Das Bürgerhaus im Zentrum der Stadt steht wie kein anderes Bauwerk für die Geschichte von Bergisch Gladbach. Der Bergische Löwe vereint drei Bauwerke in sich, die auf harmonische Weise alte und neue Architektur gleichberechtigt nebeneinander erscheinen lassen. In unserer Serie #KulturMitteGL und in einer 360-Grad-Panoramatour können Sie den Löwen erforschen – und viele unbekannte Perspektiven entdecken. Oder kennen Sie den Eisernen Vorhang, die Deckenmalerei im Theatersaal?

Seine Anfänge nahm das Bürgerhaus mit dem Gasthaus Kolter, das 1854 an gleicher Stelle von der Familie Kolter errichtet worden war. Die Familie stellte in den Anfängen der Stadt die ersten Bürgermeister. 1903 wurde der Bau durch den Architekten Ludwig Bopp im Auftrag der sogenannten Kasinogesellschaft aus- und umgebaut. Bopp zeichnete u.a. auch für die Gronauer Waldsiedlung und das neue Rathaus am Marktplatz verantwortlich.

Hinzu kam damals der sogenannte „Mariensaal“, benannt nach dessen Stifterin Maria Zanders. Er fasste rund 1.000 Personen, bei einer Einwohnerzahl von seinerzeit etwa 15.000 Personen in Bergisch Gladbach. 1939 ging der Bergische Löwe in städtischen Besitz über, fungierte nach dem Zweiten Weltkrieg als Kino und ab der 1950er Jahren als modernes Bühnenhaus.

Sie können über die blauen Punkte verschiedenste Perspektiven ansteuern, in der Luft und am Boden. Sie können die Ansicht drehen, Details heranzoomen und über die Symbole Bildergalerien, Videos und Infotexte öffnen. Ein Doppelklick öffnet und schließt eine Vollbildansicht. Gute Reise! 

Als Neubau war der Mariensaal seinerzeit zu groß dimensioniert, später wurde er zu klein für die aufstrebende Stadt. Daher fiel der Saal im prachtvollen Jugendstil 1977 der Abrissbirne zum Opfer.

Der Mariensaal. Foto: Stadtarchiv

Neubau von Gottfried Böhm

Der Architekt und Pritzker-Preisträger Gottfried Böhm erhielt den Auftrag für den Neubau des Bürgerhauses, der 1980 eröffnet wurde und zu den eher ungewöhnlichen Arbeiten des Architekten gehören. Aber

Das Bauwerk beherbergt einen großen, multifunktionale, Theatersaal mit professioneller Bühnenausstattung. Hinzu kommen weitere Räume wie der Spiegelsaal mit seiner ungewöhnlichen Deckengestaltung. Fotos von Karl-Josef Gramann, die gerade die Wirkung der verspiegelten Decke in den Vordergrund rücken, finden Sie in einer Bildergalerie in der Panoramatour.

Markant ist die Farbgebung mit roten Fliesen im Theatersaal, die im groß dimensionierten Treppenhaus sowie auf den Metallplatten der Fassade fortgesetzt wird. Die Farbgebung stellt den Bezug zum historischen Bau des Bergischen Löwen her, den Böhm in seinen Neubau integriert hat. 

Während der ältere Teil nach wie vor gastronomisch genutzt wird, ist der Neubau des Bergischen Löwen das Kulturzentrum schlechthin der Stadt geworden. Hier finden Musik, Theater, Kabarett sowie Kongresse, Ballettaufführungen und Märkte ihre Bühne.

In der Pandemie war es ruhig im Löwen. Hier übertragen Roman Salyutov und Birgit Heydel ein Konzert für den Kulturkurier des Bürgerportals.

Einheimische Kunst- und Kulturschaffende brachten 2018 die Oper „Don Giovanni“ auf die Bühne. Das Bürgerportal zeichnete hier während der Corona-Pandemie viele Folgen des Kulturkuriers auf und veranstaltete zur Kommunalwahl 2020 eine große Wahlarena im Bürgerhaus mit allen Parteien und Spitzenkandidaten.

Quellen:

  • Albert Eßer, Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte, Stadtarchiv Bergisch Gladbach 2006
  • Michael Werling, Baudenkmäler in Bergisch Gladbach, BGV Rhein Berg 2019

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Danke für den Hinweis. Das ist sehr gut möglich, im Moment haben wir dazu leider keine Quellen.

  2. Vielen Dank für den Artikel. Ein Hinweis: „1939 ging der Bergische Löwe in städtischen Besitz über“ Das hört sich so unerheblich an. Wenn ich das richtig im Kopf habe, war das allerdings kein normaler Immobilienverkauf, sondern wurde von den Nazis betrieben, um missliebige private Vereine auszumerzen.