Der Auftritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Bergisch Gladbach wurde von Corona-Protesten begleitet. Foto: Thomas Merkenich

Mit einer Stippvisite in Bergisch Gladbach hat Gesundheitsminister Jens Spahn am Samstag für bundespolitischen Rückenwind im Wahlkampf von Christian Buchen gesorgt. Thema war Corona. Statt wie zunächst geplant in der Fußgängerzone sprach Spahn im Bergischen Löwen. Aber auch dort blieb es alles andere als ruhig.

Der Kurzbesuch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wurde durch lautstarke Proteste vor dem Bergischen Löwen durch etwa 30 bis 40 Spontandemonstranten begleitet. Sie sorgen bereits bei Ankunft des Ministers mit Pfiffen und Buhrufen für Unruhe. Die Polizei musste für eine Trennung von Besuchern und Demonstranten sorgen.

Der Auftritt Spahns, zunächst am CDU-Stand vor dem Löwen-Center geplant, sei aus Sicherheitsgründung kurzfristig in den Spiegelsaal des Bergischen Löwen verlegt worden, erklärt die CDU die Hintergründe.

Im Spiegelsaal herrschte ebenfalls Unruhe. Zwei Störerinnen hatten es unter die Teilnehmer geschafft und sorgten mit lautstarken Zwischenrufen (u.a. „Wo ist Ihre Maske?”) für kurzfristige Unruhe unter den Besuchern. Die Bitte einer Störerinnen, eine Frage an den Minister zu stellen, wurde nicht stattgegeben. Die beiden Störerinnen wurden von Ordnungskräften aus dem Saal geleitet.

Foto: Thomas Merkenich

Gesprächsbereitschaft

Nach der Veranstaltung zeigte Jens Spahn Gesprächsbereitschaft und stellte sich vor die Demonstranten. Er versuchte erkennbar in Gespräch zu kommen („Wer möchte mit mir reden?”), was durch die Demonstranten nicht angenomen wurde.

Nach Informationen des Bürgerportals bestand zumindest ein Teil der Demonstranten aus Impfgegnern und Gegnern der Corona-Maßnahmen. Rufe wie „Deutschland den Deutschen” legen den Schluss nahe, dass sich auch rechte Gruppierungen unter den Demonstranten befunden haben.

Ein Tag mit Christian Buchen

Die Einsatzleitung der Polizei vor Ort wollte sich auf Nachfrage des Bürgerportals über die Umständen der Demonstration nicht äußern und verwies auf eine Pressemitteilung am Montag.

„Ich bin nicht der Spielverderber”

„Die Pandemie ist eine besondere Zeit”, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn vor rund 100 CDU-Anhängern im Spiegelsaal des Bergischen Löwen. Es gelte die Gesundheit der anderen zu schützen, daher sei das Tragen einer Maske sinnvoll.

Jens Spahn mit Christian Buchen im Spiegelsaal des Bergischen Löwen. Foto: Thomas Merkenich

Gleichwohl sei nichts in Stein gemeißelt: Dinge zu Beginn der Pandemie könne man heute anders bewerten, die Balance zwischen Schutz und Freiheit gelte es immer wieder neu zu finden, sagte er, auch mit Blick auf die gerade aufgelöste Demonstration in Berlin zum gleichen Thema.

Immerhin habe man mit Abstand, Hygiene und Atemmaske massive Ausbrüche von Corona verhindern können, verwies er auf die Erfolge der Politik zur Pandemiebekämpfung. Gleichwohl habe es das Virus bei Geselligkeit einfacher, sich zu verbreiten. „Jedoch: Der Spielverderber bin nicht ich, der Spielverderber ist das Virus”, machte er klar.

Freiheit mit Augenmaß

Die Abschichtung der Schutzmaßnahmen gelte es abgestuft nach Dringlichkeit vorzunehmen. „Viele werden mit mir übereinstimmen wenn wir sagen: Feiern kann noch warten, die Öffnung von Kitas und Schulen sowie von Wirtschaft und Handel hat Vorrang”, sagte Spahn.

Foto: Thomas Merkenich

Dies erwähnte er insbesondere mit Blick auf den Karneval, der nicht zuletzt auch ein Wirtschaftsfaktor in der Region sei. Dennoch: Man müsse frühzeitig über die Organisation sprechen, statt erst eine Woche vorher. Die Rheinländer sind kreativ, „an Karneval tragen Sie doch alle Masken”. Für ihn sei indes nichts in Stein gemeißelt, so sein diesbezügliches Fazit. Man prüfe weiter lageabhängig und entscheide dann.

Gehen Sie wählen!

Christian Buchen, der Bürgermeister-Kandidat der CDU, sprach Spahn auf seine hohen Beliebtheitswerte an. Der gab sich bescheiden. Dies belege nicht zuletzt das Vertrauen der Bürger in den Staat. Wenn sich wie in Berlin Lust und Frust Bahn breche, müsse man jenseits der Zustimmungswerte in der Politik immer um Vertrauen kämpfen.

In der Pandemie bedeute dies, nach bestem Wissen und Gewissen stetig die nächsten Schritte abzuwiegen. Absolute Wahrheit gebe es ohnehin nicht. Man müsse im Gespräch bleiben, erläuterte Spahn. Wer in seiner WhatsApp- oder Facebook-Blase bleibe, der verschließe sich dem Diskurs.

Ein Tag mit Christian Buchen

„Ich komme wieder wenn Sie Christian Buchen zum Bürgermeister gemacht haben” rief Spahn unter dem Applaus der Anwesenden und betonte, dass die Pandemie vor allem wegen der starken Arbeit in den Rathäusern und Gesundheitsämtern erfolgreich bekämpft würde.

Er wünsche sich für die Kommunalwahl am 13. September daher eine hohe Wahlbeteiligung: „Stellen Sie Christian Buchen einen guten Rat an die Seite. Wenn Sie das hinbekommen, hat sich mein Weg am Samstagabend nach Bergisch Gladbach gelohnt.”

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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8 Kommentare

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  1. Guten Morgen, da kann ich dem nichts mehr zufügen, auch ich schäme mich. Wo ist der Respekt im Umgang mit anderen? Műller

  2. Ich bin zwar keine Bergisch Gladbacherin -nur mit dem Herzen- schäme mich aber für die Bürger, die sich beim Besuch des Ministers Spahn wirklich daneben benommen haben. Entschuldigen Sie, Herr Spahn.

  3. Bergisch Gladbach steigert seinen Bekanntheitsgrad! Leider nicht in eine erstrebenswerte Richtung. Hoffentlich hat die CDU so viel Anstand sich ganz dick bei Herrn Spahn zu entschuldigen.

  4. Wir sind gerade in der Presse mit den Missbrauchsfällen, da hat uns das gerade noch gefehlt.
    Eigentlich sollte es ein kurzes Gespräch zur Unterstützung von Gladbachs CDU-Bürgermeisterkandidat Christian Buchen werden, doch was Gesundheitsminister Jens Spahn in Bergisch Gladbach empfing, war alles andere als eine herzliche Begrüßung.
    „Eigentlich bräuchte der mal ganz dringend was in die Fresse“ und „arroganter Lackaffe“, waren noch die harmloseren Formulierungen.
    Die Hintergründe
    Bergisch Gladbach –
    Gegen einen 39-jährigen Mann aus Bergisch Gladbach ist Strafanzeige erstattet worden, weil er Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstagabend vor dem Bergischen Löwen beleidigt haben soll. Das teilte die rheinisch-bergische Kreispolizei am Montagmittag auf Nachfrage mit.

  5. Dieses Verhalten finde ich einfach asozial.Anspucken geht gar nicht.Gesprächsangebot ausschlagen ist nicht demokratisch.Jeder hat einen Anspruch auf Fairness.Was wollt ihr?? Auch Spahn kann nichts für Corona,was soll das ganze.Wenn schon anspucken,was ich nicht OK finde,dann die Ars………r die demonstrieren ohne Masken.

  6. Sehr ärgerlich, dass die Corona-Müden gleich wieder die demokratischen Regeln des Miteinander “niederschreien” müssen – das hat Herr Spahn nicht verdient.

    Es verdeckt das eigentlich Interessante dieser Wahlveranstaltung: “Pfeifen im Walde” bei der CDU – Herr Buchen schafft es nicht aus eigener Kraft u. Kompetenz, die Wähler zu überzeugen, da muss Landes- & Bundesprominenz her, um dem jungen Buchen zur Seite zu stehen.
    sehr bemüht das Schlußstatement vom Bundesminister: die starke Arbeit im Rathaus hat die Pandemie (1.Welle) erfolgreich bekämpft
    Leiter des Krisenstabs in Bergisch Gladbach war und ist ???
    ………………………. Frank Stein!

    ##### Hinweis ####

    Friedrich Bacmeister tritt für die Grünen bei der Wahl zum Stadtrat an.

    Am 13. September wird der Stadtrat und der Bürgermeister neu gewählt, der Wahlkampf spiegelt sich auch in unserer Kommentarspalte. Im Sinne der Transparenz kennzeichnen wir die Kommentator:innen, die bei der Wahl antreten oder zu einem Wahlkampfteam gehören – soweit bekannt.

  7. Die schwarze Feste hat wohl einen braunen Unterbau, wie man anhand des rechten Lamas gesehen hat. Schwer vorstellbar, das sich nochmals ein Unterstützer – welcher Couleur auch immer – in diesen von assozialen Elementen durchdrungenen Wahlkampf einmischen wird. Aluhuträger, AFD, Asozial – die drei großen A’s von Bergisch Gladbach

  8. Die Wellen des CDU-Wahlkampfes um die Schwarze Feste zu GL reichen jetzt sogar bis über die Grenzen hinaus;
    mehr als ein youtube-Video kündete von der nächsthöheren und geradezu dramatischen Dimension im Zuge des Wettstreits um die Nachmieterschaft für´s dortige BM-Büro …

    Das war nun also der Bundes-Gesundheitsminister – Mal sehen, ob damit schon das Ende der Unterstützer-Fahnenstange für Herrn Buchen erreicht ist, Luft nach oben bliebe ja noch …
    Für den Gelben Teil der konkurrierenden Ampel warb bereits Herr Lindner aus den „oberen Sphären“ und ebenso im Löwen

    – Ob nicht Herr Stein auf den letzten Metern auch noch einen „Paten“ für sich auf die Bühne bringen will, vielleicht Herrn Maaß oder gar Herrn Scholz oder mindestens Herrn Lauterbach als lobendes Komplement zu Herrn Spahn in coronae (denn war / ist es nicht Herr Stein, dem zu Seiten des noch regierenden BM das Corona-Management in GL oblag / obliegt?) …?