Von Corona besonders betroffen sind alle, die mit Veranstaltungen ihr Geld verdienen. Dramatisch sieht es bei den Schaustellern aus, womöglich droht sogar der Totalverlust der Kirmes, wie sie Bergisch Gladbach seit 178 Jahren kennt, warnt Burkhardt Unrau.

In einem offenen Brief weist Unrau in seiner Funktion als Vorsitzender des Schaustellervereins Bergisch Gladbach darauf hin, dass es nach aktuellem Stand der Dinge in diesem Jahr weder eine Pfingst- noch eine Laurentiuskirmes geben wird. Denn Volksfest sind bereits bis August verboten.

Burkhardt Unrau mit Lutz Urbach bei der Kirmeseröffnung 2014

Das Verbot – nicht nur in Bergisch Gladbach – bedrohe die Schausteller in ihrer Existenz. Denn die letzten Einnahmen hatten sie auf den Weihnachtsmärkten erzielt, manche pausieren sogar schon seit Oktober. Die Kosten laufen weiter, aber die dringend notwendigen Einnahmen aus dem Frühjahr bleiben aus. Und auch für die notwendigen Instandsetzungsarbeiten der Fahrgeschäfte ist kein Geld da.

Dass damit die wirtschaftliche Existenz vieler Familien gefährdet sei, ist schlimm genug, schreibt Unrau. Der Schaden sei aber viel größer: „Schausteller ist kein Lehrberuf, sondern Schausteller wird man durch Geburt. Wenn die Existenz einer Schaustellerfamilie vernichtet wird, kann und wird keine neue nachrücken.”

Wenn das Verbot irgendwann aufgehoben wird, befürchtet Unrau, werde es das „1200-jährige Kulturgut Kirmes nicht mehr geben! Denn wenn es keine Schaustellerfamilien mehr gibt, wird es keine Kirmessen oder Volksfeste mehr geben!”

Die Kirmes zu Anfang des 20. Jahrhunderts im Zentrum von Bergisch Gladbach. Foto: Stadt Bergisch Gladbach

Zwei Möglichkeiten gebe es, noch umzusteuern.

Zum einen ein umfassender Rettungsschirm, der den rund 5000 traditionellen Familienunternehmen hilft. Die bisher verkündeten Soforthilfen und Kreditprogramm seien für die Schausteller kaum geeignet, sagt Unrau.

Die zweite Möglichkeit: Der Gesetzgeber differenziert zwischen Volksfest und Kirmes – und lässt die Kirmes wieder zu. Für diese Differenzierung führt Unrau einige Argumente auf. Im Prinzip sei ein Volksfest eine erweiterte Kirmes, die um Zelte ergänzt wird, damit gefeiert werden kann. 

Eine Kirmes, und erst rechte eine Familienkirmes sei eben nicht mit dem Oktoberfest zu vergleichen: hier gebe es keine Menschenmassen, keine Festzelte, keine Besucher aus aller Welt – und auf den Alkohol könne man auch verzichten.

Und natürlich finde die Kirmes unter freiem Himmel statt. Daher sei sie eher mit dem Wochenmarkt oder dem üblichen Treiben in der Fußgängerzone zu vergleichen – und das sei ja beides (wieder) erlaubt.

Diesen Vorschlag, verpackt in einem dramatischen Appell, hat Unrau in einen offenen Brief an Bürgermeister Lutz Urbach verpackt. Zwar kann der eine solche Entscheidung gar nicht treffen, daher bittet der Schaustellerverband ganz allgemein um „Hilfe und Unterstützung”.

Aber wie in Bergisch Gladbach sind die Schaustellerverbände in viele Regionen aktiv geworden, der Deutsche Schaustellerverband redet mit der Bundesregierung.

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7 Kommentare

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  1. Schaustellern wird sicher dort wo sie gemeldet sind auch geholfen. Kurzarbeit kann auch ein Familienunternehmen anmelden und ALG II steht jedem offen. Dieser Staat hat bis jetzt noch keinen sitzen lassen.
    Natürlich muss wie bei vielen anderen auch, mit Verlusten gerechnet werden. Aber mal Ehrlich, Selbständige, haben immer das Risiko der Pleite. Sie wurden nie gezwungen diesen Weg zu gehen. Nun erst zeigt sich wie Fragil unser Leben wirklich ist. 2 Monate knapp, lassen die bekannten Strukturen einstürzen. Es wird jeden irgendwie treffen, in dieser Pandemie. Bleiben Sie Gesund.

  2. Was ist aus deutschland geworden wegen der corona geht alles im bach herunter es wird so viel Geld reingesteckt es muss doch eine Lösungeben es darf nicht alles kaputt gehen wir müssen endlich einen lmpfstoff und ein medikament finden das muss endlich aufhören ich weiß viele Menschen sind gestorben das ist furchtbar. Aber wir müssen wieder in der Normalität reinkommen man möchte wieder freunde und Familien sehen und natürlich wieder feiern und vieles mehr wir wollen nicht alles verlieren sonst geht die gesellschaft kaputt wenn wir masken weiter tragen uns danach hallten und die corona fälle immer weniger werden und keiner sich mehr lnfiziert das wir dann wieder normal leben können das wollen wier doch alle ich sage nochmal es muss ein ende finden sonst werden wir noch alle verrückt und das wollen wir doch nicht.

  3. Ich finde diese Kommentare doch sehr erstaunlich. Wenn Selbstständigen, Künstlern Unterstützung gewährt wird, dann schreit keiner auf. Großunternehmen bekommen Millionenkredite. Aber wenn es um Schausteller geht, dann sind die Vorbehalte plötzlich groß. Das sind ganz normale Familienunternehmen, denen es grade genau so schlecht geht wie der Gastronomie, mit dem kleinen Unterschied, dass sie durch die Winterpause auch schon keine Einnahmen hatten. Aber es scheint nach wie vor das alte Vorurteil zu gelten: Holt die Wäsche rein, der Zirkus kommt. Unglaublich!

  4. Der liebe Burkhardt Unrau soll doch einfach mal auf dem kurzen Dienstweg nachfragen, weshalb die Ordnungsbehörde nicht mal ein Auge zudrücken kann bei seinen geliebten Schaustellern. Da muss doch was gehen.

  5. Hier sollte ein Konzept erarbeitet werden, welchses bei Freizeitparks, Zoos und auch bei Jahrmärkten greift. Wie? Da habe ich auch keine Idee, aber wenn bei Kirmes eine Ausnahme gemacht werden, schreihen die anderen auch auf. Eine finanzielle Unterstützung sehe ich auch nicht als Lösung an, Corona wird noch länger in unser Leben eingreifen.

  6. Jeder schreit nach Unterstützung, wo soll eigentlich die Kohle herkommen?
    Alle, die Kurzarbeitergeld bekommen oder Urlaubstage abgewickelt haben oder oder oder, bekommen die auch einen Rettungsschirm?
    Unternehmerrisiko? Leben wir eigentlich in einem rundum sorglos Versorgungs-Staat?

    Die Redaktion: Persönliche Angriffe oder Unstellungen lassen wir nicht zu. Und wenn sie anonym gepostet werden, erst recht nicht. Daher haben wir einen Satz aus diesem Kommentar entfernt. Wenn Sie Kritik üben wollen, dann bitte offen und mit offenem Visier.

  7. Herr Unrau, sollte sich mit der Leitung des Ordnungsamt in Verbindung setzen, und um Hilfe bitten und offene Fragen zu klären.