Seit einem Jahr unterliegen Handel, v.a. aber Gastronomie, Kultur und Veranstaltungsbranche harten Auflagen. Im Rathaus wird daher an Strategien zur Lockerung gearbeitet.

Bei der Auswahl der Städte und Kreise in NRW, die als Modellprojekte Lockerungen in der Pandemie testen dürfen, ist Bergisch Gladbach durchgefallen. Erst nach dieser Entscheidung berichtet die Stadt, wie ihr Modell ausgesehen hätte. Und warum die Arbeit nicht umsonst war.

„Öffnung des gesellschaftlichen Lebens und Dämpfung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Folgen der Corona-Pandemie”, so definiert die Stadtverwaltung jetzt das Ziel ihrer Strategie, mit dem sie sich beim Land NRW kurzfristig als Modellprojekt beworben hatte. Erfolglos, wie wir inzwischen wissen.

Bürgermeister Frank Stein, der das Vorhaben persönlich angeschoben hatte, bedauert die Düsseldorfer Entscheidung in einer Presseerklärung. Er weist aber darauf hin, dass die Arbeit nicht vergeblich war: „Wir werden das entwickelte Konzept im Rahmen der in den nächsten Monaten zu erwartenden stufenweisen Lockerungen sukzessive in Kooperation mit Handel, Gewerbe, Kultur und Sport umsetzen.”

Farbiges Armband sollte Bergisch Gladbach „aufschließen”

Wie aber sieht dieses Konzept aus? Weitgehend wie das Tübinger Modell.

Genau das führt die Stadt in ihrer Erklärung an: „Ähnlich wie beim „Tübinger Modell“ beabsichtigte die Stadt – sobald verantwortbar – die weitere Öffnung von Einzelhandel und Gastronomie auch bei Wochen-Inzidenzen über 50. Verbunden werden sollte dies mit einer breit angelegten Teststrategie, die Bürgerinnen und Bürger bei negativem Testergebnis mit einem nachvollziehbaren Beleg ausstattet. Dieser hätte dann als „Eintrittskarte“ zu Einzelhandel, Kultur, Kosmetik oder Gastronomie gelten können.”

Innovativ ist die Form dieser Eintrittskarte: Das Bergisch Gladbacher Konzept beinhaltete „als Kernpunkt die Kennzeichnung der zertifiziert negativ Getesteten mit einem farbigen „Tages-Armband“, das auch eine digitale Überprüfbarkeit zulassen sollte.”

Damit hätten umständliche Verfahren wie Vorlage von Testergebnissen plus Personalausweis vermieden werden können, argumentiert die Stadt. Allerdings gibt es diese Lösungen längst in Form von Apps, die ohne bunte Armbänder auskommen.

Auch in Tübingen gibt es an den Teststellen Armbänder; mit einem QR Code, der das Abrufen der Ergebnisse per Smartphone erlaubt.

Für die Ausarbeitung dieses Konzeptes hatte die Stadtverwaltung ein externes Unternehmen beauftragt, die Wuppertaler Firma LorentIT, bestätigt die Verwaltung auf Nachfrage. Die FHDW hätte später ebenfalls beteiligt werden sollen.

Und schließlich war ein eigenwilliger Name für das Projekt entwickelt worden: „unGLock“.

Regionale Verteilung und digitale Kompetenz

Warum Bergisch Gladbach dennoch nicht zum Zug kam, ist nicht bekannt. Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart ausdrücklich gesagt habe, dass alle eingereichten Konzepte ein hohes fachliches Niveau aufwiesen. Zudem habe offenbar die regionale Verteilung der berücksichtigten Kommunen eine Rolle gespielt.

Allerdings hatte Pinkwart ein weiteres Kriterium genannt: „digitale Fähigkeiten in den drei Bereichen Nachverfolgung, Testung und Impfung”. In der Digitalisierung hat Bergisch Gladbach seit langem Defizite – und für die Nachverfolgung sowie Impfung ist die Stadt gar nicht zuständig, sondern der Rheinisch-Bergische Kreis.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

2 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. @Emely W: Was für schwachsinniger Vergleich oder ich sehe in allem das Böse! Schon mal was von All Inclusive Bändchen gehört? Da wird auch keiner stigmatisiert der es nicht trägt! Auf Konzerten, Partys usw. werden diese Bändchen getragen…Im ein oder anderen Krankenhaus bekommen Sie auch ein Bändchen, kein Problem. Also bitte nicht jetzt noch den zweiten Weltkrieg als Vergleich ins Feld führen! Als ich ihren Kommentar soeben gelesen habe, sind mir nicht nur die Haare zu Berge gestanden, mir ist die Hutschnur aufgegangen.?Solche Vergleiche regen die Leser wirklich auf!

  2. Als ich den Vorschlag mit dem Armband las, standen mir sprichwörtlich die Haare zu Berge.
    Ich habe es zwar selbst nicht miterlebt, weil ich erst nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurde, aber die Kdnnzeichnung von Menschen, das hatten wir schon einmal und ich hoffe immer noch, dass diese Zeiten unwiederholbar hinter uns liegen.
    Im vorliegenden Vorschlag werden dann Menschen ohne Armband stigmatisiert.