In der Corona-Krise nimmt die Kreisverwaltung mit Krisenstab, Lagezentrum und Gesundheitsamt die zentrale Stelle ein. Sie informiert Infizierte und ermittelt die Kontaktpersonen, sie sammelt eine Fülle von Daten. Dafür hat der Kreis viel Personal zusammengezogen. Jetzt erlaubt er einen Blick hinter die Kulissen – und stellt die handelnden Personen vor.

Krisenstab – wo alle Fäden zusammenlaufen

Markus Fischer leitet als Dezernent unter anderem die Bereiche Familie, Jugend, Soziales, Gesundheit sowie Feuerschutz und Rettungswesen.

Gebraucht werden alle Informationen im Krisenstab. Dezernent Markus Fischer ist eine jener Personen, bei denen dort alles zusammenläuft:

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„Das Dezernat III, welches ich leite, umfasst die Bereiche Schulen, Sport und den Schulpsychologischen Dienst, aber auch Familie, Jugend, Soziales, Gesundheit sowie Feuerschutz und Rettungswesen. Daher ist das Dezernat auch besonders von der Corona-Krise betroffen.“

Fischer koordiniert derzeit das Lagezentrum im Rheinisch-Bergischen Kreis. „In dieser besonderen Situation halte ich dort den Gesamtüberblick über die Themenfelder, bewerte relevante Daten und entscheide in Abstimmung mit den anderen Mitgliedern über Maßnahmen zum Umgang mit dem neuartigen Corona-Virus.“ Hierfür, so Fischer, seien aktuelle, gut strukturierte Informationen unerlässlich.

Der Leiter des Krisenstabs ist Kreisdirektor Eric Werdel. Er hatte bereits im Podcast mit dem Bürgerportal berichtet, wie seine Arbeit in diesen Wochen aussieht.

Innerer Dienst – Drehscheibe für Informationen

Krisenmanagement ist auch ihr normaler Job: Cassandra Staehler wertet im Krisenstab Informationen aus, verteilt sie und überwacht die Umsetzung von Maßnahmen.

Eine Schaltzentrale der Informationen im Krisenstab ist Cassandra Staehler. Staehlers Aufgabe nennt sich „Innerer Dienst“, was bedeutet, dass sie Meldungen, Mitteilungen, Daten und sämtliche Neuigkeiten auf möglichen Handlungsbedarf für den Rheinisch-Bergischen Kreis auswertet: „Ich erhalte alle Informationen aus Lagezentrum und Krisenstab und verarbeite sie für die Zwecke des Krisenstabes.“

Beschließt der Krisenstab bestimmte Maßnahmen, überwacht Cassandra Staehler die Umsetzung:

„Ich habe als geschäftsführende Stelle des Krisenstabes viele organisatorische Aufgaben. Ich sehe, wer welche Informationen benötigt und stehe dabei in enger Zusammenarbeit mit Leitung und Geschäftsführung. Ich kann rechtliche Prüfungen veranlassen, stelle sicher, dass Aufträge erteilt werden und organisiere zum Beispiel Technikausstattung.“

Im „normalen Leben“ hat Staehler unter anderem die Stabsstelle Krisenmanagement inne. Als solche, erklärt Staehler, sei es ihre Aufgabe, auch zu normalen Zeiten immer für mögliche Krisenfälle vorauszuplanen. „Deshalb hatte ich bereits vor Corona eine Liste mit Mitarbeitenden, die freiwillig für Sonderaufgaben zur Unterstützung des Krisenstabes zur Verfügung stehen“, sagt Staehler. Als das neuartige Corona-Virus begann, sich im Rheinisch-Bergischen Kreis auszubreiten, organisierte Staehler deshalb zum Beispiel auch die Einrichtung des Bürgertelefons im Lagezentrum.

Gesundheitsamt – sehr wachsam

„Wir sind sehr wachsam.“ – Dr. Sabine Kieth ist die neue Leiterin des Gesundheitsamtes für den Rheinisch-Bergischen Kreis, zu dem derzeit auch das Lagezentrum gehört.

Das Lagezentrum ist jener neu geschaffene Teil des Gesundheitsamtes, der ausschließlich mit der Erfassung und Betreuung von Corona-Betroffenen und deren Kontaktpersonen beschäftigt ist. Die Informationen laufen dort wiederum aus unterschiedlichen Quellen zusammen: Der Hauptdatenfluss stammt aus den Telefonaten mit Bürgerinnen und Bürgern.

Die daraus resultierenden Angaben, also positive, negative und noch ausstehende Testergebnisse sowie Quarantäneanordnungen, werden gefiltert und ausgewertet, erklärt Dr. Sabine Kieth, neue Leiterin des Gesundheitsamtes:

„Anhand dieser Daten entwickeln wir ein Szenario, was uns demnächst bevorstehen könnte. Die Besonderheit dabei ist, dass zwischen Ist-Zustand und schlimmstem Fall derzeit leider eine große Differenz möglich ist.“

Szenarios, so Kieth, seien deshalb eingeschränkt aussagefähig, sie gäben nur Anhaltspunkte. Dr. Sabine Kieth ist ebenfalls Mitglied des Krisenstabs und hat die Situation stets im Auge:

„Keine Kurve ist vor Ausreißern gefeit. Und Ausreißer kann man nicht vorausberechnen. Was heute noch relativ entspannt ist, kann morgen schon ganz anders aussehen. Deshalb sind wir sehr wachsam.“

Bereits seit Mitte März unterstützt Dr. Sabine Kieth, Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen und Allgemeinmedizin, das Gesundheitsamt des Kreises. „Dienstbeginn wäre der 1. April gewesen. Aber in Zeiten von Corona konnte das Gesundheitsamt schon früher Unterstützung gebrauchen“, so die Nachfolgerin von Dr. Cornelia Scherzberg, die das Amt seit 2013 leitete.

Prognosen – vom Best- zum Worst-Case

Erstellt aus den Corona-Daten tagesaktuelle Prognosen: Katharina Hörstermann, die normalerweise für Statistiken in der Sozialplanung zuständig ist.

Vorausberechnungen sind eines der wichtigsten Werkzeuge im Umgang mit SARS-CoV-2. Anhand der Entwicklung der positiv getesteten Personen, also dem möglichen Behandlungsbedarf, und der Anzahl aktuell in den Kliniken vor Ort behandelten Covid-19-Patienten errechnet beim Rheinischen-Bergischen Kreis eine Mitarbeiterin die Prognosen für die kommende Zeit: Katharina Hörstermann.

Die Krankenhäuser in der Region melden täglich den Umfang an freien und belegten Betten, die Auslastung der Intensivstationen sowie der Beatmungsplätze. „Aus den Zahlen, die wir bekommen, können wir natürlich keine feste Zukunftsaussage treffen“, erklärt auch Hörstermann. „Wir berechnen Spannbreiten, vom besten Fall bis zum Worst-Case-Szenario.“

Besonders im Blick, erklärt Hörstermann, habe man dabei den Bedarf an Betten auf Intensivstationen. „Wenn sich abzeichnet, dass der geschätzte Bedarf in der Mehrzahl der berechneten Prognosemodelle oberhalb der vorhandenen Kapazitäten liegt, müssen wir frühzeitig reagieren können.“

Die Prognosen sind stets tagesaktuell und werden ans Dezernat, an die Krankenhäuser und an den Krisenstab gemeldet. „Nun müssen wir abwarten, wie sich die Lockerungen bemerkbar machen.“

Nachrichtenzentrale – auch am Wochenende

„Als großes Team zusammenarbeiten“ – Pia Puczynski, die normalerweise bei der Unteren Landschaftsbehörde tätig ist, unterstützt derzeit die Nachrichtenzentrale im Lagezentrum.

Zu diesem Zweck schließlich sind die Daten aus der Bevölkerung sowie die Testergebnisse aus den Laboren entscheidend. Damit sie alle richtig ankommen, verfügt das Lagezentrum – ebenso wie der Krisenstab – über eine Nachrichtenzentrale mit sogenannten Sichtern.

Die Sichter verteilen eingehende Post, insbesondere E-Mails von den verschiedensten Stellen, an die richtigen Ämter und Adressen. So müssen nicht alle Mitglieder jede einzelne E-Mail lesen, sondern erhalten alle relevanten Nachrichten vorsortiert.

Die Nachrichtenzentrale ist täglich von 8 bis 20 Uhr in zwei Schichten besetzt – auch am Wochenende.

„Unsere Hauptaufgabe besteht in der Koordination, Erfassung und Verteilung der Post im Lagezentrum sowie der Bearbeitung und Weiterleitung von E-Mails und Faxen des Gesundheitsamtes. Wir sind somit eine wichtige Schnittstelle zwischen den einzelnen Abteilungen des Lagezentrums“, berichtet Pia Puczynski. Sie ist normalerweise bei der Unteren Landschaftsbehörde tätig und derzeit im Lagezentrum im Einsatz.

„Wir geben täglich die Angaben von getesteten Personen in das interne Erfassungstool ein. Darüber hinaus sichten und erfassen wir die Testergebnisse der Labore und leiten diese entsprechend der Ergebnisse an das Team „Negativ“ oder das Team „Positiv“ weiter, die sie den Getesteten dann per Telefon mitteilen“, berichtet Puczynski.

Corona-Datenbank

Mit Daten wirkungsvoll gegen Corona vorgehen: Evelyn Arnold vom Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises hat die Datenbank mitentwickelt und wertet die Informationen aus.

Das interne Erfassungstool, salopp „Corona-Datenbank“ genannt, wurde von IT-Service und Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises speziell für die Erfassung von SARS-CoV-2-Infektionen in der Region entwickelt. In der Datenbank notieren die Mitarbeitenden an den Telefonen persönliche Angaben, Testergebnisse und Maßnahmen.

Aber auch viele andere Informationen müssen erfasst werden: Entwickelt eine Person Symptome, muss sie in einem Krankenhaus behandelt werden? Wer sind Kontaktpersonen, wo wohnen und arbeiten sie? Wann wurde ein Abstrich genommen, wann eine Quarantäne angeordnet? Insgesamt rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Lagezentrum an sieben Tagen in der Woche damit beschäftigt, die Antworten in das Computersystem einzugeben.

„Wir brauchen viele Angaben, um wirkungsvoll gegen die Ausbreitung der Krankheit vorgehen zu können“, sagt Evelyn Arnold. Sie arbeitet im Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises, hat bei der Entwicklung der „Corona-Datenbank“ mitgewirkt und wertet die Daten aus. Knapp 4000 Personen sind darin verzeichnet. „Das war ganz schön viel Arbeit“, erklärt Arnold.

Trotz der Anstrengungen mache die Arbeit an der Datenbank Freude: „Die Menschen haben viel Verständnis. Und wir arbeiten natürlich nach den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung.“

Die meisten Angaben im System stammen von den Menschen selbst: Wer getestet wird, füllt einen so genannten Anamnesebogen aus, also einen Fragebogen zur medizinischen Vorgeschichte. Zudem telefoniert das Gesundheitsamt mit allen Betroffenen persönlich und erfragt dabei, wenn nötig, noch fehlende Einzelheiten.

Bestmögliche Betreuung für Menschen im RBK

So erreicht im Laufe jedes einzelnen Tages eine Flut von Daten und Informationen den Rheinisch-Bergischen Kreis – die für den Umgang mit dem neuartigen Corona-Virus entscheidend sind.

Dezernent Markus Fischer resümiert: „Die Datenbasis gibt maßgebliche Anhaltspunkte für unsere derzeitige Arbeit, beispielsweise für Logistik, Materialbeschaffung und die Steuerung von Maßnahmen für alle Einrichtungen in unserem Verantwortungsbereich. Denn unsere Aufgabe ist es, die bestmögliche Betreuung für alle Menschen im Rheinisch-Bergischen Kreis sicherzustellen, die mit dem Thema Corona in Berührung kommen.“

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4 Kommentare

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  1. Natürlich arbeiten das Gesundheitsamt und das Lagezentrum auch am Wochenende. Das Bürgertelefon des Rheinisch-Bergischen Kreises ist unter der Woche von 8 bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 02202 131313 erreichbar.

  2. Aber offensichtlich nicht am Wochenende! Wollte Freitag 16.55 Uhr ein Problem melden. Mu bis Montag warten. Also keine Coronafälle am Wochenende!

  3. Guten Morgen, wir möchten uns bei allen bedanken, die hier die ganze Zeit die Stellung halten, alles koordinieren und dafür sorgen, dass es weiter geht. Vielen Dank.

  4. Guten Morgen. Die Wanderfreunde Bergisches Land e.V. warten auf eine offizielle Mitteilung, ab wann können wir wieder in geführten Gruppen in unserer bergischen Heimat wandern? Ludger Vollmert – Pressewart