Tomás Santillán, ehemaliges Ratsmitglied und Kreisvorsitzender der Linken, hält ein Plädoyer für eine menschen- und klimafreundliche Stadtentwicklung vor – als Gegenentwurf zu „wildem Stückwerk“.

Die neue Ampelkoalition im Stadtrat Bergisch Gladbach legt seit Wochen immer wieder neue Einzelvorschläge vor, ohne dass sich daraus ein ökologisches Verkehrskonzept für diese Stadt ergibt. Verkehrspolitik in einer Stadt ist immer auch Stadtentwicklung und kann nicht davon getrennt werden.

Die Kritik, dass die eigentlich notwendige Bürgerbeteiligung fehlen würde, ist nachvollziehbar, denn offenkundig wird den Bürgerinnen und Bürgern nur Stückwerk vorgelegt, welche aber kein Gesamtbild sichtbar macht. Der Eindruck entsteht, dass es sich um wilden Aktionismus handelt, um die neue Koalition aus GRÜNEN, SPD und FDP zu rechtfertigen und darzustellen. Dabei wird über die betroffenen Menschen hinwegentschieden ohne diese vorher einzubeziehen.

Sozial & klimafreundlich

Es fehlen definierte und realistische Ziele für eine klimafreundliche und soziale Stadtentwicklung Bergisch Gladbach. Am Beispiel Laurentiusstraße ist das gut erkennbar. Hier geht es nicht einfach nur um „irgendeine Straße“, denn die Laurentiusstraße führt direkt vom zentralen Marktplatz hin in die Randbereiche der Stadtmitte.

Eine einfache Umwidmung der Straße greift zu kurz, denn eigentlich bieten sich hier mehr Möglichkeiten die Stadt zu beleben und damit das ganze Viertel aufzuwerten. Ein einfacher Vorrangwechsel für Fahrräder wäre eine vergebene Chance.    

“Shared-Space” Laurentiusstraße

Bei dem aktuellen Vorschlag einer Fahrradstraße für die Laurentiusstraße muss die Frage erlaubt sein, warum diese Straße nicht in eine „Shared-Space-Zone“ umgewandelt wird, die auch Platz für neues Grün, Fußgänger, Kultur, Gewerbe und Begegnung schaffen könnte.

Dafür könnte die Straße vollständig umgebaut, die Parkplätze beseitigt und der neue Raum grundsätzlich umgestaltet werden, statt die Straße nur “umzuwidmen”. Fahrräder wären dabei nur ein einziges Element eines neuen und nachhaltigen Konzepts.

Bürgerinnen und Bürger beteiligen

Hierfür sollte die Stadt eine Ideenwerkstadt mit den Bürgerinnen und Bürgern durchführen, welche das gesamte Laurentiusviertel ins Visier nimmt. Diese Ergebnisse könnten den Rahmen für einen Wettbewerb für Architekten, Städte- und Verkehrsplaner vorgeben, um das “Laurentiusviertel” neu zu erfinden.

Dabei sollte der Parkplatz an der Buchmühle in alle Überlegungen einbezogen werden, um den dortigen Raum für Menschen, Natur und soziales Leben umzunutzen. Ein neuer Plan muss ich übergangslos in die Gewerbeflächen rund um die Hauptstraße einfügen und diese nachhaltig, sozial und klimafreundlich beleben.

Tomás M. Santillan will Stadt neue denken

Buntes Stadtleben, blühende Wirtschaft

Denkbar wären neue Grünflächen, Urban-Gardening, neue Bäume, Fassadenbegrünung, Solarenergie, Verweilräume, Sitzbänke, Flanieren, Flächen für Kunst & Kultur, Open-Air-Kino, Wasserspiele, neue Nutzfläche für bezahlbares und inklusives Wohnen, die Gastronomie, Straßenflohmarkt und den Einzelhandel (innen und außen), ein Spielplatz, Veranstaltungsfläche, Sportgeräte, Open-Wlan, … und, … und, … und, …

Für gute Ideen und bürgerschaftliches Engagement gibt es eigentlich sehr viel Platz nicht nur auf der Laurentiusstraße, sondern im gesamten Viertel.

Tomás M. Santillán

Tomás M. Santillán lebt seit seinem ersten Lebensjahr in Bergisch Gladbach Refrath. Bekannt wurde Tomás M. Santillán als Antragsteller des Bürgerentscheid gegen des Cross-Border-Leasing 2003 und seine Kandidaturen als Bürgermeister und Landrat. Heute engagiert er sich in unabhängigen Initiativen...

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4 Kommentare

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  1. @U.Kleinert
    Alle die schon an einer Bürgerbeteiligungsprozesse mitgewirkt haben, wissen dass wir hier in größeren Zeiträumen denken müssen.

    Ich denke nicht dass eine klimafreundliche Stadtentwicklung zu groß gedacht ist, denn wenn wir das Klima weltweit und auch hier verändern wollen, müssen wir damit jetzt beginnen und uns auch große Ziele stecken. Wenn wir das Ziel haben diese Stadt klimaneutral zu bekommen, müssen wir heute damit tatsächlich heute anfangen. Ich betone, dass ich nicht gegen die geplante Fahrradstrasse bin, aber das ist mir noch viel zu wenig.

    Natürlich kann eine Umgestaltung des Laurentiusviertel nicht in wenigen Monaten oder Jahren vollzogen werden, sondern muss Stück für Stück in Angriff genommen werden. Es geht aber darum zumindest eine nachhaltige und integrierte Perspektive aufzubauen und nicht mit Stückwerk oder wilden Aktionismus Symbolpolitik und Greenwashing zu betreiben.

    Die Dinge müssen ernsthaft und mit Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger angegangen werden. Genau diese Bürgerbeteiligung hat die Ampelkoalition aus FDP, GRÜNEN, SPD aber in der Laurentiusstr. versäumt und macht das nach der altbekannten “Gutsherrenart” und gibt das auch offen zu.

  2. Die Zielsetzung kann ich unterschreiben, aber das scheint mir (noch) etwas zu groß gedacht.
    Ein Wegfall aller Parkplätze in Laurentiusstraße *und* Buchmühle ist nicht vermittelbar und kurzfristig auch nicht sinnvoll; die Nachteile würden die Vorteile überwiegen. “Platz für neues Grün, Fußgänger, Kultur, Gewerbe und Begegnung” schaffen – genau das ist das Ziel der Fahrradstraßen-Umwidmung. Mit Ausnahme der neuen Grünflächen, für die ist leider dort kein Platz.

    Ein ‘umfassender Plan’ zur Umgestaltung des Viertels gemeinsam mit den Bürger:innen ist eine gute Idee. Das gilt aber auch für viele andere Stadtviertel, aktuell etwa Bensberg, Schildgen und die westliche Innenstadt – und ich fürchte, alles gleichzeitig anzugehen würde alle Beteiligten überfordern.
    In der realen politischen Umsetzung werden aus ‘Gesamtkonzepten’ fast immer ‘Einzelmaßnahmen’. Warum nicht erstmal abwarten, wie sich der jetzt beschlossene Schritt auswirkt?

  3. Jede/r, der/die schon einmal vom Anfang bis zum Ende an einem Projekt mitgewirkt hat, weiß, dass es mit einer Problembeschreibung und Zieldefinition beginnt und mit der Realisierung endet. Dazwischen liegen viele unterschiedlich große Zwischenschritte, die gut durchdacht werden wollen.
    Aus den zahlreichen kontroversen Beiträgen ist leicht zu erkennen, dass Leben in die Auseinandersetzung zur Umgestaltung der Laurentiusstraße gekommen ist. Super! Damit das so bleibt, wünsche ich mir, dass jeder mal versucht, für sich die Position der Gegenseite einzunehmen und zwar mit derselben Leidenschaft, wir für die eigene.
    Als langjähriges ADFC-Mitglied mit PKW-Unterstützung überlege ich mir jetzt ernsthaft, welche lästigen Konsequenzen sich für mich als PKW-Fahrer ergeben, wenn die Fahrradstraße fertig ist. Das sind auf jeden Fall Umwege, verbunden mit längerer Verweildauer in einem Fahrzeug, in dem ich mich auch nicht unwohl fühle. Im Falle, dass die Fahrradlobby (z.B. ADFC, VCD) ihre Versprechen einhält und ein Großteil der mobilen Bevölkerung für Kurzstrecken aufs Zweirad umsteigt, wenn die Infrastruktur gegeben ist, dürften Staus vor Ampeln kürzer sein und teilweise entfallen. Das nun verminderte Parkplatzangebot würde sogar für die verbliebenen KFZ’s ausreichen. Als behinderter Rentner oder Mutter mit Kind/ern, nicht zu vergessen Handwerksbetrieb, käme ich damit gut zurecht, wenn nicht sogar besser. Das Mehr an CO2, dass ich dann produziere, könnte in der Gesamtbilanz der Stadt sogar vertretbar sein. Der Faktor Zeit wird übrigens immer falsch eingeschätzt.
    Habe ich noch etwas Wichtiges vergessen?
    Von der Ampelkoalition wünsche ich mir einen Faktencheck betreffend Zufahrt Parkhaus MHK, Anwohnerbetroffenheit und Buchmühlenparkplatz. Hierzu gibt es m.E. noch zu viel Spekulationen im Diskussionsraum.

  4. Wenn man die Laurentiusstraße nicht mehr befahren kann und noch mehr Parkplatzmöglichkeiten in der Innenstadt eliminiert, haben behinderte Menschen und Menschen mit kleinen Kindern kaum noch Chancen den Stadtkern aufzusuchen. Schon jetzt fehlen Parkmöglichkeiten z.B. zum Besuch der Stadtbücherei und der Geschäfte. Es sind nicht umsonst seit dem Umbau des Parkplatzes hinter der VHS Cafés und Geschäfte geschlossen worden. Auch die VHS Besucher haben keine Chance mehr auf einen Parkplatz. Nicht jeder Gladbacher ist topfit und kann lange Strecken zu seinem Ziel zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen. Man sollte lieber Mal die Vorhandenen Plätze sicherer machen. Am Spielplatz vor dem Forum sind im letzten Sommer mehrere Kinder in die Strunde gefallen. Soviel zu den tollen Umgestaltungen in Bergisch Gladbach.