Die Pandemie durchkreuzt auch die Pläne des Pianisten, Dirigenten und Organisators Roman Salyutov. Von einem Lockdown kann beim Leiter des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach aber keine Rede sein: mit seinen digitalen Konzerten ist er ständig präsent und bietet Musikern aus der ganzen Region Auftrittsmöglichkeiten. Für 2021 und 2022 bereitet er neue Projekte vor – in der digitalen und in der realen Welt.

„Die Kultur steht keineswegs still“, gibt sich Roman Salyutov vor dem verschlossenen Tor des Schlosshotels Bensberg kämpferisch. Diesen Ort für ein Gespräch über seine weiteren Pläne hat er nicht zufällig gewählt: in das verwaiste Schloss hat er mit seinen Konzerten zuletzt wenigstens ein wenig Leben gebracht.

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Roman Salytov und die Geigerin Patrizia Bertuzzo mit Christian Walter und Axel Pleuger (Bensberger Bank) als Vertreter der Sponsoren

Reihenweise hatte auch Salyutov Termine verschieben müssen, große Projekte wie die Opperette „Die Fledermaus“ bis ins Frühjahr 2022. Und gleichzeitig hat er neue Wege gefunden, sein Publikum zu erreichen – und einigen seiner Musikerkollegen wenigstens kleine Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen.

„Viele Musiker sind tief in der Krise, finanziell und psychologisch“, erzählt Salyutov. Er selbst habe im März 2020 im ersten Lockdown seine Krise gehabt und daran gezweifelt, den richtigen Beruf gewählt zu haben. Nach zwei Tagen hatte er diesen Gedanken abgeworfen, und sich in die Organisation, in Proben und Konzerte gestürzt.

Resignation? Nicht bei Roman Salyutov. Hier im Gespräch mit Birgit Eckes, Kölner Stadt-Anzeiger

Die Leser:innen des Bürgerportals haben Salyutov in dieser Zeit gründlich kennen gelernt, viele seiner Projekte, fast 20 Konzerte und Ausstellungen hat er zusammen mit dem Bürgerportal für den #KulturKurier produziert – und so sein Publikum erreicht.

Dabei ist Salyutov immer bemüht, „seine“ Musiker mitzunehmen. In einer speziellen KulturKurier-Serie stellt er ambitionierte Amateur-Musiker vor, die im Sinfonieorchester Seite an Seite mit den Profis spielen.

Und auch einzelnen Solisten aus dem Umfeld des Sinfonieorchesters gibt er eine Bühne. Für seine Mini-Konzerte, zuletzt vor allem im geschlossenen Schloss Bensberg, holt er befreundete Musiker aus der ganzen Region zusammen – zum Beispiel zum Chanukka-Fest:

Finanziert werden die Auftritte durch Sponsoren wie der Bensberger Bank oder im Rahmen des KulturKuriers durch die VR Bank. Viel Unterstützung gibt es vom Grandhotel Schloss Bensberg, dem Bürgerhaus Bergischer Löwe, der VHS oder dem Bestattungshaus Pütz-Roth, die Räume und Bühnen großzügig zur Verfügung stellen.

Musik – nicht nur für umsonst

Für die Zuschauer sind die Konzerte umsonst, doch jetzt erprobt das Multitalent ein eigenes Bezahlmodell: Mit einem harten Kern befreundeter Musiker hat er in Schloss Bensberg Werke von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms eingespielt.

Den Zugang zu diesem besonderen Konzert gibt es nur gegen Bezahlung: 15 Euro für das erste Ticket, 10 Euro für weitere Zuhörern. Das ganze wickelt er persönlich ab, Interessenten können sich per Mail an ihn wenden.

Hinweis der Redaktion: Wer Salyutov, das Sinfonieorchester oder einen anderen Künstler in der Region unterstützen möchte findet in unserem Spendenportal alle Kontaktdaten.

Auch das hat die Pandemie gebracht: Geht nicht gibt es nicht. Für den KulturKurier hat Salyutov sein Cembalo auf das Dach des Bergischen Löwen geschleppt, andere Konzerte fanden im Park des Bensberger Schlosses statt.

Die Ausstellung „Zeichnen gegen das Vergessen“ mit Porträts von Kindern, die dem Nazi-Terror zum Opfer gefallen waren, hatte Salyutov eigenhändig nach Bergisch Gladbach geholt; damit ist er – solange sie noch geöffnet waren – von Schule zu Schule gefahren.

Die Eröffnung der Ausstellung zum Holocaust Gedenktag brachte Salyutov souverän mitten im Lockdown über die Bühne: mit vier Zuschauern in der weiten Aula des AMG, vom #KulturKurier in Szene gesetzt.

Und nach wie vor zeigt der Pianist keinerlei Ermüdungserscheinungen, für 2021 ist sein Kalender voll, für 2022 einiges geplant:

Nach dem großen Erfolg des kammermusikalischen Online-Neujahreskonzerts gibt es ein Osterkonzert mit Werken von Brahms und Frank. 

Musiker des Sinfonieorchsters geben im Februar und März zwei Online-Konzerte im Barockschlos Bensberg mit Musik des Hochbarocks: den Brandenburgischen Konzerten von J. S. Bach sowie Stücken von A. Vivaldi und G. Ph. Telemann.

Der dritte Abend aus der dreiteiligen Reihe von Vorträgen mit Konzerten „Europas Entwicklung in der Nachkriegszeit“ wird am 9. Mai nachgeholt. 

Die für 2020 geplanten deutsch-österreichischen Kulturtage werden Ende 2021/Anfang 2022 nachgeholt. Mit einer Würdigung von Beethovens 250. Jubiläum und Mozarts 230. Todestag.

Auch die ursprünglich für den Jahreswechsel 2020/21 geplante Opernproduktion „Die Fledermaus“ als Kulmination der deutsch-österreichischen Kulturtage ist auf den Jahreswechsel 2021/22 verschoben worden. 

Das im November angefangene Projekt zur Ausstellung „Zeichnen gegen das Vergessen“ wird fortgeführt.

Acht Veranstaltungen sind geplant unter dem Motto „Kennenlernen – Verstehen – Miteinander gestalten“ im Rahmen der bundesweiten Aktion „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“: Podiumsgespräche, Lesungen, Konzerte, Theatervorstellungen, Ausstellungen und spezielle Programme für Schulen.

Hintergrund: Der #KulturKurier …

… bringt seit dem März 2020 die Kultur nach Hause – und bietet den lokalen Künstler:innen eine Chance, ihr Publikum zu erreichen. Die Videoproduktionen stammen (in der Regel) von Joshua Murat (motivfilm.de), die Fotos dazu liefert Thomas Merkenich.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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