegespräch hat mir sehr gut gefallen und viele Aufschlüsse über die Schildgener Clowns gegeben. Ich kenne die Schildgener Clowns schon seit meiner Amtseinführung als Zugleiter vor 29 Jahren. Sie waren immer schon ein Blickpunkt im Bergisch Gladbacher karnevalszug. Macht weiter so. Ich freue mich auf den 22. März 2020 mit Euch als Zugteilnehmer im Zug. Hezliche Jröß Helmut Kraus Zugleiter Bergisch Gladbach.