Der Wiederaufbau nach dem Krieg ist ein Kraftakt. Sachspenden helfen den Menschen über die Runden zu kommen. Refrath erhält ein Wasserwerk. Erste Läden überraschen die Kinder mit „krummen gelben Früchten“.

In den ersten Nachkriegsjahren fehlte es an allem. So erging im Oktober 1947 ein Aufruf an die Bevölkerung, für Notleidende zu spenden. Die Spendenliste des Wohlfahrtsamtes gibt ein erschütterndes Zeugnis über den damaligen Mangel. Gesammelt wurden nicht nur Betten, Bratpfannen, Hocker, Küchentische, Kleiderschränke Kohlenherde, Lampen und Wäschestücke, sondern auch Schuhe, Hosenträger, Kämme, Kleiderbügel, Knöpfe, Küchenmesser, Löffel, Nähnadeln, Wäscheklammern und Windeln. Anschließend wurden diese Sachen nach Bedarf auf die Stadtteile verteilt.

Mit Sachspenden konnte kurz nach dem II. Weltkrieg der karge Hausrat etwas aufgestockt werden

Bürgermeister Werheit sprach in einer Festrede im damaligen Bensberger Kino von einem vollen Erfolg der Sammlung. Aber auch davon, dass die Trinkwasserversorgung sichergestellt werden müsse.

Damit kommt Refrath ins Blickfeld. Im äußersten Westen des Stadtgebietes, an der Grenze zu Köln, wurde ein neues Wasserwerk gebaut. Später entstand ganz in der Nähe „Am Eichenkamp“ auch die erste Kläranlage. Damals reichte der Wald noch bis an sie heran. Heute heißen dort die Straßen „Zur Brücker Aue“ und „Im Lüh“.

„Aus den Mitteln des ERP“

Eine ganz andere Richtung schlugen die Amerikaner mit dem Plan des Außenministers George C. Marshall ein, offiziell European Recovery Program (kurz ERP) genannt. Er war ein großes Aufbauprogramm für das an den Folgen des Krieges leidende Westeuropa mit Lieferungen von Rohstoffen, Lebensmitteln und Waren.

Der Beitrag ist Teil einer kurzen Serie zu Bergisch Gladbach nach dem Zweiten Weltkrieg. Hier finden Sie alle Beiträge.

Bis zum Juni 1952 leisteten die USA bedürftigen Staaten der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) Hilfen im Wert von insgesamt 13,12 Milliarden Dollar (heute rund 139 Milliarden Dollar). Nutznießer waren vor allem Frankreich, Großbritannien und Italien. Die westdeutschen Zonen kamen, was die Zuwendungen angeht, an vierter Stelle.

Frankreich und Großbritannen sollten so auch veranlasst werden, keine hohen Reparationsforderungen an Deutschland zu stellen. Hier wurde eine Lehre aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gezogen.

Noch 1956, als ich (der Autor, Anmerkung der Redaktion) in die Lehre kam, waren an verschiedenen Werkzeugmaschinen Schilder befestigt mit der Aufschrift „Aus den Mitteln des ERP“. Die Engländer hatten als Ausgleich für Kriegsschäden alten Industrieanlagen teilweise demontiert und Werkzeugmaschinen mitgenommen. Nun erhielten die Deutschen technisch weiter entwickelte, z. B. aus der Schweiz.

Mit Marshallplanmitteln wiederaufgebaute Werkzeugmaschinenfabrik Naxos-Union in Frankfurt/Main (1950)_dpa | Bild: picture-alliance/dpa

Vor allem hatte der Marshall-Plan eine psychologische Seite. Er war eine Hilfe zur Selbsthilfe, die den Aufbauwillen beförderte. Ja, man kann sagen, die wirtschaftliche Entwicklung ist in diesen Jahren die Triebfeder für die politische gewesen.

Währungsreform

Ab dem 20. Juni 1948 wurde in den Westzonen die alte Reichsmark (RM) als Währung abgeschafft und die Deutsche Mark (DM) eingeführt, nicht jedoch in Berlin und in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Die französische und die sowjetische Besatzungsmacht hatten wenig Interesse an einer Währungsreform.

Am frühen Morgen des 20. Juni 1948, einem Sonntag, erfolgte zunächst eine Auszahlung von 40 DM pro Kopf, in der Regel aufgeteilt auf einen Zwanzigmarkschein, zwei Fünfmarkscheine, drei Zweimarkscheine, zwei Einmarkscheine und vier Einhalbmarkscheine. Einen Monat später wurden jeder Person nochmals 20 DM in bar ausgezahlt. Bei der späteren Umwandlung von Reichsmark in Deutsche Mark, z.B. auf Bankkonten, wurden diese 60 DM angerechnet.

Ausgabestellen waren Gemeindestellen wie Rathäuser, Lebensmittel-Ausgabestellen oder Ernährungsämter. Ab dem 21. Juni 1948 waren alle alten Zahlungsmittel ungültig, ausgenommen die Münzen zu 10 und 50 Pfennig und die 1 RM Banknoten. Letztere behielten noch ein Zehntel ihres Nennwertes bis genügend neue Münzen ausgegeben werden konnten.

Einkauf per Kastenwagen

Nach Aussagen von Zeitzeugen soll es sozusagen über Nacht wieder ein größeres Angebot in den damals noch kleinen Dorfläden gegeben haben. Da nicht alle schon ein Auto besaßen, war die Beschaffung mitunter schwierig, wenn nicht ins Haus geliefert wurde. Von Beningsfeld zog man z.B. mit dem Kastenwagen nach Mülheim, um für das Geschäft Waren zu holen.

Wir Kinder aus dem Westen Refraths hatten einen weiten Schulweg bis hinauf zu Schule „An der Wolfsmaar“. Das Gebiet an der „Immanuel-Kant-Straße“ war damals noch eine große Wiese. Der Weg von der „Hüttenstraße“ (heute „Hüttenfeld“) begann dort, wo heute „In der Taufe“ ein Geländer vor dem offenen Bach steht. Damals war der Bach durchgehend bis zu Refrather Mühle offen.

Entdeckung der Bananen

Hier am Bach hatte Peter Wasser ein kleines Haus erworben und es aufgestockt. Er handelte zunächst mit Fisch, dann mit Obst und Gemüse. Am Kamps Pädchen, das über den Bach hinweg abbog, hatten die Wassers Gartengelände, auf dem sie Treibhäuser errichteten und selbst Gemüse zogen. Beides Wege, die man heute nicht mehr gehen kann.

Peter Wasser stockte Ende der 40er Jahre sein Haus auf und verkaufte Obst und Gemüse. Im Vordergrund der Saaler Mühlenbach

Eines Tages – es war wohl kurz nach der Währungsreform von 1948 – entdeckten wir auf dem Weg zur Schule in der Auslage vor Wassers Geschäft „krumme gelbe Früchte“. Neugierig, was das wohl sei, fragten wir nach. Peter Wasser zog vorsichtig die Schale ab und jeder erhielt ein Stückchen zum Probieren. So lernten wir Bananen kennen.

Verkündung des Grundgesetztes

Im Auftrag der drei westlichen Besatzungsmächte hatte der „Parlamentarischen Rat“ in Bonn das Grundgesetz für die zu errichtende Bundesrepublik Deutschland ausgearbeitet. Es wurde von den Besatzungsmächten genehmigt und am 23. Mai 1949 verkündet.

Am 14. August konnten zumindest die Westdeutschen zum ersten Mal seit 1932 wieder frei wählen. Die CDU wurde mit 31,0 Prozent stärkste Partei, dicht gefolgt von der SPD mit 29,2 Prozent. Da Konrad Adenauer mit nur einer Stimme Vorsprung zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde, sagt man, er sei mit seiner eigenen Stimme Kanzler geworden.

Zusatzinformationen zur Bi- bzw. Tri-Zone, zum Morgenthau-Plan und detaillierte Hintergründe zur Währungsreform finden Sie in diesem Dokument:

Bild von Couleur auf Pixabay

Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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