Immer mehr Aufnahmeanfragen für Kinder unter 6 Jahren gehen im Kinderdorf Bethanien ein. Dem kommt das Kinderdorf nun mit Gründung einer Gruppe für Kinder ab 3 Jahren entgegen.

Am 1. Oktober 2020 ist die Junge-Kinder-Gruppe in Haus 3 des Bethanien Kinderdorfs in Refrath eröffnet worden. Seit Jahren stellen wir einen steigenden Trend bei den Aufnahmeanfragen für Kinder unter 6 Jahren fest. Unabhängig von der Frage, welche Ursachen es dafür gibt, reagieren wir auf diese Situation mit einer Erweiterung unseres Angebotes um eine spezielle Wohngruppe für junge Kinder.

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„Der enorm wachsenden Nachfrage steht ein bislang nicht ausreichendes Angebot in der Region gegenüber. Dem tragen wir mit unserem neuen Angebot Rechnung, in dem die Kinder nicht dauerhaft verbleiben, sondern mit dem Grundschulalter entweder wieder in ihre Herkunftsfamilie zurückkehren oder innerhalb des Kinderdorfes in eine andere Wohngruppe wechseln können“, erklärt Kinderdorfleiterin Jutta Menne.

Den Bedürfnissen junger Kinder nach Kontinuität, Sicherheit und Geborgenheit soll mit einem auf diese Bedürfnisse ausgerichtetem Konzept der Betreuung in der Junge-Kinder-Gruppe Rechnung getragen werden.

Dazu gehört ein höherer Personalschlüssel als in anderen Gruppen. Die Wohngruppe hat 6 Plätze für Kinder in dem Betreuungsalter von drei bis circa acht Jahren mit 6,75 Vollzeitkräften. „Wir freuen uns sehr, dass dies die Träger der Jugendhilfe auch so sehen und diesen Personalschlüssel genehmigt haben“, ergänzt Erziehungsleiterin Christine Wohlgemuth-Lübbe, die das Konzept der neuen Gruppe entwickelt hat.

Sollte für die Kinder der Weg zurück in die Herkunftsfamilie nicht möglich sein, können sie innerhalb des Kinderdorfes in eine andere Wohngruppe wechseln. Vorteil für die Kinder: Sie bleiben in einem vertrauten Umfeld. Vorteil für die Jugendämter: Es werden früher Plätze für junge Kinder frei, die nachrücken können.

Denn anders als in einer Kinderdorffamilie, in der Kinder normalerweise bis zum Erwachsensein bleiben, ist die Verweildauer in der neuen Junge-Kinder-Gruppe von vornherein begrenzt.

Der Dienstplan wird so gestaltet, dass möglichst mehrere Personen gleichzeitig für die Kinder da sein können. Angestrebt wird die Sicherung einer kontinuierlichen Tagespräsenz der Bezugsbetreuungen und an den kindlichen Bedürfnissen orientierte Arbeitszeiten in der Nacht.

Neben den Nachtbereitschaftsdiensten, bei denen die pädagogische Fachkraft mit den Kindern den Tag verbringt, sie ins Bett bringt und in der Nacht und morgens für die Kinder präsent ist, werden zwei Fachkräfte im Tagesdienst unterstützen, davon die Gruppenleitung als beständige Tagespräsenz an drei bis vier Tagen der Woche.

Über das Bethanien Kinderdorf

Das Bethanien Kinderdorf in Bergisch Gladbach-Refrath bietet rund 120 Kindern und Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihrer Herkunftsfamilie leben können, ein familiäres Umfeld.

In vier Kinderdorffamilien und acht Wohngruppen sowie einer Mädchenwohngruppe, die außerhalb des Kinderdorfes beheimatet ist, leben die Kinderdorfmütter und Pädagogen mit den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen zusammen.

Die Kinder und Jugendlichen werden individuell gefördert und unterstützt, so dass sie die Chance haben, Erlebtes zu verarbeiten. Wichtiger Bestandteil dabei ist die Arbeit des pädagogischen Fachdienstes, der therapeutische, kreative und sportliche Angebote wie etwa Zirkus-, Musik- oder Kanugruppen macht.

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2 Kommentare

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  1. Sehr geehrte Helen J.,
    ich stimme Ihren Ausführungen voll und ganz zu und würde mich freuen, wenn die Verantwortlichen von Bethanien und das Jugendamt dazu Stellung nehmen würden.
    Beste Grüße,
    Uli Meier

  2. Warum werden so kleine Kinder nicht in Pflegefamilien gegeben, in denen sie bei Bedarf (wenn eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie nicht möglich ist) ihre gesamte Kindheit aufwachsen und ggf. von den Pflegeeltern, zu denen sie eine stabile emotionale Bindung entwickeln können, adoptiert werden können? Eine Pflegefamilie mit liebevollen Pflegeeltern, in der alle verbindlich zusammen leben, ist doch besser als 7 Personen, die sich in der Betreuung von 6 (!) so kleinen Kindern in einer Wohngruppe schwichtweise abwechseln. Und es gibt in Deutschland sehr viele Paare, die gern ein kleines Kind adoptieren würden – oft nach gescheiterten Versuchen von künstlicher Befruchtung – und keine Chance dazu erhalten, weil der Altersabstand zwischen einem Adoptivkind und seinen Adoptiveltern höchstens 40 Jahre betragen darf.