Mitten im Diepeschrather Wald, fast schon in Köln, steht ein Bär. Erschaffen an einem Tag aus einer sehr alten Eiche. Und gleichzeitig ein anregendes bürgerschaftliches Engagement.

Der farbige Herbst lädt mich zum Ausflug in den Wald ein. Hinter der Diepeschrather Mühle, vorbei an den Wisenten und dem Reiterhof, öffnet sich die Landschaft zu einer großen Weide. 

Am nordwestlichen Rand der Weide, keine 500 Meter von der Mühle entfernt, steht am Waldrand ein Bär. Ja, Sie haben richtig gelesen: Ein Bär. Gestiftet von einem Ehepaar aus unserer Stadt.

Statt einer Feier eine großzügige Spende 

Annette und Egon Schneider hatten hier einen schönen Ort für ihr geplantes bürgerschaftliches Engagement gefunden. Sie wollten zwei runde Geburtstage nicht aufwendig feiern, sondern mit den dafür ursprünglich vorgesehenen Euros etwas für die Stadt und ihre Mitmenschen tun und sich selbst auch beschenken: Hier am Waldrand sollten künftig zwei Bänke ihnen und anderen Spaziergängerinnen und Spaziergängern einen besonderen Platz zum Verweilen bieten. 

Dann stellte sich heraus, dass die dort stehende alte Eiche abgestorben war. Sie musste aus Sicherheitsgründen erst entfernt werden. Die Planung stoppte.

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Wer durch unsere Wälder wandert, erkennt in dieser Jahreszeit an der Blattrandnekrose und den vielen kahlen Ästen Bäume, die krank oder sogar schon abgestorben sind. 

Als Folge der klimatischen Veränderungen häufen sich Gefahren durch umstürzende Bäume. Große, alte und geschädigte haben die beiden letzten Dürrejahre nicht überlebt. 

StadtGrün (unser für Bäume zuständiges Amt) ist in den Gladbacher Wäldern unterwegs und beseitigt die Hindernisse auf den Wegen. Und auch die Bäume, die zwar noch stehen, aber Besucherinnen und Besuchern des Waldes wegen der wachsenden Zahl der Stürme gefährlich werden könnten. 

Die Spender konnten StadtGrün dafür gewinnen, den Stamm nicht komplett zu entfernen, sondern in zwei Metern Höhe abzusägen, damit der frühere Dünnwalder Förster und heutige Holzschnitzer Meinolf Zavelberg aus diesem Stamm einer geschätzt über 200 Jahre alten Eiche eine Tierskulptur formen konnte. 

Vom Stamm zur groben Form. Fotos: Meinolf Zavelberg

Viele von Ihnen werden die kleinen Holzskulpturen am Wildpark Dünnwald kennen. Sie stammen meist von Meinolf Zavelberg. Außerdem hatte er 2016 sieben Schnitzerkollegen in den Wildpark Dünnwald eingeladen und zusammen mit ihnen weitere Skulpturen geschaffen. Der Schnitzer hat das Kettensägen-Handwerk in Nordamerika kennen, schätzen und ausüben gelernt.

Meinolf Zavelberg und das Ergebnis nach sechs Stunden harter Arbeit

An einem Tag Anfang November hat der Forstwirtschaftsmeister im Ruhestand – finanziert durch das Spenderehepaar – diesen Bären geschaffen. 

Die Arbeiten des Schnitzers sind inzwischen an vielen Orten und auch im Internet zu sehen.

Das Werk ist vollendet, wenn es geflämmt und gebürstet ist. Damit wird verhindert, dass man sich beim Berühren an Splittern verletzen kann.

Die Spender 

Jetzt können links und rechts von „Bruno“ – diesen Namen hat er von den Spendern erhalten – die beiden gestifteten Bänke aufgestellt werden.

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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3 Kommentare

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  1. D A N K E für das bürgerschaftliche Engagement an das Ehepaar und den Künstler! D A N K E aber auch die Abteilung Stadtagrün, die ebenfalls ihren Teil beigetragen hat.

  2. Dass sich die Kunst des Kettensägenschnitzens seit einigen Jahren auch im Diepeschrather Wildpark etabliert, begeistert mich sehr. Ich kenne schon seit vielen Jahren wunderbar gearbeitete Holzskulpturen vom „Sauensäger“ bei Blockhausen im Osterzgebirge. Dort finden auch regelmäßig Kurse und Wettbewerbe statt. Interessenten empfehle ich einen Besuch auf gleichnamiger website.

  3. Eine fantastische Idee ,dass Bruno einen festen Platz hat. Freue mich ihn in Natura zu sehen. Kleiner Hinweis zu der Weg Beschreibung . Es handelt sich keines Wegs um Wisente. Es sind Hochlandrinder.