Schon 2020 hatte der Rheinisch-Bergische Kreis begonnen, die Folgen des Klimawandels für den Kreis zu untersuchen und ein Konzept zu erarbeiten, wie sich die Kommunen und die Bürger:innen besser schützen können. Ein erster, umfangreicher Teilbericht wurde jetzt veröffentlicht, der sich vor allem mit dem Starkregen befasst und detaillierte Gefahrenkarten enthält.

Wie rasch und wie heftig sich der Klimawandel auch in Bergisch Gladbach und im ganzen Kreis auswirkt, daran hatte das sogenannten Starkregenereignis am 14. Juli keinen Zweifel gelassen. Eine Katastrophe, die rein statistisch gesehen innerhalb von mehreren tausend Jahren nur einmal vorkommt. Eine Statistik, die von der Veränderung des Klimas längst ins Wanken gebracht worden ist.

Aber selbst ein Starkregenereignis mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 Jahren (und das jederzeit eintreten kann) würde weite Teile von Bergisch Gladbach bedrohen. Das macht der erste Teilbericht mit umfangreichen Starkregengefahrenkarten deutlich, die die Kreisverwaltung jetzt veröffentlicht hat.

Die folgende Überblickskarte für Bergisch Gladbach zeigt, dass vor allem das nordöstliche Stadtgebiet und die Innenstadt gefährdet sind; grundsätzlich aber alle Bereiche entlang der zahlreichen Bäche. Die Stadtteile Asselborn, Herrenstrunden, Hebborn, Duckterath, Paffrath, Nußbaum und die Innenstadt werden besonders hervorgehoben – doch im ganzen Stadtgebiet gebe es aufgrund von besonderen Lagen neuralgische Punkte.

Quelle: Hydrotec / Rheinisch-Bergischer Kreis

Rund die Hälfte aller Gebäude in Bergisch Gladbach, 26.000 von 57.000, sind bei einem 100-jährigen Regenereignis von einem „Einstau“ bedroht. Im Klartext: es fließt Wasser ins Haus. Bei gut 16.000 Objekten kann es demnach zu einer Wasserhöhe von mehr als zehn Zentimetern kommen, bei knapp 1000 Häusern sind es mehr als 100 Zentimeter.

Hintergrund: Ein statistisch hundertjährliches Ereignis entspricht einem klassischen Sommergewitter von einer Stunde Dauer mit einer Niederschlagsmenge von 55 Litern pro Quadratmeter. Am 14. Juli waren in Bergisch Gladbach bis zu 140 Liter gemessen worden.

Wie gesagt, alles das bei einem Regen, der sehr weit hinter den Ausmaßes des 14. Julis zurückbleibt. Was das für jeden einzelnen Straßenzug der Stadt (und des Kreises) zeigen die Karten sehr detailliert, im Maßstab 1:5000.

Die Karte für den östlichen Innenstadtbereich zum Beispiel bestätigt, was die Menschen im Juli zum Teil erlebt hatten: entlang der Strunde, aber auch parallel zur Odenthaler Straße war es zu massiven Überschwemmungen gekommen. Ebenso ist die City mit dem gesamten Zanders-Gelände bedroht.

Quelle: Hydrotec / Rheinisch-Bergischer Kreis

Die vom Kreis beauftragten Fachbüros (Hydrotec Ingenieurgesellschaft für Wasser und Umwelt mbH aus Aachen und energielenker Beratungs GmbH aus Greven) haben zur Veranschaulichung der Starkregen-Phänomen zudem eine Starkregensimulation erstellt, in der man sich die Fließwege, Fließgeschwindigkeiten und Wassertiefen für alle Orte innerhalb des Kreisgebietes animiert anschauen kann. Die Simulation im sogenannten WebViewer kann man hier aufrufen.  

Ein Screenshot aus dem „Webviewer“. Gezeigt wird ein Ausschnitt aus Hebborn, links verläuft die Odenthaler Straße. Quelle: Rheinisch-Bergischer Kreis

Bei dem jetzt veröffentlichten 109-seitigen Bericht plus Kartenanhang (siehe Dokumentation unten) handelt es sich nur um einen ersten Baustein des geplanten Klimaschutzkonzeptes. Weitere Themenfelder (Land- und Forstwirtschaft, Gesundheit) sollen im Gesamtbericht Ende 2021 erscheinen. Aber auch der Teilbericht enthält eine Fülle an Analysen, Konzepten und möglichen Maßnahmen – sowohl für die Kommunen und den Kreis als auch für die Bürger:innen selbst.

Dokumentation

Weitere Informationen und die Starkregengefahrenkarten finden Sie auf der Website des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.