Folgt man der Hauptstraße in Richtung Herrenstrunden trifft man an der Ecke zur Odenthaler Straße auf ein klassizistisches Bauwerk: Die „kleine, aber feine Schwester der Villa Zanders“ markiert seit 30 Jahren als „Kulturhaus Zanders“ das östliche Ende der Kulturmeile in der Innenstadt. Eine Epoche der wechselvollen Geschichte des Gebäudes, die jetzt zu Ende geht. In unserer Serie #KulturMitteGL  können Sie das Gebäude in einer 360-Grad-Panoramatour von außen und innen erkunden.

Von Magdalene Christ

Die klassizistische Stadtvilla, die heute als Kulturhaus Zanders bekannt ist, wurde zur Gründerzeit erbaut, noch vor der Villa Zanders am Konrad-Adenauer-Platz. Allerdings wurde zuerst nur die Haushälfte Nr. 269 mit dem Hauptportal und darüber einem Repräsentations-Balkon fertiggestellt. Damals hieß diese Adresse „Wilhelmstr. 143“.

Die Initiative für den Bau der Stadtvilla, mit ein wenig Abstand zur Papierfabrik an der Schnabelsmühle, war ebenfalls von Maria Zanders ausgegangen. Besitzerin des Grundstücks war ihre Mutter, Charlotte Johanny.

Unsere interaktive Panoramatour führt Sie zu den wichtigsten kulturellen Einrichtungen in der Bergisch Gladbach, und mitten hinein. Sie können sich durch jede Ansicht klicken, die Ansicht vergrößern, Fenster mit Videos, Fotos und Zusatzinfos öffnen. Gute Reise!

Als Architekt hatte Maria Zanders Hermann Otto Pflaume verpflichtet; er gestaltete das Haus auf der Gartenseite mit einem Wintergarten sowie einem kleinem Park (und später auch die Villa Zanders).

Nach seiner Hochzeit im Februar 1893 lebte der jüngere Sohn von Maria Zanders, Hans Wilhelm (*1861), mit seiner jungen, aus Belgien stammenden Frau Olga (*1872) in diesem Haus.

Als 1899 mit Johann Wilhelm bereits das vierte Kind geboren war, musste nun auch das Haus vergrößert werden. Hans Zanders beauftragte den Architekten mit einem gleichgroßen Anbau, der uns das Haus seitdem optisch „wie aus einem Guss“ erscheinen lässt.

Im Dezember 1904 verstarb Maria Zanders, und Hans zog–  mit seiner Frau und inzwischen sechs Kindern – nach einem umfangreichen Umbau 1911 in das Haus seiner Mutter am Marktplatz.

Das Haus an der Odenthaler Str. wurde vermietet, so in den 20/30er Jahren an Walter vom Hövel und seine Familie , die monatlich 252 Mark Miete zahlte (Juli 1929).

Als am 1. Oktober 1932 der Rheinisch-Bergische Kreis gebildet wurde, verkaufte Olga Zanders ihr Wohnhaus am Markt (heute Kunstmuseum Villa Zanders), welches dann zum Kreishaus der neuen Kreisstadt Bergisch Gladbach wurde und zog zurück in das Haus an der Ecke Wilhelmstr./Odenthaler Str. Ihre Schwiegertochter Renate, geb. von Hake, zog ebenfalls nach ihrer Hochzeit mit Ehemann Karl Richard 1936 dort ein. 

Das Haus um 1935. Foto: Stiftung Zanders

In den folgenden Jahren bewohnten verschiedene Mitglieder der Familie das Haus, auch das Finanzamt war einige Jahre dort untergebracht.

Margarethe Zanders (*1894), die älteste Tochter von Olga und Karl Richard lebte dort bis zu ihrem Tod 1983. Hier bearbeitete sie auch das umfangreiche Familienarchiv mit den Pergamenturkunden aus dem 15. Jahrhundert und den vielen Briefen von Maria Zanders, katalogisierte die Noten von Max Bruch und die umfangreichen Korrespondenz ihrer Eltern mit Alexe Altenkirch und anderen bedeutenden Persönlichkeiten der rheinischen Gesellschaft. Der Verkehr nahm in jenen Jahren deutlich zu und so mussten zu ihrem großen Bedauern die schönen Bäume an der Einfahrt gefällt werden.

Foto: Stiftung Zanders

Altenberger-Dom-Verein und Stiftung Zanders ziehen ein

Ende der 80er Jahre übereignete die Familie das Gebäude der Fa. Zanders, die es unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Bestimmungen so umbaute, dass zwei kulturelle Einrichtungen dort ihre Heimat finden konnten: Der Altenberger Dom-Verein und die Stiftung Zanders – Papiergeschichtliche Sammlung, letztere mit ihren Büchern und Archivunterlagen zur Familien- und Firmengeschichte.

Dabei wurde die ursprüngliche Nutzung der Räume fast analog beibehalten: Aus den unteren, sehr repräsentativen Räumen mit Parkett, Stuck und Marmor, mit dem ehemaligen Musikzimmer, dem Herrenzimmer, usw. wurden Ausstellungsräume zum Präsentieren der Kulturgüter geschaffen.

In den Räumen in der 1. Etage, wo früher das Leben der Familie stattfand mit Schlafzimmern, Kinder- und Spielzimmern, fanden jetzt die Büros und Leseräume ihren Platz. Die Böden im Dachgeschoss, dem neuen Magazin, wurden verstärkt um die Last der Archivkartons aufnehmen zu können. Auch der Park wurde neu gestaltet.

Im April 1991 konnte dann das Haus mit seinem neuen Namen „Kulturhaus Zanders“ der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Stiftung Zanders und der Altenberger Dom-Verein zeigten ihre Bestände nach dem Umzug in der Eröffnungs-Ausstellung „Wir packen aus …“. 

Im Jahre 2001 erwarb Hans Wolfgang Zanders das Haus von der Rechtsnachfolgerin der Firma Zanders, International Paper, zurück, um auch weiterhin kulturelles Leben für Bergisch Gladbach in diesem Haus zu ermöglichen und sicherzustellen.

Seit der Eröffnung des Hauses wurden über 150 Ausstellungen präsentiert, nebst Vortagsreihen, Salongesprächen, Konzerten, Literaturabenden, Mitgliederversammlungen. 

Einen guten Einblick, wie es im Kulturhaus Zanders aussieht, erlauben die Fotos von Thomas Merkenich. Sie können jedes Foto mit einem Klick groß stellen.

Seit zwei Jahren gehört das Gebäude mit dem Park nun der Gesellschaft „Evangelisches Krankenhaus Bergisch Gladbach gGmbH“.

Hinweis der Redaktion: Ob und in welchem Umfang das „Kulturhaus“ auch unter dem neuen Eigentümer für kulturelle Zwecke zur Verfügung steht, ist noch offen. Die Stiftung Zanders bereitet gerade ihren Umzug vor. Zur Nutzung heißt es offiziell beim EVK: „Das Kulturhaus Zanders wird seit dem Erwerb durch das EVK Bergisch Gladbach dienstlich genutzt und zunehmend in die räumliche Nutzungsnotwendigkeit unserer zahlreichen diakonischen Gesundheitseinrichtungen integriert.“

Alle Fotos: ©Stiftung Zanders

Magdalene Christ

ist Dipl.-Archivarin und Geschäftsführerin der Stiftung Zanders mit ihrer Papiergeschichtlichen Sammlung im Kulturhaus Zanders.

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4 Kommentare

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  1. Den Waatsack abreißen, alles klar…ist heute 1. April oder was?
    Warum nicht noch das Rathaus und die Laurentiuskirche, um dort endlich ein weiteres Einkaufszentrum zu bauen?

    Die Odenthaler Straße ist an dieser Stelle zu schmal, das ist schon richtig – aber die ‚Verbesserung des Verkehrsflusses‘ darf kein Argument dafür sein, die Geschichte unserer Stadt zu zerstören.

    Danke für den Beitrag zur mir bisher unbekannten Geschichte des Hauses!

  2. Herr Wagner, wollen Sie wirklich den Waatsack, das älteste profane Gebäude unserer Stadt, einfach der Abrissbirne überlassen? Außer Makler-Interessen sind mir keine anderen bekannt, die das wollen. Haben Sie den Artikel „Waatsack und Co : Rettet ein einzigartiges Bauensemble“ nicht gelesen? Das sollten Sie dann schleunigst nachholen.

  3. Hoffe, dass dieses architektonisch wertvolle Gebäude nicht für verkehrstechnische Maßnahmen angetastet wird. Für eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrsführung einschließlich Berücksichtigung sicheren Radverkehrs sollte endlich der gegenüberliegende Waatsack und das angrenzende Kino abgerissen werden.

  4. Ein schöner Artikel und tolle Fotos!
    Die Garten- und Innenansichten waren mir bislang unbekannt.