Brachfläche und provisorischer Parkplatz: auf dem Grundstück am Ende der S-Bahn-Gleise soll das neue Stadthaus entstehen. Foto: Thomas Merkenich

Seit der ersten Idee für ein neues, großes Stadthaus am S-Bahnhof sind acht Jahre vergangen, die Welt hat sich verändert. Digitalisierung, Klimaschutz und nicht zuletzt die Option Home-Office haben die Anforderungen an ein solches Gebäude verändert. Nach Sichtung und Diskussion einiger Gutachten lässt Bürgermeister Frank Stein jetzt seine Präferenz erkennen: Zurück an den Start, neu denken, neu planen.

Am Donnerstagabend hatte der eigens gegründete Stadthausausschuss zum ersten Mal getagt und auf der Basis von sechs neuen Gutachten und Vorlagen eine Bestandsaufnahme vorgenommen. Dabei hatte auch das Architekturbüro Auer Weber eine neue Kostenprognose vorgelegt: das von zunächst 24 auf 62,5 Millionen Euro verteuerte Projekt wurde dabei auf „aus heutige Sicht” auf 81,9 Millionen Euro prognostiziert.

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Der Entwurf des Büros Auer Weber hatten eine zweistufigen Wettbewerb gewonnen und ist hochgelobt worden.

Bei der Bestandsaufnahme ging es aber nicht nur um die Kostenrisiken, sondern auch um den künftigen Raumbedarf, die Auswirkungen der Digitalisierung und die Lehren der Corona-Pandemie. Die Diskussion in der nichtöffentlichen Sitzung sei intensiv gewesen, teilt die Stadtverwaltung jetzt mit.

Auf der Basis der neuen Gutachten und der gestrigen Diskussion will Bürgermeister Frank Stein dem Hauptausschuss am 9. März einen konkreten Vorschlag vorlegen. Wie der aussehen wird, lässt er schon jetzt deutlich erkennen:

Eine ernsthaft zu erwägende Option ist, das bisherige Vergabeverfahren aufzuheben, die Grundlagen für das Projekt anhand der veränderten Bedürfnisse der Stadt neu zu definieren und auf dieser Basis neu zu starten. Auch die bisher vorgesehene Trennung von Planen, Bauen und Betrieb sollte kritisch überprüft werden.“

Bürgermeister Frank Stein. Foto: Thomas Merkenich

Im Klartext: der großartige Entwurf des Wettbewerbssiegers Auer Weber ist vom Tisch, der Prozess startet mit einer Bedarfsprüfung noch einmal neu.

Ob damit auch der Standort am Kopfende des S-Bahnhofs zur Debatte steht, lässt Stein offen. Aus seiner Ampelkoalition war jedoch schon im Wahlkampf der Vorschlag gekommen, auf dem Zanders-Geländer einen schlichten Bau zu errichten. Auch bei einer Fortführung der Papierfabrik wäre dort ausreichend Platz.

Der Blick von den Kalköfen auf das Kopfgrundstück. Foto: Thomas Merkenich

Aus Sicht der städtischen Entscheidungsträger, so die Mitteilung der Stadt, gibt es eine Reihe von Gründen für diesen Neustart – auch wenn der Ersatz für die fürchterlichen Arbeitsplätze in den alten Stadthäusern damit länger auf sich warten lässt, auch wenn der Ausstieg aus dem Vertrag mit Auer Weber und die Neuplanung viel Geld kosten werden. Das Architekturbüro hat Stein bereits heute „über die aktuelle Diskussionslage” informiert.

Neben den Kostenrisiken nennt die Stadt folgende Argumente für den Neustart:

  • Die Pandemie zeige, dass alternative Arbeitsmodelle wie die „Teleheimarbeit” den Raumbedarf minimieren werde.
  • Die Digitalisierung verändere die Arbeit der öffentlichen Verwaltung.
  • Schärftere Klimaschutzziele rücken den Klimaschutz und die Bauökologie in den Fokus.

Offen ist damit auch wieder, ob die Stadtbücherei wie bislang geplant ihre neue Heimat im Stadthaus finden wird – oder woanders angesiedelt wird.

Mit einem interaktiven Rundflug können Sie die geplanten Baustellen in der Innenstadt erkunden. Die Fotos sind von 2019, ein Aktualsierung ist in Arbeit.

Und schließlich muss geklärt werden, ob das neue Stadthaus tatsächlich ein optischer Hingucker wird, den sich viele für das prominenten Grundstück am Bahnhof gewünscht hatte. Mit der Erweiterung des Bahnhof und der anlaufenden Bebauung des benachbarten Cox- sowie des Köttgengeländes, verändert sich das Umfeld ohnehin – daher könnten dort auch ganz andere (private) Pläne verwirklicht werden.

Die Grundsatzentscheidung, das betont die Stadt, fällt ohnehin erst der Hauptausschuss Anfang März. Aber es gibt keine ernsthafte Zweifel, dass Frank Stein für seine Linie im Rat eine Mehrheit finden wird.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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10 Kommentare

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  1. Warum muss der Stadthaus Plan der CDU jetzt vom neuen Bürgermeister vor die Wand gefahren werden. Meint er und das dreier Bündnis wirklich, dass die Stadt damit Geld sparen kann. Mitnichten, es dauert länger und das Projekt wird noch teurer, nur es hat dann einen G R Ü N E N ; R O T E N ; und etwas G E L B E N Anstrich, der den Stadthaushalt noch mehr belastet und den Mitarbeitern der Verwaltung und den Bürgern noch mehr Zeit abringt. Eine Neuplanung würde das Projekt um einige Jahre hinauszögern und wäre sicher mit noch höheren Kosten verbunden. Ausserdem gebe ich zu bedenken, dass kein renommiertes Architekturbüro sich an einer Ausschreibung beteiligen würde. Jeder würde sagen: da hast du Zeit,Kraft, Ideen und Personal eingesetzt und im Nachhinein wird alles in die Tonne klobt, da sich die Politiker nicht einig werden. Zweitrangige Unternehmen werden auftreten und der Stadt nur noch mehr Geld aus der Tasche ziehen. Warum ist es nicht möglich, eventuell für die Stadtbücherei andere Räumlichkeiten zu finden und auch auf eine mögliche Tiefgarage zu verzichten. Bei einer halbwegs vernünftigen Diskussion im Stadtrat sollte eine vernünftige Lösung möglich sein, ohne das die eine oder andere Partei grössere Ansehensnachteile in Kauf nehmen muss und das alles zum Wohle der Stadtkasse und der Bürger.

  2. @Bensberger Ihre Anmerkung zum Bürgerbüro habe ich leider überlesen, entschuldigen Sie bitte. Nichtsdestotrotz ist es meines Erachtens unerlässlich, die Verwaltungsteile, die in das neue Gebäude ziehen sollen, auch Innenstadtnah zu positionieren. Das Jugend- und Sozialamt sind Bereiche, in denen viel persönlicher Kontakt vorherrscht und die von Bürgern auch in großem Umfang persönlich aufgesucht werden. Das gilt für die Ordnungsbehörde mit zugehöriger Gewerbemeldestelle und das Standesamt genau so. Andere Teile der Verwaltung, in denen die von Ihnen angesprochene reine Verwaltungsarbeit geleistet wird, sitzen ja schon im Gewerbegebiet Zinkhütte.

  3. Da bin Ich echt erleichtert.
    Zitat: ,,Im Klartext: der großartige Entwurf des Wettbewerbssiegers Auer Weber ist vom Tisch, der Prozess startet mit einer Bedarfsprüfung noch einmal neu. ´´

    So ein riesiges und teures Bauvorhaben passt in meinen Augen nicht zu unsere Stadt. Das würde in der “Krise” fast schon einem Schloss Versailles gleichkommen.
    Ich fände es toll wenn man darauf achten würde, dass das Projekt:
    kostengünstig, klimaneutral, ressourcenschonend und platzsparend wird.

    Wenn irgentwo Geld ausgeben dann eher in soziale und ökologische Projekte. Dafür braucht es Mut.
    Es sollte gut erreichbar sein mit ÖPNV und auf bereits Vorhandenen Flächen angebracht werden.
    Gerade vom Herrn Stein könnte Ich mir vorstellen, wenn in Zukunft auch Soziale und Ökonomische Aspekte bedacht werden.

  4. “Geschäftslokale gibt es genug in der Innenstadt. Dort könnte man ein großes Bürgerbüro anmieten (TouristInfo, Anträge abgeben etc.).” war mein Hinweis.

    Selbstverständlich muss es eine fußläufige eine Anlaufstelle für Bürger:innen geben! Aber die reine Verwaltungsarbeit der Ämter (Jugend-, Sozial-, Bauamt etc.) muss doch nicht bürgernah (im Hinblick auf den Anreiseweg!) erfolgen.

  5. Nun also ist das “Urbach-Haus” Geschichte – zusammen mit dem Abgang des Alt-Bürgermeisters, passt. Gestritten werden darf bei geeignetem Entwurf, wo das Haus gebaut werden soll. Für alle Vorschläge – Am Bahnhof, Zanders-Gelände, Industriegebiet – lassen sich Vor- und Nachteile finden. Ich denke, ein Industriegebiet fällt wegen der geringen Erreichbarkeit aus, die Bürger*Innen sollen ja relativ bequem dort hinkommen. Auf dem Zanders-Gelände wird auch ein verkleinertes Gebäude die Planungsmöglichkeiten ob mit oder ohne ZANDERS beschränken. Am Bahnhof parallel zu den bereits beschlossenen Maßnahmen würde sich ein schöner Zweckbau gut machen, aber eben auch Wohnungen, Einkaufcentren und Begegnungsstätten. Die Entscheidung wird nicht einfach, vielleicht entscheiden die einzusetzenden Mittel.

  6. @Benberger Achja, das Bürgerbüro soll dann also auch in ein Industriegebiet? Und das Jugend- sowie das Sozialamt und die Ordnungsbehörde? Es ist durchaus sinnvoll, eine Stadtverwaltung, die dem Bürger Dienstleistugen anbietet, auch im Stadtkern anzusiedeln (so wie das in eigentlich jeder anderen Stadt übrigens auch ist). Ob das jetzt unbedingt auf dem Kopfgrundstück sein muss, auf dem Zandersgelände oder in sonstiger direkter Nähe zur Innenstadt, das sei mal dahingestellt.

  7. Die neue Planung des Stadthauses sollte meiner Ansicht nach nicht einer Verwaltungshaus – Promenade ähneln. Es sollte in Betracht gezogen werden, der Eingang zur Stadt von der B506 her sollte Leben zeigen. Da erinnere ich mich an einen schönen Entwurf von Arch. Zimmermann aus dem April 2018. Der zeigte, hier ist was los. Der Eingang machts. Es wäre gut, wenn man endlich mal zu käme. Wahrscheinlich ist schon das Untergeschoss in Gutachten und Planungen finanziert.

  8. Ich frage mich, warum die Verwaltungsarbeit mitten im Stadtzentrum gemacht werden muß. Ein Verwaltungsgebäude in einem Industriegebiet wäre auch den Mitarbeiter:innen zumutbar, sofern die Verkehrsanbindung (auch ÖPNV !) gewährleistet ist.
    Das Gelände am Bahnhof würde sich bestens für ein Kino und Wohnungsbau eignen; Geschäftslokale gibt es genug in der Innenstadt. Dort könnte man ein großes Bürgerbüro anmieten (TouristInfo, Anträge abgeben etc.).

  9. Eine lang überfällige Handlungsempfehlung für das weitere Vorgehen und aufatmen an vielen Stellen. Herzlichen Dank an den neuen Bürgermeister Frank Stein für die bisherige Moderation.

    Für die Mitarbeiter der Verwaltung muss das nicht zwingend eine negative Botschaft sein, obwohl es sich zunächst so anhört, im Gegenteil.

    Für die Bereitstellung einer neuen attraktiven Arbeitsumgebung, die insbesondere den dramatisch gewachsenen Anforderungen an Klimaschutz und Bauökologie, aber auch den gewachsenen Ansprüchen und Erkenntnissen digitalisierter Verwaltungsarbeit genügen, ist deutlich weniger als acht Jahre anzusetzen.

    Dafür spricht jetzt auch mit der Einführung des Ausschusses für das Stadthaus die Erkenntnis des Stellenwertes des Projektes für die Stadt und damit die Möglichkeit der zielorientierten Fortschrittskontrolle auf Leitungsebene und ein Fertigstellungstermin ist ein ehrenwertes Ziel.

    Auch wenn noch einige Aufräumungsarbeiten aus dem Planungsvorlauf zu leisten sind, der Ansatz strahlt Zuversicht aus und lässt hoffen.

  10. Ich beglückwünsche Herrn Stein zu seinem mutigen und weitsichtigen Ansatz eines Neustarts. Mein herzlicher Dank folgt gerne, sobald der Stadtrat gefolgt ist und sich ein wirtschaftlich und technisch angemessenes Stadthaus für die Zukunft abzeichnet…