In Hummelsheim zwischen Schlebusch und Schildgen ist die Baustelle bereits angekommen.

Eine neue Gaspipeline wird nordwestlich von Paffrath gebaut. Sie ist für die Umstellung von L- auf H-Gas notwendig. Wir erklären, wozu die Pipeline dient, wann die Baumaßnahmen starten, wo die Leitung entlang läuft und welche Einschränkungen auf die Anwohner zukommen.

Bald rollen die Bagger in Paffrath an. Dann werden die Rohre für die neue Gaspipeline unter der Bezeichnung „NETG-Leitung Voigtslach-Paffrath“ verlegt. Die Fernleitung beginnt in Hitdorf, Stadt Leverkusen, und endet in Paffrath, Bergisch Gladbach (siehe Karte) an der dortigen Gas-Druckregel- und Messanlage (GDRM).

Trassenverlauf der NETG-Leitung Voigtslach-Paffrath, Karte: NETG

Die Baumaßnahmen starten noch in diesem Monat, der Abschluss soll voraussichtlich April 2022 erfolgen. Zum Auftakt beginnt die Betreibergesellschaft, die Nordrheinische Erdgastransportleitungsgesellschaft NETG, nach eigenen Angaben mit der Suche nach alten Kampfmitteln und Arbeitsvorbereitungen.

Anschließend wird die Pipepline verlegt, wobei drei verschiedene technische Verfahren zum Einsatz kommen. So soll nach Angaben des Betreibers die Verlegung schonend für das Umfeld erfolgen. Infos zu den Verlegeverfahren stellt der Betreiber im Internet bereit.

Sperrung von Waldwegen

Laut NETG kreuzt die Fernleitung zwei Straßen und verläuft parallel zu
Waldwegen. „Die Altenberger-Dom-Straße (im weiteren Verlauf auf Kölner Gebiet
als Odenthaler Straße) wird mittels Unterpressung gequert, so dass der Verkehr
nicht beeinträchtigt wird. An der Siedlung Heidgen (Katterbachstraße / Dünnwalder
Mühlenweg) sowie für einzelne Waldwege sind aus Sicherheitsgründen allerdings
temporäre Sperrungen nicht zu vermeiden, die mit der Forstverwaltung abgestimmt
sind“, heißt es daszu in einer aktuellem Mitteilung des Unternehmens.

Geplante Sperrungen im Umfeld des Trassenverlaufs

Die Anwohner im Umfeld der Bauarbeiten hätten bereits eine Postwurfsendung mit Informationen zur Baustelle erhalten.

Rodungen

Geplant sind Arbeiten im Einschichtbetrieb von 9 bis 17 Uhr. Nur bei Sonderbaumaßnahmen werde auf ein Zweischichtsystem umgestellt. Arbeiten am Wochenende sollen nach Möglichkeit nicht stattfinden, erläuterte der Betreiber vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz zum Baustart.

Zum Bau der Trasse sind Rodungen vorgenommen worden. Hierzu gebe es einen Ausgleich in Form von Renaturierung, der ungefähr sechs Hektar umfasse, erklärte der Betreiber auf Nachfrage des Bürgerportals. Dies entspreche ungefähr den vorgenommenen Rodungen. Ein Eins-zu-Eins Ausgleich sei schwierig zu beziffern, da teils einzelne Bäume gefällt worden sind.

Trassenverlauf: Die Leitung wird zwischen der Bensberger Straße bei Schlebusch und Neudiepeschrath bei Paffrath verlegt und führt südwestlich vorbei an Schildgen und Katterbach. In zwei Bereichen muss die Leitung aus technischen Gründen offen verlegt werden:
– südlich der Bensberger Straße
– westlich der Odenthaler Straße

Umstellung erfordert zwei Pipelines

Der Betreiber NETG wurde von der Bundesnetzagentur im Rahmen des Netzentwicklungsplans NEP beauftragt, die Gas-Infrastruktur sicherzustellen. Die NETG Voigtslach-Paffrath sorgt nach Auskunft des Betreibers dafür, dass H-Gas aus Norwegen über das bestehende H-Gasnetz an die Region herangeführt werden kann.

Für die Umstellung sind zwei parallel laufende Gasleitungen notwendig, da ein nahtloser Gaswechsel nicht über eine einzige Pipeline erfolgen kann.

Weitere Infos zur L-/H-Umstellung in diesem Beitrag.

Bis dato erhalten die Haushalte der Region so genanntes L-Gas aus den Niederlanden. Diese Lieferungen sollen jedoch bis 2026 eingestellt werden. Die L/H-Umstellung im Raum Köln erfolgt bereits ab 2023, heißt es beim Betreiber der Pipeline NETG. H-Gas hat aufgrund eines höheren Methan-Anteils einen höheren Brennwert.

Sicherheitsmaßnahmen

Laut Betreiber soll bereits vor und während der Baumaßnahmen durch spezielle Maßnahmen für ein hohes Maß an Sicherheit gesorgt werden. Hierzu gehören Einsatz von Spezialstahl, Druckprüfung unter Hochlast sowie Einsatz eines sog. Kathodischen Korrissionsschutz. Das Verfahren sorgt zum Beispiel bei Beschädigung der Rohre über spezielle Sensoren für eine umgehende Alarmierung des Betreibers in Echtzeit.

Basis für die Sicherheit der Fernleitung ist nach Angaben des Betreibers das Regelwerk des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW).

NETG-Leitung Voigtslach-Paffrath auf einen Blick
Gesamtlänge: 23,6 km
Region: Regierungsbezirk Köln
Versorgung H-Gas: Städte Köln, Leverkusen, Bergisch Gladbach, Langenfeld, Lichlingen, Burscheid
Rohre: 17 Meter lang, Durchmesser 90cm, 12,9mm dick, 4,8 Tonnen Gewicht
Druck: 70 bar
Verlegetiefe: mind 1 Meter Erdüberdeckung

Hintergrund GDRM-Anlage in Paffrath

Die GDRM-Anlage in Paffrath ist die Endstation der NETG-Leitung Voigtslach-Paffrath. Hier erfolgt die Regelung und Messung des Gasdrucks, bevor das Gas in die örtlichen Netze verteilt wird.

Warum ist dies notwendig? Gas wird für den Ferntransport auf bis zu 100 bar verdichtet, wobei die NETG für 70 bar ausgelegt ist. Dieser Druck ist jedoch zu hoch für die Endgeräte der Verbraucher. Bevor das Gas beim Verbraucher ankommt, muss unterwegs – auf den verschiedenen Transportebenen – der Druck reduziert werden. Hierzu werden die GDRM-Anlagen wie in Paffrath genutzt.

Aktuelle Infos zu den Bauabschnitten stehen auf den Webseiten des Betreibers bereit. Dort finden Sie auch Karten und Hinweise über die eingesetzten Bauverfahren.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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