Die Tafel hat in der vergangenen Woche ihre Arbeit einstellen müssen

Normalerweise fördert die Bethe-Stiftung gute Aktionen, indem sie Spenden verdoppelt. In der Corona-Krise greifen Roswitha und Erich Bethe jedoch in die Reserven und stellen eine Million Euro zur Verfügung, um die Kunden der Tafel zu versorgen. Ein Viertel davon soll in den Rheinisch-Bergischen Kreis gehen.

„Es kann doch nicht sein, dass ausgerechnet die Ärmsten der Armen bei den Corona-Hilfen leer ausgehen”, sagt Erich Bethe. Ihn wurmt es vor allem, dass ausgerechnet die Tafeln ihre Arbeit einstellen mussten, um ihre ehrenamtlichen Helfer zu schützen.

Daher stellt er aus den Mitteln der Bethe-Stiftung für vier Städte bzw. Kreise eine Million Euro zur Verfügung, in Köln, Düsseldorf, Wuppertal und dem Bergischen Kreis. Einzige Bedingung: es muss schnell gehen und die Hilfe muss die Bedürftigen auch erreichen. Den Bewilligungsbescheid für RheinBerg hat Bethe bereits ans Landrat Stephan Santelmann geschickt.

Roswitha und Erich Bethe. Foto: Eric Mammen

Zur Person: Erich Bethe war Unternehmer und hatte sich mit dem An- und Verkauf von Hotels betätigt. Mit seiner Frau Roswitha Bethe gründete er 1996 die Bethe-Stiftung, die sich in der Kinder-Hospizarbeit und gegen Kindermissbrauch engagiert. Seit 2015 fördert die Stiftung Fahrten von Schulklassen zu polnischen Gedenkstätten, um einen Beitrag zum Erinnerungskultur zu leisten. Zudem fördert sie unzählige Projekte durch Spendenverdopplungen. Seit 2017 sind die beiden Bethes Ehrenbürger der Stadt Bergisch Gladbach. Alle Beiträge über die Stiftung

100.000 Euro für GL: „Wir finden einen Weg”

Von der Viertelmillion sollen 100.000 Euro über die Tafel Bergisch Gladbach verteilt werden. Die Vorstände Olaf Schmiedt und Markus Kerckhoff schmieden seit dem Wochenende Pläne, wie das rasch und effektiv zu machen ist. Ganz einfach ist das nicht. „Aber wir finden das eine klasse Idee und werden einen Weg finden,” sagt Schmiedt.

Der aktuelle Plan: Die Tafel kauft für das Geld Gutscheine bei der Firma Edenred, die sich auf die Ausgabe flexibler Gutscheine spezialisiert hat. Diese Gutscheine werden von der Tafel an die registrierten aktiven Tafelkunden ausgegeben, ganz altmodisch per Post und unter Ausschluss von Infektionsgefahren.

Registrierte Tafel-Kunden sind gut erreichbar

Diese Gutscheine können die Tafel-Kunden dann in einer Reihe von Geschäften einlösen; u.a. sind Kaufland, Rewe, Penny und Kamps Partner von Edenred. Die beteiligten Unternehmer stellen auch sicher, dass die Gutscheine nicht für Alkohol und Tabak ausgegeben werden.

Rund 1200 Personen in 400 Haushalten besitzen in Bergisch Gladbach derzeit einen gültigen Tafel-Ausweis, ihre Bedürftigkeit ist von der Organisation geprüft worden. „Diesen Personenkreis können wir gut erreichen und die Mittel auch über einen längeren Zeitraum gesteuert zuteilen”, sagt Schmiedt.

Zwei Probleme muss die Tafel allerdings noch lösen. Zum einen versucht sie, Edenred zu überzeugen auf die übliche Provision wenigstens zum Teil zu verzichten.

Wer kümmert sich um die Opfer der Altersarmut?

Zum anderen erreicht die Tafel nur einen Teil der Bedürftigen. „Gerade unten den älteren Bedürftigen gibt es nach wie vor eine hohe Hemmschwelle, die Tafel in Anspruch zu nehmen”, berichtet Schmiedt. Gerade diese Personen müssten aber erreicht werden – weil gerade sie von der Corona-Krise besonders betroffen sind und jetzt nicht wieder durch das Raster fallen dürften.

Diese Personen befinden sich nicht in der Tafel-Kartei, daher hoffen Schmiedt und Kerckhoff, Partner für diese Aufgabe zu finden, zum Beispiel bei der Kirche oder den Wohlfahrtsverbänden.

Wenn das Konzept steht, dann müssen Schmiedt und Kerckhoff noch Erich Bethe überzeugen, das sein Ziel damit am besten erreicht wird. „Wir können unter den Corona-Auflagen nicht in Massen Lebensmittel einkaufen und verteilen – aber mit den Gutscheinen glauben wir einen guten Ersatz gefunden zu haben”, sagt Schmiedt: „Wir werden alles unternehmen, um die großzügige Hilfe der Bethe-Stiftung den Menschen zukommen zu lassen.”

Wo sind die Nachahmer?

Darauf setzt auch Erich Bethe – und auf einen Multiplikatoreffekt. „Ich hoffe, dass sich Nachahmer finden”, sagt der Wohltäter. Seine Stiftung könne selbst keine Spenden Dritter annehmen, ist aber gerne bereit, Kontakte zu vermitteln. Erich Bethe ist am besten per Mail zu erreichen.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Die Bürgerstiftung Overath nimmt sich ein Beispiel und initiiert zusammen mit der „Nachbarschaftshilfe Overath“ eine Soforthilfe für die Bedürftigsten in Höhe von 2000 Euro.

  2. Hallo
    Die Gutschein Idee ist prima.
    Die Tafel in Overath hat auch geschlossen, weil sie durch die Hamsterkäufe kaum noch Lebensmittel bekommen….

  3. Was ist mit den Leuten die nicht ein Tafel Ausweis hat
    Oder
    Menschen die psychisch krank sind und die nehmen Tabletten und sind sehr müde und Schlapp sind wie es mit den weiter gehen

  4. Es gibt 1,364 Mio. Millionäre in Deutschland. Leute nehmt Euch mal ein Beispiel an Familie Bethe.!!!