Der Test mit provisorischen Radstreifen auf der Buddestraße hat gezeigt, dass viele Autofahrer auf Nebenstraßen ausweichen. Die Anwohner der Montanusstraße wollen nicht hinnehmen, dass sich zehnmal mehr Autos durch ihre Straße wälzen.

Die Stadtverwaltung will sich am Dienstag im Ausschuss für strategische Stadtplanung und Mobilität grünes Licht für die dauerhafte Einrichtung von Radfahrstreifen auf der Buddestraße holen. Eine Maßnahme, die zwar im Mobilitätskonzept schon vor Jahren beschlossen worden war, bei einem Testversuch jetzt aber einige unerwünschte Konsequenzen zeigte.

Da den Radfahrern mehr Platz eingeräumt wird, verlieren die Autos Straßenraum, was zu langen Rückstaus führt. Darauf haben die Autofahrer:innen während der Testphase reagiert und sind auf Nebenstraßen ausgewichen. In der Montanusstraße hat er sich um 958 Prozent erhöht (siehe Dokumentation unten). Und das in einem verkehrsberuhigten Bereich.

Vorhersehbarer Effekt

Ein Effekt, den die Anwohner:innen schon im Juni 2020 vorhergesehen hatten. Daher hatten sie damals einen Brief an den Bürgermeister geschickt und darum gebeten, die möglichen Auswirkungen auf die umliegenden Straßen zu berücksichtigen.

Damals hatte der Beigeordnete Harald Flügge geantwortet. Er wies darauf hin, dass die Maßnahmen an der Buddestraße ja dazu dienten, mehr Verkehrsteilnehmer:innen zum Umstieg vom Auto auf das Rad zu bewegen – und davon würde langfristig auch die Montanusstraße profitieren.

Kurzfristig verfüge die Stadt über einige „verkehrslenkende Maßnahmen“, um einen unerwünschten Ausweichverkehr „zumindest auf ein Mindestmaß“ einzudämmen. Negative Effekt würden nach dem Test genauso berücksichtigt wie positive Effekte, versprach Flügge.

Darauf wollen die Anwohner jetzt zurückkommen, und hoffen noch auf Einsicht bei den politischen Entscheidungsträgern. Immerhin bei der FDP, einer der drei Partner in der Ampel-Koalition, regt sich ebenfalls Widerstand gegen die Pläne der Partei.

FDP sieht Diskussionsbedarf

Zum Verwaltungsvorschlag „Buddestrasse“ gebe es noch „erheblichen Diskussionsbedarf“, kommentierte FDP-Fraktionschef Jörg Krell einen Bericht im Bürgerportal. Die Pressemitteilung der Stadt habe auch ihn überrascht.

In den Kommentaren im Bürgerportal und auf Facebook (hier und hier) ist das Thema heiß umstritten. Zwar finden sich unter den Radfahrer:innen einige Befürworter der Radfahrstreifen auf der Buddestraße; aber in diesem Fall überwiegt auch in der Radler-Fraktion die Skepsis ob der Sinnhaftigkeit des Projektes.

Dokumention: Der Vorschlag der Stadtverwaltung

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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12 Kommentare

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  1. Und der Archetyp des Fahrradfahrers bzw. das, was sich die Ampel darunter vorstellt, kommt daher und meint: „Straße frei, jetzt komm ich!“ wobei die störenden Elemente immer die Autofahrer sind, oder wie?

    Warum muss es eine weitere Steigerungen von Verkehrsberuhigung geben, wenn eine Straße bereits Spielstraße ist und sie nur durch eklatant fehlerhafte Beurteilungen des Verkehrs – Buddestraße – zur durchrasten Auseichstrecke wird? Warum können nicht die Fahrräder dort fahren, warum sollen sie mit aller Gewalt auf der verkehrsreichen Buddetsraße fahren, was im Übrigen eine große Zahl von Farradfahrern hier und in Leserbriefen ebenso sieht? Was soll der Unsinn mit „unechter Einbahnstraße“, nur von der Graf-Adolf-Str. einzufahren, innerhalb der Staße „Zweirichtungsverkehr“ (auf 100 m Straße?)? So viele konplizierte Änderungen, nur weil Radfahrer auf die Buddestraße gezwungen werden sollen?

  2. 958% mehr Autoverkehr in der verkehrsberuhigten Montanusstraße und gleichzeitig auch noch weniger Radverkehr auf der Buddestraße selber. Eigentlich doch ein ziemlich eindeutiges Ergebnis: der Fahrradstreifen in dieser Form ist totaler Unsinn und das Experiment sollte beendet und die Idee eingestampft werden.
    Und was machen die Menschen in der Verwaltung? Augen zu und durch. Wozu eigentlich die Testphase, wenn das Ergebnis sowieso ignoriert wird? Dann hätte man sich wenigstens die doppelte Arbeit mit den erst gelben und später permanent markierten Streifen sparen können.

    Die öffentliche Hand: wenn Geld und Logik keine Rolle spielen müssen.
    Die Kölner Oper und BER lassen grüßen.

  3. Hallo „A.E.“, es tut zwar nichts zur Sache, aber ich bin durchaus persönlich betroffen, da ich regelmäßig durch die Buddestraße fahre bzw. fahren muss. Es geht darum, dass Alle (und dazu zählen auch Radfahrende) unversehrt von A nach B kommen. Dass Sie das als „Hobby“ bezeichnen, finde ich gelinde gesagt interessant.

    Der Durchgangs- bzw. „Schleichverkehr“ durch Wohngebiete ist vielerorts im Stadtgebiet ein Ärgernis, dem nicht leicht beizukommen ist. Wenn in bestimmten Straßen ständig „gerast“ wird, sollte es dort häufiger Geschwindigkeitsmessungen geben. Eine Einbahnstraße oder Abpollerung kommt in der Graf-Adolf-Straße sicherlich nicht in Frage, doch zumindest die Montanusstraße könnte durch Aufstellen des inexistenten ;-) Vz. 267 „Verbot der Einfahrt“ zur sog. „unechten Einbahnstraße“ werden: Innerhalb der Straße Zweirichtungsverkehr, von der Buddestraße darf jedoch nicht eingefahren werden.
    Wären in der Graf-Adolf-Straße mglw. „Berliner Kissen“ eine Lösung?

  4. Der Archetyp eines fordernden Autofahrers wohnt selbst gern verkehrsberuhigt, wobei im Wohngebiet immer nur die anderen rasen. Hier kann die Lösung nur die Durchsetzung der Geschwindigkeitslimits sein. Wenn diese wirklich mal ernsthaft erfolgen würde, würde sich das auch rumsprechen und der Spuk wäre vorbei.

    Selbstverständlich gibt es im Straßenverkehr ein Schild, welches in der Umgangssprache „Einfahrt verboten“ heißt.

  5. Vielen Dank, Herr Bürgermeister Stein, dass Sie Ihr Hobby und das von einer handvoll Mitstreiter über das Wohl der Bürger stellen… und liebe(r) U. Kleinert, Sie scheinen nicht betroffen zu sein, also bitte raushalten… Ich möchte jedenfalls nicht warten, bis wir hier das erste bedeutende Verkehrsunfallopfer zu beklagen haben. Denn neben dem extrem zunehmenden, ungesunden, lärmenden Durchgangsverkehr stellen wir vermehrt fest, dass das Rasen weiter zunimmt, trotz einer ausgewiesenen Höchstgeschwindigkeit von 30… Gruß von der Graf-Adolf-Str. (anscheinend +23 %, in den Ferien?)

  6. Sagen Sie mal, Herr Kleinert, sind Sie überhaupt noch im Thema? Ich fürchte, nicht, und vermute, Sie haben so manches nicht verstanden.

    In der Montanusstraße wurde nicht gemessen sondern gezählt.
    Das Schild „Einfahrt verboten“ gibt es im Straßenverjehr nicht.
    Mit „Kompromiss für alle“ sollte sich auch die Ampel angesprochen fühlen.
    Das „Ausweichen für . . . “ kann nicht Ernst genommen werden, auch von Ihnen nicht!

  7. Der Verkehr durch die Wohnstraßen hat ohne Frage zugenommen – aber die Zahl „+958%“ für die Montanusstraße kann offensichtlich nicht stimmen; da hat wohl das Messgerät versagt. Sollte der Durchgangsverkehr dort tatsächlich überhand nehmen, gibt es eine einfache Lösung: Ein Schild „Einfahrt verboten“ an der Ecke Buddestraße/ Montanusstraße. Auch sonst gilt: Wenn Alle die Bereitschaft zum Kompromiss mitbringen, lässt sich ein solcher durchaus finden.

    Feuerwehr und Rettungswagen sind (auch hier wieder) das denkbar schlechteste Argument „gegen“ Radfahrstreifen oder Fahrradstraßen, da Radfahrer:innen die Fahrbahn innerhalb weniger Sekunden freimachen können – Autos schaffen das eher selten.

  8. Ich habe während der ganzen Testzeit zu verschiedenen Tageszeiten nur drei Radfahrer auf dem Radler gesehen. Es kann sich eigentlich nur um einen schlechten Scherz handeln. Sollen die Autofahrer lieber 30 km mit dem Rad fahren, um nicht an dieser Stelle im Stau zu stehen?

  9. Und was ist mit den bergab fahrenden Radfahrern, die nie in welchen Kommentaren außer meinen vorkommen? Ist da das Ausweichen für Rettungs- oder Feuerwehr- oder polizeufahrzeuge auch so unheimlich einfach? Soll ausgerechnet die Buddestraße nur bergauf genutzt werden, damit die Radfahrer „zum Busbahnhof kommen“, was ohnehin auf RAdwegen nicht möglich ist? Verkehrte Welt!

  10. Liebe Brigitte Scala,
    man kann über den Radwegversuch an der Buddestraße ja viel diskutieren, aber ausgerechnet das Ausweichen für Einsatzfahrzeuge ist nach meiner Einschätzung nun wirklich einfacher (sicherer) geworden. Statt zweispurig steht der Stau einspurig plus Fahrradstreifen. Letzterer muss und darf benutzt werden, um Platz für Einsatzfahrzeuge zu machen.

  11. Zwei mal muss ich in der Woche von Bensberg nach Bergisch Gladbach und über die Kreuzung Buddestr/ Kölnerstr.
    Oft mache ich mir Gedanken im Stau wohin ich wohl ausweichen könnte , wenn Feuerwehr und Rettungswagen einen Blaulichteinsatz haben . Und wie lang es dann dauert bis sich alle , auch die vielen LKWs , sortiert haben um Platz zu machen .
    War das zuständige Planerteam aus Dortmund in den letzten 3 Monaten mal vor Ort? Gezählt wurde elektronisch im Juni während der Feiertage mit Brückentagen und im August als noch Sommerferien waren . Das verfälscht das wirkliche Verkehrsaufkommen .
    Die Stadt muss doch sparen wegen der Rückkehr ab 2023 ins Haushaltssicherungskonzept.So wäre es sinnvoll das Radwegprojekt auf Eis zu legen bis bessere Ideen entwickelt werden oder es ganz zu verwerfen .
    Muss denn immer alles mit aller Macht durchgedrückt werden, damit Minderheiten zufrieden gestellt werden , obwohl die negativen Argumente überwiegen ?

  12. Zunächst einmal ist es verwirrend, über den Versuch Buddestraße von „unerwünschten Konsequenzen“ zu schreiben. Der Versuch ist kläglich gescheitert, etwas anderes können nur wirklich Ahnungslose behaupten. Und wenn selbst die Radfahrgemeinde überwiegend gegen das votiert, was die Stadt nun machen will, hat sich der versuch der Ampel ins Gegenteil verkehrt.

    Die Anwohner der Montanusstraße hatten gebeten darauf zu achten, dass sich nicht Lawinen von Autos durch ihre Straße wälzen, wenn die Buddestraße zur halben Fahrradstraße wird. Die Antwort Herrn Flügges passt genau zu dessen Ausführungen während der Entstehung des Flächennutzungsplans: Kaum bürgerbezogen, in der Sache wenig intelligent, im Übrigen lästig.

    Ein Ampelmitglied scheint nun durch die gewaltige Gegenwehr der Bevölkerung einsichtig geworden zu sein. Weiter so, FDP, auch an anderen Stellen kümmert die anderen Parteien kaum, was sie einst versprachen.