Bergisch Gladbach drängt Aachen und Köln an den Rand

Mit Rückenwind der Wirtschaftsförderung und des Einzelhandelsverband bringt ein Kölner Unternehmen das System „Schenk lokal“ an die Strunde – als ersten stadtweiten, voll digitalen Gutschein. 60 mittelständische und inhabergeführte Geschäfte sind schon dabei, für die Kunden gibt es zum Start zehn Prozent Rabatt.

Ab der kommenden Woche kann man die roten Scheine mit dem Label „Schenk lokal“ kaufen und bei 60 Geschäften (und nach dem Lockdown auch bei Gastronomen) einlösen. Verkauft werden sie zunächst mit einem Rabatt von zehn Prozent. Dafür hatte der Stadtrat 200.000 Euro zur Verfügung gestellt, um den Einzelhandel in der Corona-Krise zu unterstützen – und den allgegenwärtigen Gutscheinen von Amazon und Google, Apple und Ikea etwas entgegen zu setzen.  

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„Das ist ein starker Impuls für den Handel und Konsum vor Ort,“ sagt der städtische Wirtschaftsförderer Martin Westermann. Die Förderung gilt – solange der Topf nicht ausgeschöpft ist – bis Ostern und würde für Gutscheine im Wert von zwei Millionen Euro reichen. 

Einlösen kann man den digitalen Gutschein bei allen Geschäften in der ganzen Stadt, die mitmachen. Bislang sind es rund 60 kleinere und mittlere Unternehmen. Die großen Ketten sind außen vor.

Die Beteiligten: Mark Peters für die IG Stadtmitte, Alexander Strieder vom Betreiber QDEGA, Wirtschaftsförderer Martin Westermann und Marcus Otto (Einzelhandelsverband)

Es geht nicht um Corona, sondern das Internet

Mit Corona hat die Initiative nichts zu tun, erläutert Marcus Otto, Geschäftsführer des Einzelhandelsverband NRW Rheinland – und einer der Treiber der Projektes. Der Verband und die Interessensgemeinschaften wollten den lokalen Handel stützen, gegen die übermächtige Konkurrenz des Online-Handels.

„Wir wollen die Kaufkraft hier am Ort halten“, erläutert Otto. Zwar gibt es schon lange die „Bensberg Card“ und auch in Gladbach gab es Anläufe, aber mit „Schenk Lokal“ habe man jetzt den ersten stadtweite und digitale Gutschein.

Einzelhandelsverband und die Wirtschaftsförderung der Stadt sind dabei nur Kooperationspartner, die dem Gutschein eine solide Reputation verschaffen. Betreiber ist das Kölner Unternehmen QDEGA, das auch die Technik für die „Bensberg Card“ geliefert hat, das Gutschein-System als Software anbietet und in Köln sowie Aachen selbst betreibt.

„Bergisch Gladbach ist schon unser dritter Standort, es hat eine hohe Kaufkraft und wir sehen viel Potenzial, die hier vor Ort zu binden“, sagt Geschäftsführer Alexander Strieder.

Finanziert wird das System von den Gutscheinkäufern, ohne dass sie es wirklich merken. Denn für die Unternehmen bis zu einer Größe von fünf Mitarbeitern ist die Teilnahme kostenlos, erst ab sechs Mitarbeitern werden entweder jährlich 99 Euro oder fünf Prozent des Umsatzes fällig. Auf seine Kosten kommt QDEGA erst langfristig – weil erfahrungsgemäß ein kleiner Teil der Gutscheine nicht eingelöst wird und dieses Geld in der Kasse bleibt.

Marcus Otto hofft, dass „Schenk lokal“ dem Bergisch Gladbacher Einzelhandel etwas zusätzlichen Schub gibt. Und es ist nicht die Pandemie, die ihm am meisten Sorgen macht. Denn im Gegensatz zu den Metropolen wie Köln litten Mittelzentren wie Bergisch Gladbach nicht so stark unter Corona – weil sie den regionalen Bedarf decken, nicht vom Tagestourismus abhängig sind. Viel härter wirke sich die Konkurrenz des Internets aus, vor allem im Bereich der Elektronik und Bekleidung.

Jetzt liege es in der Hand der Händler, den Gutschein populär zu machen. Die Werbemittel werden ihnen zur Verfügung gestellt, um die Kunden aufmerksam zu machen und das System zu erklären. Eine große Kampagne in der Stadt zur Einführung von „Schenk lokal“ ist nicht geplant. Statt dessen bewirbt QDEGA den Gutschein konsequent im Netz, über Facebook und Google.

So funktionieren Geschenkgutschein und Karte

Auf der Internetseite von „Schenk lokal“ sind alle teilnehmenden Geschäfte und Restaurants aufgelistet.

Das System besteht zum einen aus Einmal-Gutscheinen zum Verschenken, die direkt auf der Plattform online gekauft werden können. Der Käufer kann sie mit einer persönlichen Nachricht versehen und per Mail an den Beschenkten verschicken. Der kann den Gutschein dann ausdruckt und im Geschäft seiner Wahl einlösen.  

Zweiter Bestandteil ist eine Gutschein-Karte. Die kann man sich analog per Post zuschicken lassen, oder sie in einer der folgenden Verkaufsstellen kaufen:  

  • Intersport Haeger – Ulrike Haeger, Schloßstraße 85 
  • Mop’n Roll GmbH, Kempener Straße 33 
  • Postshop in Schildgen, Altenberger-Dom-Straße 175 
  • POTYKA Brillen + Hörakustik GmbH, Hauptstraße 217 
  • RheinBerg Galerie, Hauptstraße 131 
  • Theaterkasse Bergischer Löwe, Konrad-Adenauer-Platz

Diese Karte kann man dann mit einem individuellen Wunschbetrag aufladen (inklusive der zehn Prozent Rabatt) und entweder verschenken oder selbst nutzen.

Eine Aufteilung des Gutscheins bzw. der Beträge auf der Karte auf mehrere Einkäufe möglich. 

So können Händler und Gastronomen mitmachen

Weitere Händler und Gastronomen aus allen Stadtteilen in Bergisch Gladbach können sich jederzeit melden und kostenfrei in das Gutschein-System einpflegen lassen. Auch können weitere Verkaufsstellen aufgenommen werden. 

Interessenten können sich direkt auf der Website anmelden.

Informationen erteilt zudem Thomas Instenberg in der Geschäftsstelle des Handelsverbands. Telefon: 02202 93 59 424 Mail: instenberg@hv-nrw.de 

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Sehr zu begrüßen, tolle Idee, gerne wieder !
    Auch nach längerem Studium des Bildhintergrundes bin ich nicht dahinter gekommen, wo das Bild wohl gemacht wurde;
    leider ist mir wieder mal augefallen, daß keiner der Herren eine Maske dabei hat und da sind auch höchstens 80cm Abstand.
    Bitte achtet doch Alle mal darauf, mit gutem Beispiel zu punkten.

  2. Hallo Marita, ich denke das ist langfristig gedacht. Das wir in Coronazeiten nicht so viel in den Läden rumwuseln ist verständlich. Aber das Problem ist doch, das die Leute auch zu “normalen” Zeiten viele Dinge bei Amazon und Co bestellen, die sie problemlos in der Stadt bekämen, incl. Lebensmitteln. Und das ist weder für unsere Innenstadt noch für die Umwelt gut. In sofern ist höchstens der Zeitpunkt etwas verwirrend.

  3. Hallo? Schon vom Lockdown gehört? Was ist so schrecklich daran, mal eine Weile nicht in Läden distanzlos herumzuwuseln und stattdessen gemütlich und ansteckungsfrei im Internet zu stöbern? Gutscheine und verkaufsoffene Sonntage: Momentan wohl nicht die richtigen Signale. Wir sind alle von Einschränkungen betroffen, aber: Je gründlicher wir auf Abstand gehen, desto eher kommen wir aus dem Covid-Schlamassel auch wirtschaftlich wieder heraus.

    Übrigens: So lange in Läden und Einkaufszonen ständig andere Kundinnen und Kunden distanzlos um mich herumwursteln und sogar rempeln mache ich nur die allernötigsten Einkäufe, alles andere online.
    Ein Tip für Einzelhänderlinnen und -händler: Viele denken so wie ich und haben Angst vor Ansteckung. Die geht nämlich auch mit Maske! Würde man sich sicherer fühlen könnte man auch öfter einkaufen gehen!

  4. Ist ja alles schön und gut, aber so lange keine entsprechenden Läden vorhanden sind, muss man halt auf das Internet oder eine “richtige” Großstadt ausweichen.
    Krassestes Beispiel: Nach der Schliessung des Saturn gibt es in ganz Bergisch Gladbach keinen einzigen Medienladen (CD/LP/DVD u.a.) Das ist schon ein Armutszeugnis für eine Großstadt. Geschäfte für nachhaltige Mode gibt es auch nicht
    Muss ich leider auch im Internet bestellen. Also bitte nicht noch mehr konv. Modeketten in die Stadt und bitte einen Plattenladen!!!