Noch gibt es viele offene Fragen rund um die Idee der bislang unbekannten Investoren, die Produktion von Chromlux-Papier auf dem Zanders-Gelände neu zu starten. Die Fraktion der Grünen hat sich dennoch grundsätzlich gegen dieses Vorhaben entschieden. Bei den Partnern in der Ampel-Koalition und auch in der CDU ist die Skepsis nicht zu überhören, sie legen sich jedoch noch nicht fest.

„Die diskutierte Wieder-Inbetriebnahme der Chromolux-Anlagen für eine Papier-Veredelung wäre eine erneute industrielle Nutzung bei sehr geringer Arbeitsplatzdichte und würde die Entwicklung des Geländes als urbanes Gebiet behindern“, stellt Maik Außendorf, Ko-Fraktionsvorsitzender und Bundestagskandidat der Grünen in einer Stellungnahme klar.

Die (nach wie vor öffentlich nicht bekannten) Investoren haben aus Sicht der Grünen nicht belegen können, wie die geplante Produktion auf einem Teilstück des Zanders-Areals mit den beabsichtigen neue Nutzungen des Grundstücks koexistieren könnte. Die Stadt müsse „jetzt die Gesamt-Entwicklung mit aller Energie und ohne Vorbehalte“ verfolgen. Eine industrielle Nutzung stünde dem entgegen.

Selbst mit einer – möglicherweise – auf fünf Jahre begrenzte Chromlux-Produktion auf Zanders seien die Grünen nicht einverstanden, weil auch das die Stadt bei der Entwicklung des Geländes zu sehr einschränken würde.

Außendorf erinnert daran, dass die Ampel-Fraktion sich darauf verständigt hatte, das Gelände als „Urbanes Gebiet“ zu entwickeln: für Wohnen, emissionsarmes Gewerbe (aber keine Industrie) und Kultur. Die Gewerbeflächen sollten so genutzt werden, dass möglichst viele Menschen Arbeitsplätze finden.

Hintergrund: Tatsächlich ist über das Chromolux-Projekt öffentlich nichts bekannt. Nach Berichte des Kölner Stadtanzeigers wollen Investoren, offenbar auf Betreiben des ehemaligen Betriebsrats, die Veredelung von Chromlux-Papier aus der Zandersproduktion herauslösen und mit bis zu 100 Mitarbeitern separat betreiben. Dazu sollen die alten Anlagen auf dem Zanders-Areal genutzt werden. Angeblich nur für fünf Jahre, dann solle die Produktion an einen anderen Standort umziehen.

Die Fraktionen im Stadtrat hatten sich verabredet, in Sachen Zanders gemeinsam aufzutreten, eine öffentliche Debatte des politisch sehr sensiblen Projektes hat es daher bislang nicht gegeben. Nach dem Vorstoß der Grünen reagieren die anderen Fraktionen jedoch auf die konkrete Nachfrage des Bürgerportals – und zeigen ein breites Meinungsbild.

FDP: Keine industrielle Nutzung – und weitere Bedingungen

Die FDP, mit den Grünen und der SPD in einer Koalition im Stadtrat verbunden, sind ebenfalls skeptisch. Die Fraktion stehe hinter dem Beschluss des Stadtrats, nach der zweiten Zanders-Insolvenz für das komplette Gelände eine neue Nutzung zu entwickeln (Vollkonversion), sagt Fraktionschef Jörg Krell.

Für einen Neustart der Chromlux-Produktion im Interesse das Erhalts von Arbeitsplätzen müssten laut FDP drei Bedingungen erfüllt sein:

  • die Investor legen klare technische und wirtschaftliche Konzepte vor
  • ein Gutachten belegt, dass die Chromolux-Aktivitäten keine industrielle Nutzung darstellen, weil das die Entwicklung des übrigen Zanders Gelände substantiell behindern würde
  • die Investoren legen dar, wie die neue Produktion von den bisherigen Zanders-Aktivitäten (in den Bereichen Energie, Abwasser, Logistik, Sicherheit, …) getrennt werden kann.

Bei Krell ist deutliche Skepsis herauszuhören, dass diese Bedingungen erfüllt werden können. Denn dafür seien signifikante Investitionen notwendig. Bislang sei den Fraktionsvorsitzenden nur „unternehmerische Idee“ präsentiert worden, die keine Entscheidungsbasis darstellten.

SPD: Viele offene Fragen

Genau das bestätigt auch SPD-Fraktionschef Klaus Waldschmidt. Die SPD sehe sich „aufgrund der bisher bekannten Faktenlage“ noch nicht zu einer Entscheidung in der Lage.

„Wir hoffen, dass der bisher noch nicht in Erscheinung getretene Investor (wie von uns gefordert und von ihm ausdrücklich auch zugesagt), das Gespräch mit den Fraktionsvorsitzenden sucht und zur Klärung der vielen noch offenen Fragen beiträgt“, betont Waldschmidt.

CDU: „Neutral-positiv“

Auch der CDU-Fraktion reichen die Informationen für eine Entscheidung nicht aus, im Moment bewerte sie die Pläne „neutral-positiv“, sagt CDU-Fraktionschef Michael Metten. Allerdings hätten die „Investoren und Initiatoren“ für die nächste Videokonferenz mit den Fraktionsspitzen und dem Bürgermeister detaillierte Informationen zugesagt.

Auch die CDU betont das Ziel der Vollkonversion; daher müsse das Chromolux-Projekt zwei Bedingungen erfüllen:

  • die Nutzung müsse baurechtlich in einem Gewerbegebiet (und nicht Industriegebiet) möglich sein,
  • es muss eine eindeutige zeitliche Befristung geben.

Falls diese Bedingungen erfüllt sind, würde die CDU den Beschäftigen gerne eine weitere Erwerbstätigkeit ermöglichen. Zudem stehe bei der Realisierung des Projektes eine signifikante Pacht für den städtischen Haushalt in der Diskussion.


G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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