Alter Hauptbahnhof Bergisch Gladbach, heute Campus der Fachhochschule der Wirtschaft

Zwei Jubiläen, ein Projekt: Der Eisenbahn-Club Bergisch Gladbach feiert 40-jähriges Jubiläum. Die Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach wird 25. Eine Feier gibt es bei beiden Geburtstagen nicht. Aber die FHDW unterstützt den Club beim Bau eines Modells des alten Bahnhofs in Gronau, dem Sitz der FHDW. Dafür ist der Verein tief in die Historie des Gebäudes eingestiegen, einige Fragen sind aber noch offen.

Zukünftig halten wieder Dampfloks am alten Bahnhof in Bergisch Gladbach-Gronau. Allerdings im Maßstab 1:32. Der Eisenbahn-Club Bergisch Gladbach e.V. ist gerade dabei, das Gebäude für seine Spur 1-Anlage originalgetreu nachzubauen.

Seit der Gründung des FHDW-Campus Bergisch Gladbach ist der 1983 unter Denkmalschutz gestellte dreigeschossige Bau ein Standort der privaten Hochschule. Gemeinsam genutzt werden die Räumlichkeiten mit dem b.i.b. International College, das hier schon 1981 einzog.

„Wir unterstützen den Club, so gut wir können, ich finde die Idee klasse. Und es ist schön, in einem Haus zu arbeiten, das so bedeutend für die Geschichte Gladbachs ist“, sagt Dr.-Ing. Alexander Brändle, Leiter des Bergisch Gladbacher FHDW-Campus.

Der gesamte Campus umfasst heute außerdem einen Trakt, der sich direkt an das historische Bahnhofsgebäude anschließt, ein Vorlesungs- und ein Bibliotheksgebäude und ein Wohngebäude für einen Teil der zurzeit 700 Studierenden. Angeboten werden hier duale Bachelorstudiengänge (Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik) und berufsbegleitende Masterstudiengänge der gleichen Fachrichtungen.

Bei einem ersten Austausch zwischen der FHDW und dem Eisenbahn-Club kamen die Modellbaufreunde im Mai mit einem originalen Schild des Bahnhofs Gronau vorbei, der zeitweise auch von der Bevölkerung als Hauptbahnhof Bergisch Gladbach bezeichnet wurde – um Verwechslungen mit dem Haltepunkt Duckterath zu vermeiden.

Brändle hatte Pläne der Innenraumgestaltung aus den frühen 80ern für die Clubmitglieder vorbereitet, außerdem gab es eine Führung durch und eine Präsentation zum Gebäude. Historische Fotos stellte die FHDW dem Verein ebenfalls zur Verfügung. „Damit hätte ich im Leben nicht gerechnet“, war Martin Brunke erstaunt über die Unterstützung durch die Hochschule.

Wie das Modell entsteht

Brunke ist Vereinsvorsitzender des Eisenbahnclubs und Konstrukteur des Modells, das mit Laserschnitt, klassischem MTF-Modellbau und 3-D-Druck erstellt wird. Für Details wie Stuckverzierungen und Ornamente nutzt er die Methode der Fotogrammetrie. Dabei werden die Daten von mehreren Dutzend Fotos der Objekte von einem Programm so aufbereitet, dass der 3-D-Drucker sie maßstabsgetreu reproduzieren kann.

Für einen digitalen Konstruktionsplan hat Brunke mit einem Team des Clubs das gesamte Gebäude mit Lasertechnik vermessen. „Es soll schon so detailgetreu wie möglich werden. Wenn man so ein Hobby hat, spielt schon ein bisschen Verrücktheit mit.“

Sein Modell soll den Zustand des Bahnhofs in den 60er Jahren zeigen. „Kurz vor der Schließung des Bahnhofs“, erklärt Brunke. Seine Recherchen führten ihn neben der FHDW zum Bergischen Geschichtsverein und zum Industriebahn-Museum nach Köln.

Zur Geschichte des Bahnhofs

Eröffnet wurde der Bahnhof Gronau am 4. Januar 1912. Grund: Der Bahnhof im Gladbacher Zentrum war (wie heute) ein Kopfbahnhof. Ungünstig für die Züge, die vom damals noch eigenständigen Mülheim am Rhein über Bergisch Gladbach nach Bensberg und weiter nach Hoffnungsthal wollten.

Die 1868 eingeweihte Bahnlinie von Mülheim nach Bergisch Gladbach ist auf Initiative des Gladbacher Papierproduzenten Carl Richard Zanders gebaut worden. Die Genehmigung der Erweiterung über Bensberg (1870) und Forsbach nach Hoffnungsthal (1890) erwirkten die Gebrüder Reusch, die dort ein Metallwerk besaßen. Gebaut wurde die Strecke durch die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft, Genehmigungsbehörde war die Königliche Eisenbahndirektion Elberfeld. Ins Zentrum Bergisch Gladbachs rollten ab 1912 nur noch Güterzüge, erst ab 1950 auch wieder Passagierwaggons.

„In der Ausstattung konnte er mit Bahnhöfen größerer Städte mithalten“, schreibt Hans Mittler in der Jahreschrift des Bergischen Geschichtsvereins „Heimat zwischen Sülz und Dhünn“ von 2016. Wartesäle gab es in dem heute noch imposanten und architektonisch aufwändigen Bau für die erste, zweite und dritte Klasse. Es gab einen Fahrkartenschalter und zuerst auch noch eine Gepäckannahme. Zum höher gelegenen Bahnsteig gelangten die Passagiere überdacht, für die Koffer gab es einen Aufzug.

Anfang der 60er Jahre stellte die Bahn den Passagierverkehr Richtung Bensberg nach und nach ein, am 29. September 1965 schloss der Bahnhof seine Türen. Bis auf eine. Die Bahnhofsgaststätte blieb noch bis Ende der 60er Jahre geöffnet. Die Strecke entlang der heutigen FHDW war noch gelegentlich für Güterzüge in Gebrauch. Außerdem organisierte das Industriebahn-Museum einzelne Fahrten über den Gleiskörper – im Frühjahr 2019 mit einem Schienenbus und im Sommer mit den edlen Waggons des historischen Luxuszuges Rheingold.

Einige Fragen sind noch offen

Rund ein Jahr, so schätzt Brunke, wird ihn der Bau an Zeit kosten. „Ich bin da ein 150prozentiger, will es ganz genau haben. Aber es macht richtig Spaß.“ Sogar Figuren sollen in dem damals über zwei Geschosse reichenden Wartebereich und auch in der Gaststätte zu sehen sein. Manche Fakten konnte der Eisenbahnfan trotz umfangreicher Recherchen nicht ermitteln.

„Ich wüsste gerne, welches Bier in der Gaststätte ausgeschenkt wurde, damit ich das Gaststättenschild nachbauen kann.“ Das ist nämlich auf allen Fotos nur in der Seitenansicht zu sehen. „Wenn jemand noch etwas über den Bahnhof und die Gaststätte weiß, soll er sich bei mir melden.“

FHDW

FHDW Fachhochschule der Wirtschaft in 51465 Bergisch Gladbach, Hauptstr. 2, Mail info-bg@fhdw.de, im Web http://www.fhdw.de/

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