Der schmale Rest des Königsforsts nördlich der A 4 bietet für Infrastrukturprojekte attraktive Standorte: Nach der Feuerwehr will nun auch der Regionalverkehr Köln dort bauen, einen Betriebshof für Wasserstoff-Busse. Ein Pachtvertrag ist unterzeichnet, doch zunächst muss der Flächennutzungsplan geändert werden.

Der Kreisausschuss des Rheinisch-Bergischen Kreises hatte am 26. März die Beschaffung von bis zu 36 weiteren Wasserstoffbussen durch den RVK und dem Bau eines neuen Betriebshofes zugestimmt. Der soll neben den Bussen auch eine Wasserstofftankstelle beherbergen, komplett klimaneutral sein und durch die „Regionale 2025″ gefördert werden. (Mehr Infos zum Konzept)

Der Standort soll – aus logistischen Gründen – im Süden des Bergisch Gladbacher Stadtgebiets liegen. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort ist der RVK jetzt fündig geworden. In Bensberg-Moitzfeld, nördlich der Autobahn A 4, zwischen Technologiepark, Friedrich-Ebert-Straße und Overather Straße.

Im grünen Dreieck in der Bildmitte oberhalb der Autobahn soll der Mobilhof entstehen. Rechts daneben der Technologiepark, weiter rechts beginnt das Gewerbegebiet Obereschbach.

Das bewaldete Grundstück gehört Ulrich Vielhauer, und der habe jetzt mit dem Geschäftsführer der RVK, Eugen Puderbach, einen langfristigen Pachtvertrag abgeschlossen, teilt das kommunale Unternehmen mit. Allerdings unter Vorbehalt, siehe unten.

Den ÖPNV klimafest machen

Puderbach und Vielhauer betonen, dass es gemeinsame Zielsetzung zwischen Rheinisch-Bergischem Kreis, RVK und Grundstückseigentümer sei, hier eine zukunftsorientierte Entwicklung für den ÖPNV unter Einsatz der Wasserstofftechnologie fortzusetzen.

Zudem solle der Mobilhof dazu beitragen, dass diese Zukunftstechnik im Verkehrs- und Transportbereich und anderen Zweigen der Wirtschaft breiter eingesetzt werden. Vielhauer selbst kommt aus der Mineralölbranche.

Änderung des Flächennutzungsplans

Bevor es soweit ist müssen allerdings einige planungsrechtliche Hürden genommen werden. Denn das Grundstück ist im Flächennutzungsplan als Waldfläche eingezeichnet. Zudem liegt es direkt an der Trasse einer möglichen Verlängerung der Straßenbahnlinie 1.

Vor fünf Jahren war diese Fläche schon einmal Gegenstand der öffentlichen Debatte – als Standort für die neue Feuerwache Süd. Sie wurde dann aber verworfen, weil das Gelände zu abschüssig ist.

Die Feuerwache Süd soll nun ein Stück weiter westlich an der A 4 angesiedelt werden. Hier hatte es zunächst heftigen Widerstand gegeben, der erst durch eine Informationsoffensive von Stadt und Feuerwehr eingedämmt werden konnte.

Und wie bei der Feuerwehr muss auch für den Mobilhof in Moitzfeld der neue Flächennutzungsplan geändert werden; erst dann kann ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden.

Positive Vorgespräche mit dem Baudezernat

Offenbar ist dem RVK bewusst, dass es sich bei der Inanspruchnahme einer Waldfläche – und sei es für „grünes” Projekt – ein heikles Vorhaben ist. Er betont daher, dass bereits im Vorfeld „positive Vorgespräche mit den relevanten Behörden bei Kreis und Stadt” geführt wurden. Diese ließen darauf hoffen, dass das Projekt „unter Beachtung von zu erwartenden Ausgleichsverpflichtungen an diesem Standort realisierbar ist”.

Zur Sicherheit enthält der Vertrag mit dem Grundstückseigentümer Vielhauer jedoch einen wichtigen Passus: Der Pachtvertrag tritt erst nach Erteilung der Baugenehmigung in Kraft.

Die Stadtverwaltung bestätigt auf Anfrage mit, dass es zwischen RVK und dem städtischem Baudezernat Vorgespräche gab. Anschließend seien die Fraktionen im Stadtrat über die Absichten des RVK informiert worden. Da es aber noch keinen formellen Antrag des RVK gebe habe sich der Stadtrat mit dem Thema noch nicht befasst.

Lennart Höring (CDU), der Vorsitzende des Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss, berichtet, dass er über die grundsätzlichen Pläne des RVK schon länger informiert ist. In der vergangenen Sitzung des Ausschusses habe Baurat Harald Flügge bereits über das Projekt informiert, die Politik werde sich bei nächster Gelegenheit intensiver mit dem Plan beschäftigen. 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Ulrich Vielhauer, der den Wald zur Abholzung zur Verfügung stellen will, indem er das Wald-Grundstück an den RVK / Eugen Puderbach verpachtet, war im Mineralölgeschäft tätig. Seine Familie arbeitet weiter in der Firma Mineralöl Vielhauer https://www.mv-lub.de, die Schmierstoffe herstellt. Es wundert einen, wie einfach uns Bürgern das Projekt Grüner Betriebshof als nachhaltig dargestellt wird. Denn für den neuen Bushof sollen Bäume gefällt werden, die jahrzehntelang gewachsen sind und erst durch ihre Größe für uns wertvoll geworden sind. Jemand wie Vielhauer, der aus der Erdölbranche kommt und vermeintlich nichts mehr mit diesem schmutzigen Geschäft zu tun hat, steigt somit wieder in ein absolut nicht nachhaltiges oder grünes Bauprojekt ein. Wir Bürger sollen glauben, dass das Abholzen des Waldes an der A4 für einen grünen Zweck sei, jedoch kann man uns den Widerspruch nicht erklären und er wird auch nicht auf diesem Portal diskutiert. Ja, es ist gut, dass ein paar mehr Busse ohne Benzin fahren, jedoch ist auch deren Herstellung mit dem Abbau von Rohstoffen aus der Erde verbunden. Und die Behauptung, dass diese Busse CO2 neutral fahren, heißt noch lange nicht, dass dafür kein CO2 verbraucht wurde. Es heißt nur, dass im Schnitt netto kein CO2 verbraucht wird. Somit liegen die Emissionen eben nicht bei null, wie uns Bürgern oft dargestellt wird.