Frank Haubrich, der „Herr der Pumpen" im Abwasserwerk, inspiziert den Brunnen an der Buchmühle.

Am Montagfrüh hat die Zanders-Abwicklungsgesellschaft die Pumpe an der Schnabelsmühle abgestellt. Damit das Grundwasser jetzt nicht auf sein natürliches Niveau und damit bis in die Häuser steigt pumpt die Stadt selbst Wasser ab, 82 Liter pro Sekunde. Ein Experiment, bei dem sich jetzt die Augen auf Keller und Tiefgaragen richten.

Im großen Pumpenhaus am Fuß des Quirlsbergs ist es ruhig geworden, zum ersten Mal seit fast 200 Jahren entnimmt die Papierfabrik Zanders der Strunde kaum noch Wasser. Dafür rauscht es nun am Rande des Buchmühlenparkplatzes.

Links das historische Pumpwerk an der Schnabelsmühle, rechts der Zweckbau an der Buchmühle.

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„Wir senken heute den Grundwasserspiegel mit der maximalen Pumpleistung ab und lassen ihn in den nächsten zwei oder drei Tagen kontrolliert ansteigen“, erläutert Daniela Reuscher, die zuständige Projektleiterin im Abwasserwerk.

Ziel dieses Versuchs ist es herauszufinden, wieviel Wasser tatsächlich entnommen werden muss, um zu verhindern, dass die Keller und Tiefgaragen durchnässt werden oder gar volllaufen. Denn ohne Grund darf die Stadt (nach der Einstellung der Papierproduktion) gar kein Grundwasser entnehmen, und benötigt die nun zu gewinnenden Daten, um ein entsprechendes Wasserrecht bei der Aufsichtsbehörde zu bewirken.

Maß der Dinge ist dabei die Höhe des Bodens der Tiefgarage des Bergischen Löwen. Der liegt genau 82,3 Meter über dem Meeresspiegel. Und wurde auch in der Vergangenheit schon immer mal wieder nass, wenn Zanders in der Weihnachtspause weniger Wasser entnommen hatte.

Noch ist die Tiefgarage unter dem Bergischen Löwen trocken.

Darüber hinaus hat die Stadt 15 weitere Messstationen und zwei Datenlogger in der Innenstadt installiert, die den Wasserstand permanent kontrollieren. Gleichzeitig waren die Hausbesitzer (die in der Regel wissen, welche Keller gefährdet sind) aufgefordert worden, auf Durchnässungen zu achten.

Kontaktdaten für Schadensmeldungen: 
Festnetz: 02202 – 14 2932
Mobil: 0178 – 8450802
Mail: d.reuscher@stadt-gl.de.

Reuscher und ihre Kolleg:innen, die von einem Ingenieurbüro unterstützt werden, sind jedoch zuversichtlich, dass es zu keinen Schäden kommen wird. Sobald der Wasserspiegel wieder zu stark steigt kann die Stadt innerhalb von zehn Minuten reagieren und die Pumpe an der Buchmühle auf Touren bringen. Für den Fall, dass die 82 Liter pro Sekunde nicht ausreichen wurde bereits eine zweite Pumpe in Stellung gebracht.

Daniela Reuscher und der Beigeordnete Harald Flügge mit den Plänen für die Innenstadt

Auf den Hochwasserschutz hat der Versuch keine Auswirkungen, betonen die Experten. Mit dem Grundwasser, das jetzt eingeleitet wird, werde der riesige Hochwasserkanal noch nicht einmal zu einem Prozent ausgelastet.

Reuscher räumt ein, dass ein solcher Versuch so kurz nach der Hochwasserkatastrophe schwer zu erklären sei – die Stadt habe aber keine andere Wahl gehabt, nachdem die Zanders Abwicklungsgesellschaft angekündigt hatte, ihre Pumpen abzustellen.

Übrigens nicht zum ersten Mal. Schon vor rund zehn Jahren, als die Auslastung der großen Papiermaschine PM3 gedrosselt werden musste, hatte Zanders ein ziemlich großes Pumpwerk zwischen der Alten Dombach und Herrenstrunden mit einem 60 Meter tiefen Brunnenschacht still gelegt.

Auch das Pumpenhäuschen an der Alten Dombach ist außer Betrieb. Foto: Thomas Merkenich

Die kleinere Pumpe in dem historischen Pumpenhaus auf dem Gelände des Papiermuseums wurde im April abgeschaltet. Damit läuft nur noch die Pumpe direkt an der Quelle der Strunde, um den Restbedarf für die Reinigung der Zanders-Anlagen zu decken.

„Wir stehen in einer historische völlig neuen Situation in der Verantwortung, Gefahren für die Gebäude in der Innenstadt abzuwehren“, sagt der Beigeordnete Harald Flügge. Eine Genehmigung durch die Kreisverwaltung für eine dauerhafte Wasserentnahme wäre dann der nächste Schritt. Dafür werden jetzt die Daten gesammelt.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Zusätzliche Verwendung von Pumpen bei der Planung
    1) Strunde hoch 4
    2) Grundwasser nach Zander-Stopp
    Was ist bei längerem Stromausfall, gibt es Notstromaggregate?