Mit einem symbolischen Spatenstich hatten Telekom und Stadt den Startschuss für den Anschluss aller 35 Schulen an das schnelle Internet gegeben. Wann die einzelnen Schulen mit der Fertigstellung rechnen können, bleibt jedoch offen. Ebenso die Frage, wie viele Schulgebäude noch mit WLAN oder LAN-Anschlüssen ausgestattet werden müssen. Der Ausbau innerhalb der Gebäude wäre jedoch wichtig, um die schnellen Glasfaseranschlüsse überhaupt nutzen zu können.

„Die Telekom hat noch 18 Monate Zeit, um das Projekt umzusetzen“, erklärt Marco Andres-Gilles, Breitbandbeauftrager beim Rheinisch-Bergischen Kreis. Das im April 2020 gestartete, kreisweite Förderprojekt zur Glasfasererschließung unterversorgter Haushalte, Unternehmen und Schulen befindet sich seit 14. September 2021, dem Tag des Spatenstichs, in der Bauphase.

Nun tickt die Uhr.

Termine offen

Der Ausbauschwerpunkt in der Stadt liegt auf der Glasfaseranbindung der Schulen. Diese sollen laut Kreis „prioritär“ angebunden werden. Das bedeutet: Bis März 2023 hängen die Schulen am Glasfasernetz.

Mehr ist aber noch nicht bekannt: Detaillierte Zeitpläne zum Anschluss einzelner Schulen gebe es derzeit nicht, erklärt Andres-Gilles. Das habe nicht zuletzt bauplanerische Gründe.

Datenraten offen

Auch die Datengeschwindigkeit, mit der die Schulen im Netz surfen sollen, stehe noch nicht fest. Theoretisch sind mit Glasfaser sehr hohe Up- und Downloadraten realisierbar. Das hänge jedoch vom gewählten Provider ab, sagt Andres-Gilles. Die Telekom errichte zwar das Netz. Die Schulen sind aber nicht gezwungen die Services des magentafarbenen Riesen aus Bonn zu nutzen.

Denn grundsätzlich können alle Provider ihre Breitbanddienste über das neue Netz vermarkten. Open access nennen die Experten das Prinzip. Und welche Datenraten die Provider vermarkten, ist je nach Anbieter unterschiedlich.

In den kommenden 18 Monaten werden die Schulgebäude mit Glasfaser erschlossen. Konkrete Termine je Schule gibt es noch nicht.

„Ausleuchtung“ der Schulen offen

Ob die Verträge mit den Providern durch den Träger oder die Schulen selbst geschlossen werden, ist derzeit nicht bekannt. Und damit bleibt die Frage nach den Datenraten offen. Eine Anfrage des Bürgerportals bei der Stadt läuft.

Hinzu kommt die Frage, welche Schulen bereits über ein gutes WLAN- oder LAN-Netzwerk im Gebäude verfügen, oder wo dies noch installiert werden muss. Die Netzwerke sind notwendig, um die schnelle Glasfaserverbindung überhaupt in den Klassenzimmern nutzen zu können.

Auch hierzu läuft eine Anfrage des Bürgerportals. Die Breitband-Ertüchtigung der Schulen wird auch „Ausleuchtung“ genannt, vergleichbar mit der WLAN-Ausstattung der eigenen vier Wände.

Um Tablets in Klassenräumen wie hier im NCG zu nutzen, sind leisstungsstarke WLAN-Netze in den Schulen notwendig. Welche Schulen damit bereits ausgestattet sind bzw wo diese Netze noch errichtet werden müssen, fragt das Bürgerportal derzeit bei der Stadt ab.

Internet und Brandschutz

Dass die „Ausleuchtung“ nicht gerade trivial ist, zeigt das Beispiel des Berufskollegs Kaufmännische Schulen in Bergisch Gladbach (BKSB). „Von der Stadt Bergisch Gladbach wurde uns gesagt, dass eine innere Verkabelung zwangsläufig den Brandschutz betreffen würde. Den Brandschutz aber dem neuesten Standard anzupassen sei sehr kostenintensiv und dafür habe die Stadt keine Geld“, berichtet Nicole Schuffert, Schulleiterin des BKSB. Hier stellt sich die Frage: Ist der LAN-Ausbau dann überhaupt machbar?

Schuffert gibt zu bedenken, ob bei der Digitalisierung der Schulen nicht gleich der Brandschutz mit erledigt werden könne. Auch wenn die vorgesehenen Subventionen für den Digitalausbau zweckgebunden seien. Einfach gesagt: Wenn die Decke einmal geöffnet ist, können doch mehrere Arbeiten in einem Aufwasch erledigt werden.

Grundsätzlich sei zu lange nichts an den Schulen getan worden, so Schuffert, und berichtet von einem Fenster, das vergangenen Freitag aus den Angeln gefallen sei. „Es wurde nun fest verschraubt und ist dann gar nicht mehr zu öffnen.“ Das Lüften in der vierten Corona-Welle werde so nicht unbedingt einfacher.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Es ist ein großes Disaster, dass nach Jahren von Versprechungen zum Thema Digitalisierung in den Schulen nichts Nutzbares ankommt. Merkt in Deutschland keine der involvierten Behörden, dass es zu diesem sichtbaren Versagen nur im öffentlichen Umfeld kommt. Jedes privat-wirtschaftliche Unternehmen löst für sich solche Einschränkungen in einer Woche, da es die eigene Existenz bedroht sieht. Nur unsere Behörden schieben sich die Schuld gegenseitig zu; Wie kann es sein, dass die Stadt nicht adhoc ein excelsheet vorlegt, dass den Zustand der Vernetzung der Schulgebäude dokumentiert? Dies hätte man doch zumindest in den 3 Jahren „Warten“ auf eine Leitung erledigen können und den Ausbau der wichtigeren internen Netzinfrastruktur für digitalen Schulbetrieb sicherstellen. Schade auch, dass man die vielen vorhandenen Funkmasten bei der Planung für schnelles Internet vergessen hat.
    So kann ich nur feststellen, dass unsere früheren Generationen zumindest so schlau waren, beim Bau der Schule für Strom, Wasser und Heizung zu sorgen.
    Gute Nacht Bergisch Gladbach.