Die Stiftung von Roswitha und Erich Bethe stellt alleine in RheinBerg 250.000 Euro für Bedürftige zur Verfügung. Ihr Engagement hat sie inzwischen bis nach Ostdeutschland ausgedehnt. Dabei hofft sie, viele wohltätige Nachahmer zu finden. Das System für die Verteilung in Bergisch Gladbach steht, aber noch fehlt ein wichtiger Baustein.

Nicht nur in Bergisch Gladbach, im ganzen Kreis und auch in ganz Deutschland haben die Tafeln ihre Arbeiten eingestellt, um ihre meist alten ehrenamtlichen Mitarbeiter vor dem Corona-Virus zu schützen. Wie berichtet war die Bethe-Stiftung aktiv geworden, um diese Versorgungslücke ein Stück weit zu schließen und hatte in einem ersten Schritt insgesamt eine Million Euro aus den eigenen Reserven zur Verfügung gestellt.

Die erste Hälfte des Geldes ist von der Stiftung an den Rheinisch-Bergischen Kreis überwiesen worden, der es jetzt an die Tafeln vor Ort weitergeleitet hat. „Für dieses Engagement der Bethe-Stiftung bin ich sehr dankbar“, sagt Landrat Stephan Santelmann.

Gutscheine oder Päckchen?

Wie das Geld an die Bedürftigen ausgegeben wird, ist unterschiedlich. Die Bergisch Gladbacher Tafel hatte sich frühzeitig auf ein Gutschein-System verlegt. Andere Tafeln in der Region denken offenbar darüber nach, Päckchen zu packen und (kontaktlos) auszuliefern, berichtete Erich Bethe. Obwohl das mit hohem Aufwand verbunden ist – und die Empfänger unter Umständen Dinge bekommen, die sie gar nicht wollen.

Die Bergisch Gladbacher Tafel steht in den Startlöchern, um in den nächsten Tagen Gutscheine an 550 registrierte Haushalte mit gut 1500 Personen zu verschicken. In einem ersten Schritt erhält jeder Bedürftige mit einem gültigen Tafelausweis drei Gutscheine im Wert von je 5 Euro, berichtet Tafel-Vorstand Markus Kerckhoff.

Allerdings wartet die Tafel noch auf die Gutscheine, die extra gedruckt werden müssen; daher werden sie wahrscheinlich erst nach Ostern bei den Begünstigen eintreffen. Ein Problem ist noch, dass das System vorsieht, dass pro Einkauf immer nur ein Gutschein eingesetzt werden kann. Kerckhoff geht aber davon aus, dass die Supermärkten damit pragmatisch umgehen.

Der Kauf von alkoholischen Getränken oder Zigaretten ist bei den Gutscheinen ausgeschlossen.

Tafel Bergisch Gladbach will kontinuierlich helfen

Die Tafel Bergisch Gladbach stellt sich darauf ein, über einen Zeitraum von mindestens zwei Monaten jeweils alle zwei Wochen neue Gutscheine zu verschicken, jedesmal im Volumen von rund 25.000 Euro.

Zunächst geht sie davon aus, dass es trotz der bereinigte Kundenliste einige Rückläufe gibt, weil Adressen nicht stimmen. Zudem werden sich wahrscheinlich viele Bedürftige melden, die bislang nicht Tafel-Kunden sind. Dafür richtet die Tafel gerade ein Online-Portal ein, um diese Anträge rasch und kontaktlos abwickeln zu können.

Bei diesem Auszahlungstempo sind die 100.000 Euro, die für die Gladbacher Tafel vorgesehen sind, rasch weg. Obwohl die Tafel selbst alle Transaktionskosten aus eigener Tasche bezahlt. „Jeder Cent, der gespendet wird, kommt auch bei den Leuten an”, verspricht Kerckhoff.

Er geht davon aus, dass frisches Geld nachkommt. Bereits jetzt haben die Bergisch Gladbacher eine Privatspende über 10.000 Euro und eine Unternehmensspende über 5.000 Euro erhalten. Zudem hat die Tafel einen Antrag bei der Aktion Mensch über eine Förderung in in Höhe von 50.000 Euro beantragt. „Wenn das System erst einmal läuft gehe ich davon aus, dass wir eine Vielzahl von Spenden gekommen”, gibt sich der Tafel-Vorstand optimistisch.

Genau darauf setzt auch der Stifter Erich Bethe. Er selbst kündigt an, über die bisherigen Städte und Regionen (RheinBerg, Wuppertal, Solingen, Remscheid, Köln) auch die Tafeln in einigen Städten in Ostdeutschland zu unterstützen und dabei über die zunächst zugesagte Summe von einer Million Euro hinauszugehen.

„Wir müssen verhindern, dass ausgerechnet die Ärmsten der Armen unter dieser Krise besonders leiden. Wir müssen verhindern, dass Menschen verhungern”, sagt Bethe.

Roswitha und Erich Bethe .Foto: Eric Mammen

Die ersten Nachahmer melden sich

Dabei setzt er auf weitere Spender. „Wir suchen Nachahmer, die sich ebenfalls mit Spenden für die Tafeln engagieren“, appelliert der Stiftungsgründer an alle Bürger:innen, Unternehmen, Institutionen und Vereine im Rheinisch-Bergischen Kreis. Gerade hier gebe es ja genügend wohlhabende Menschen, sagt Bethe.

Allerdings kann die Bethe-Stiftung selbst keine Spenden annehmen und weiterleiten. Daher bittet sie, potenzielle Unterstützer:innen, direkt an die Tafeln Bergisch Gladbach/Odenthal, Burscheid, Kürten, Leichlingen, Overath, Rösrath und Wermelskirchen zu spenden.

Bei Zuwendungen über 1.000 Euro stellt die Bethe-Stiftung gerne den Kontakt zur passenden Tafel her (Kontakt per Mail: gsf@bethe-stiftung.de). 

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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