Die Papierfabrik Zanders bietet ein tristes Bild. Aber der Insolvenzverwalter wirft die Papiermaschinen wieder an. Foto: Thomas Merkenich

Als Mark Boddenberg Anfang März die Papierfabrik betrat war Zanders klinisch tot: Der Zellstoffvorrat aufgebraucht, der Strom abgedreht, die Maschinen still, die Firma insolvent. Doch der vorläufige Verwalter wagt die Reanimation, hat erste Probleme abgeräumt und will die Produktion in den nächsten Tagen langsam wieder hochfahren. Ein Punkt macht ihm dabei Hoffnung.

Am 1. März hatte die Zanders Paper GmbH ziemlich überraschend Insolvenz angemeldet, doch wie dramatisch die Lage da schon war, wird erst jetzt öffentlich bekannt. Mark Boddenberg, der vom Amtsgericht Köln als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt ist, berichtet im Gespräch mit dem Bürgerportal von gespenstischen Szenen. Die riesigen Maschinenhallen lagen still, die Rohstoffvorräte waren erschöpft, selbst der Außenstrom war abgedreht worden und die Fabrik wurde vom Vermieter nur noch geduldet.

Die traditionsreiche Papierfabrik befinde sich in einer sehr schwierigen Lage, urteilt auch der „Berufsoptimist“ Boddenberg. Nach dieser zweiten Insolvenz ist viel Vertrauen aufgebraucht, das Verhältnis zur Stadt Bergisch Gladbach als Grundstückseigentümer belastet, und der Papiermarkt ist alles andere als lukrativ. Doch mit dem Luxuspapier Chomolux verfüge Zanders – immer noch – über ein Produkt, für das es einen Nachfrage gibt, führt Boddenberg an.

Mark Boddenberg. Foto: Eckert Rechtsanwälte

Der Fachanwalt für Insolvenzrecht aus der Kölner Kanzlei Eckert hat Erfahrung in der Branche, mit seinem Team hat er bereits die Reflex Papierfabrik in Düren wieder auf die Beine gebracht, die bis 2011 eine Tochter von Zanders war. Boddenberg hat mit eigenen Mitarbeitern die operative Geschäftsführung übernommen und verbringt den Vormittag im Unternehmen. Jeden Morgen um 7:45 Uhr stimme er sich per Videokonferenz mit Terje Haglund ab, dem von den schwedischen Investoren eingesetzten bisherigen Geschäftsführer.

Nun gehe es darum, so Boddenberg, die Produktion wieder ein Stück weit hoch zu fahren, Chromolux zu produzieren und die Kunden zu bedienen, die zum Glück noch nicht abgesprungen sind. Die riesigen Papiermaschinen nach Wochen des Stillstands wieder anzufahren ist nicht so einfach, Mitte der kommenden Woche sollen sie aber wieder laufen.

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Spätestens am 1. Mai muss Boddenberg die Lage stabilisiert und ein Zukunftskonzept skizziert haben, um das Amtsgericht zu überzeugen, ein ordentliches Insolvenzverfahren zu eröffnen. Denn nur drei Monate lang werden die Gehälter in Form von Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit ausgezahlt.

Bis dahin muss der Verwalter dem Gericht klar machen, dass Zanders eine weitere Chance auf eine Zukunft hat. An dem Konzept arbeite das Team bereits, mit dem dann das nächste Ziel ins Auge gefasst werden soll: Wieder einmal einen Investor zu finden, der an diese Zukunft glaubt. Und mit der Stadt einen langfristigen Pachtvertrag aushandeln, als Basis für Investitionen in die Zukunft.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Bücherwurm (unsinniges Pseudonym), es gibt Erfahrungen, die man nicht anlesen kann. Etikettenpapiere produziert die halbe Papierindustrie, da wird Zanders kaum mitkommen.

  2. Es gibt eben Erfahrungen, die sich nicht anlesen lassen, Bücherwurm (Unsinniges Pseudonym). Etikettenpapiere u.Ä. produziert die halbe Papierindustrie, da wird ZANDERS kaum mitkommen.

  3. Bezüglich der Einschätzung gußgestrichener Etikettenpapiere und ihres Bedarfes am aktuellen Markt als auch dessen Entwicklung, scheint hier ja ein verkannter Fachmann und Experte zu urteilen….

  4. Es wäre schön, wenn Herr Boddenberg die traditionsreiche Firma retten könnte. Allein, mir fehlt der Glaube. Ein solches Werk in den nur noch angemieteten Räumen mit einem Produkt am Leben zu erhalten, erscheint mir doch recht blauäugig. Hinzu kommt, dass der Wert dieser einzig konkurrenzfähigen Papiersorte endlich ist, weil in den Branchen, die die Glanzpapiere einsetzen, andere Oberflächen immer mehr Platz greifen.

    Wie schwierig das alles werden würde, lässt die Tatsache erahnen, dass bisher niemand wusste, dass die Papiermaschinen stillstehen und sogar der Strom abgeschaltet wurde, was auf Illiquidität hinweist. Der bisherige Insolvenzverwalter zusammen mit Heuschrecke und Betriebsrat sahen es nicht für nötig an, über diesen absoluten Tiefpunkt von ZANDERS zu informieren. Man ist fassungslos aber auch wieder einmal in der Meinung über solche Investoren und manche Insolvenzverwalter bestätigt.