Der Sitz der Belkaw an der Hermann-Löns-Sraße. Foto: Thomas Merkenich

Liebe Leserin, lieber Leser,

2021 war ein hartes Jahr. Ein Jahr, in dem wir Sie schnell und zuverlässig informiert haben. Zu Corona, zur Lokalpolitik und zu anderen wichtigen Themen. 

Ein Jahr, in dem wir Sie unterhalten haben, mit dem #Kulturkurier, großen Geschichten, eindrucksvollen Panoramatouren, Serien und tollen Fotos.

Ein Jahr, in dem wir uns für die lokale Kultur, für die Gastronomie sowie den Handel eingesetzt und immer wieder klar Position bezogen haben.

Damit wir 2022 auf diesem Niveau und einem stabilen Fundament weitermachen können, haben wir ein Anliegen:

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit. Den Betrag können Sie frei wählen, ab 5 Euro im Monat. 

Regional einkaufen ist angesagt, bei Gemüse oder Weihnachtsgeschenken. Dem Trend folgt die Belkaw mit ihrem Stromtarif: Wer „RegionalStrom“ beziehe, erhalte „100 % grünen Strom aus erneuerbaren Energien direkt aus unserer Region“, gestalte mit der Belkaw „die Energiewende vor Ort“ und setze sich „für die regionale Wertschöpfung ein“. Klingt gut. Aber hält das Produkt diese Versprechen?

Zunächst einmal: Regionalstrom ist keine Erfindung der Belkaw. Der Tarif beruht auf dem Konzept der Regionalnachweise, das es seit Anfang 2019 gibt und das von Energieversorgern in ganz Deutschland benutzt werden kann.

Als Journalistin, aber zugleich auch als klimabewusste Verbraucherin, nehme ich dieses Konzept am Beispiel der Belkaw unter die Lupe und schaue mir in einem Faktencheck an, ob das Bergisch Gladbacher Unternehmen auf seiner Produkt-Webseite und in der weit verbreiteten Werbung für den Regionalstrom-Tarif zu viel verspricht – oder nicht.

Foto: Screenshot belkaw.de

„Sauberer Strom aus regenerativen Quellen aus dem Bergischen und 50 km Umkreis“

belkaw.de/regionalstrom

Wo kommt der Regionalstrom tatsächlich her? Aktuell sind es drei Anlagen, die die Kund:innen mit Regionalstrom versorgen, wie ich auf Nachfrage bei der Belkaw erfahre:

  • ein mit Biogas betriebenes Blockheizkraftwerk in der Hermann-Löns-Straße in Bergisch Gladbach (Jahresarbeit: 1.455.000 kWh, versorgbare Haushalte: 490, Betreiber: Belkaw)
  • ein Blockheizkraftwerk, ebenfalls mit Biogas betrieben, neben dem Splash-Bad in Kürten (Jahresarbeit: 1.404.000 kWh, versorgbare Haushalte: 470, Betreiber: Rhein-Energie – Mutterkonzern der Belkaw)
  • eine kleine Solaranlage auf dem Dach einer Lagerhalle der Belkaw-Zentrale in Bergisch Gladbach (73.000 Kilowattstunden pro Jahr, versorgbare Haushalte: 25, Betreiber: Belkaw)

Auf der Webseite lese ich, dass somit Energie entstehe, wo sie gebraucht werde, nicht an weit entfernten Standorten. Und, sehr wohlklingend: „Mit Regionalstrom erhalten Sie und Ihr Zuhause 100% grünen Strom aus erneuerbaren Energien direkt aus unserer Region.“

Hintergrund: Die Belkaw ist der traditionelle regionale Versorger mit Strom, Gas und Wasser in Bergisch Gladbach, Burscheid, Kürten, Leichlingen, Lindlar und Odenthal. Hier beliefert sie noch etwa zwei Drittel der Haushalte. 2014 hatte die Stadt Bergisch Gladbach 49,9 Prozent der Anteile (zurück) gekauft, die Mehrheit hält das Kölner Unternehmen RheinEnergie, das auch große Teile der Betriebstätigkeit leistet.

„100 %“, „direkt aus unserer Region“ – das vermittelt mir den Eindruck, dass ich 100 Prozent Ökostrom nach Hause geliefert bekomme, der hier vor Ort erzeugt wurde.

Diesen Eindruck unterstreicht Lutz-Peter Eisenhut, Pressesprecher der Belkaw, mit einem schönen Bild: Wenn im Supermarkt die Äpfel aus der Region ausverkauft seien, kaufe er einfach welche aus Neuseeland dazu. Ein lokaler Bauer dagegen könne nur seine Äpfel aus der Region verkaufen. So sei es auch beim Regionalstrom.

Leider stimmt das Bild so nicht. Denn alle Menschen in Deutschland erhalten den gleichen Strom. Er kommt aus dem allgemeinen Netz – und da vermischt sich die Energie aus allen Erzeugungsanlagen. Der deutsche Strommix besteht im Durchschnitt zu rund 50 Prozent aus erneuerbaren Energien. Der Rest kommt aus Kernenergie und konventionellen Kraftwerken. Egal, ob man einen regulären Stromtarif, Öko- oder Regionalstrom gebucht hat. Im Einkaufskorb liegt also immer eine bunten Mischung von Äpfeln.

Daraus macht Eisenhut kein Geheimnis. Er sagt: Um Regionalstrom physisch in der Region auszuliefern, müsste ein eigenes Stromnetz geschaffen werden. Das wäre teuer und aufwendig.

Nur auf dem Papier regional

Regionalstrom ist also ein rein bilanzielles Produkt. Das heißt: Die vor Ort produzierte (grüne) Energie wird wie zuvor ins Netz eingespeist und den Kund:innen nur auf dem Papier zugewiesen. Und da kommen die sogenannten Regionalnachweise ins Spiel.

Diese führt die Belkaw in ihren Vorteilen auf – doch wer sich mit dem Thema nicht beschäftigt, dürfte darunter nicht viel verstehen. Daher hier kurz zum Hintergrund des Konzepts, das dem Belkaw-Tarif zugrunde liegt:

Ein Großteil der Anlagen, die in Deutschland erneuerbare Energien (EE) erzeugen, werden mit einer Marktprämie aus der EEG-Umlage gefördert. Das heißt, sie verkaufen ihren Strom an der zentralen Börse und erhalten zusätzlich die Differenz zur anlagenspezifischen Förderhöhe (mehr dazu gibt es zum Beispiel hier zu lesen). Deshalb dürfen sie ihren Strom nicht direkt als Grünstrom an Energieversorger wie die Belkaw verkaufen.

Das hatte viele Menschen in der Energiewirtschaft gestört. Daher hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ein Instrument entwickelt, mit dem man EEG-geförderten Strom trotzdem gesondert verkaufen kann: der Regionalnachweis.

Damit können Anlagenbetreiber ihrem Strom eine Art Etikett beifügen, das seine Herkunft bezeugt, und diesen regional vertreiben – im 50-Kilometer-Radius um die Verbraucher:innen. So können die Unternehmen zusätzlich Geld verdienen (wobei sich die Marktprämie leicht um 0,1 Cent pro Kilowattstunde reduziert).

Energieversorger wie die Belkaw lassen sich diese Regionalnachweise ausstellen und können damit im Nachhinein die Kilowattstunden, die ihre Kund:innen verbraucht haben, den Kilowattstunden zuordnen, die in ihren eigenen Anlagen erzeugt wurden.

Um es anhand des Apfel-Bilds zu erklären: Mit den Regionalnachweisen stellt die Belkaw sicher, dass sie nicht mehr Äpfel an ihre Regionalstrom-Kunden verkauft, als sie vor Ort geerntet hat. Im Obstkorb zu Hause haben die Kund:innen trotzdem Äpfel aus Deutschland und Neuseeland, Bio-Äpfel und solche aus konventioneller Produktion.

So sieht es das Konzept der Regionalnachweise vor. So ähnlich wird es auch bei Ökostrom-Tarifen gehandhabt. Das erscheint erst einmal merkwürdig, aber: Wichtiger als das, was zu Hause aus der Steckdose kommt, ist, dass der verbrauchte Strom in gleicher Menge grün und regional erzeugt wird.

Foto: Screenshot belkaw.de

Die Werbung suggeriert etwas anderes

Das könnte man ja durchaus erklären. Stattdessen suggeriert die Werbung jedoch, dass man als Regionalstrom-Kund:in 100 Prozent grünen Strom aus Anlagen um die Ecke nach Hause geliefert bekommt.

Nun kann man sich darauf berufen, dass die Vermischung des Stroms im Netz allgemein bekannt sei – doch das ist es keineswegs. Und dieser Annahme widerspricht auch die Belkaw spätestens mit folgender Frage in den FAQ:

„Muss ich in meinem Haushalt etwas umrüsten? Nein, für den Bezug von RegionalStrom müssen Sie keine Umstellungen oder technischen Änderungen vornehmen.“

Wer wissen möchte, ob er für den Bezug von Regionalstrom etwas umrüsten muss, glaubt ganz offensichtlich, dass er mit dem Tarif einen anderen Strom nach Hause erhält als zuvor. Die Antwort klärt den fiktiven Fragesteller nicht auf, sondern bestärkt ihn vielmehr in seinem Irrglaube – das ist laut Wettbewerbszentrale durchaus als suggestiv zu betrachten.

Auch auf visueller Ebene suggeriert die Belkaw sehr deutlich, dass der Regionalstrom aus ihren drei Anlagen direkt, ohne Umweg über das allgemeine Stromnetz, in die Haushalte der Kund:innen fließt:

Quelle: belkaw.de/regionalstrom

100% lokal – wenn ausreichend produziert wird

In ihren AGB schränkt die Belkaw zudem selbst die „100%“ ein. Da steht, etwas versteckt in den „Regelungen zur Regional-Option Strom“ unter „Leistungsbeschreibung“:

Mit Abschluss dieser Option wird die von Ihnen benötigte Strommenge in regionalen Erneuerbare-Energien-Erzeugungsanlagen produziert und aus diesen gedeckt. Sofern diese Erneuerbare-Energien-Erzeugungsanlagen aufgrund von Nichtverfügbarkeiten (z. B. witterungsbedingt) nicht ausreichend Strom produzieren, um den Bedarf zu decken, so wird die fehlende Strommenge durch Strommengen mit den gleichen Eigenschaften wie unsere anderen Ökostromprodukte (z. B. durch Ausstellung von Herkunftsnachweisen und Zertifizierung durch unabhängige Gutachter) gedeckt.“

Die Regionalnachweise für Ökostromprodukte werden unter anderem im europäischen Ausland zugekauft. Siehe die Grafik von oben. Also doch Äpfel aus Neuseeland beim lokalen Apfelbauern?

Eisenhut versichert, dass der Bedarf an Regionalstrom jederzeit gedeckt werden könne. Erstens produzierten Blockheizkraftwerke im Gegensatz zur (ohnehin sehr kleinen) Solaranlage rund um die Uhr Energie. Zweitens würden die drei Anlagen zusammen ausreichen, um rund 1000 Haushalte mit Regionalstrom zu beliefern. „Damit übersteigt das (ja noch sehr neue) Angebot derzeit die Nachfrage. Selbstverständlich arbeiten wir daran, weitere Anlagen zu integrieren,“ sagt der Belkaw-Sprecher.

Mein Fazit: Sauberer Strom aus der Region? Stimmt, aber nur auf dem Papier

„Unterstützung der Energiewende direkt vor Ort“ und „Förderung der regionalen, nachhaltigen Stromproduktion“

belkaw.de/regionalstrom

Mit diesen Schlagworten appelliert die Belkaw-Werbung an emotional besetzte Themen. Aber stimmen die Aussagen?

Christina Wallraf, Referentin Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale NRW, sagt: „Regionalstrom ist Strom, der sowieso schon da ist. Die Tarife ändern nichts daran, wie er erzeugt wird, und sie setzen auch keine Anreize für den Ausbau von erneuerbaren Erzeugungsanlagen. Einen Mehrwert für die Energiewende haben sie daher nicht.“

Zur Erinnerung: Nur Anlagen, die bereits eine Marktprämie über das EEG erhalten, können Regionalnachweise ausstellen. Pressesprecher Eisenhut erklärt dazu:

„Es ist richtig, dass beim RegionalStrom nicht zwingend neue, umweltfreundliche Erzeugungsanlagen zugebaut werden müssen (unsere PV-Anlage jedoch haben wir erst Anfang dieses Jahres in Betrieb genommen). Allerdings gehen wir davon aus, mit grünem RegionalStrom die Akzeptanz in der Bevölkerung für EE-Anlagen erhöhen zu können, weil damit ein relativ abstraktes Thema in der Nachbarschaft konkret wird. Und eine allgemein höhere Akzeptanz kann wiederum Genehmigungsprozesse erleichtern und Kommunen zur Freigabe von geeigneten Flächen motivieren. So dient RegionalStrom der Energiewende selbst dann, wenn aktuell keine neuen Anlagen zugebaut werden.“

Akzeptanz für die Energiewende vor Ort nennt auch das Umweltbundesamt als Hauptziel der Regionalnachweise. Laut einer Studie vom Karlsruher Institut für Technologie von August 2021 dürfte der Einfluss von Regionalstrom-Tarifen jedoch gering sein. Die Autor:innen vermuten „lediglich bei indifferenten Endkunden“ einen positiven Effekt auf die Akzeptanz, „jedoch nicht bei lokalen Widerständen“.

Beitrag zur Energiewende: Eher nicht

Und was wäre, wenn immer mehr Menschen in Bergisch Gladbach Regionalstrom buchen würden: Müssten dann nicht doch irgendwann neue Anlagen gebaut werden? Könnte das nicht Investor:innen auf den Plan locken, den Markt in Bewegung bringen – und tatsächlich die Energiewende vorantreiben?

Theoretisch ja. Praktisch ist dieses Szenario leider weit weg. Die oben genannte Studie kommt zu dem Schluss, dass das Bedürfnis nach regionalen Stromtarifen in Deutschland eher gering sei. Vor allem, weil diese in der Regel mit einem Aufpreis verbunden seien.

Auch die Belkaw rechnet derzeit nicht mit mehr als 1000 Kund:innen. Selbst wenn die Nachfrage schlagartig steigen sollte, könnte das Unternehmen erst einmal Regionalnachweise von etlichen weiteren Anlagen in der Region dazu kaufen, die bereits im 50-Kilometer-Radius EEG-geförderten Strom erzeugen. Das lässt sich auf der Karte des Umweltbundesamtes sehen.

Es wird also schwierig, überhaupt an den Punkt zu kommen, wo mehr Anlagen benötigt werden.

Mein Fazit: Unterstützung der Energiewende und Förderung der regionalen Stromproduktion? Nein.

„Bezug von grünem Strom ohne Umwege (ohne zusätzliche Stromtrassen)“

belkaw.de/regionalstrom

Diese Aussage untermauert noch einmal den Eindruck, dass Regionalstrom direkt, „ohne Umwege“ (über das große Stromnetz) zu den Kund:innen im Bergischen fließt. Genauso der später folgende Satz „Dezentrale Erzeugung macht lange Leitungstrassen überflüssig“.

Wenn dem so wäre: Sollte man dann nicht weniger für den Regionalstrom bezahlen? Immerhin machen Netzentgelte rund 23 Prozent des Strompreises aus.

Doch wir wissen ja schon, dass das so nicht ganz stimmt. Belkaw-Sprecher Eisenhut klärt auf, was damit gemeint ist: Der Strom aus den bergischen Anlagen könne ins bereits bestehende Netz eingespeist werden, im Gegensatz zu Strom aus Offshore-Windparks, für die neue Stromtrassen gebaut werden müssten.

Das ist an sich nicht falsch. Aber das als Vorteil von Regionalstrom zu nennen, ist sehr um die Ecke gedacht. Es passt aber gut ins Bild eines dezentralen Strombezugs, direkt aus der Region in die Region.

Mit gutem Willen kann man hier hinzufügen, dass der Strom aus den Anlagen im Bergischen tatsächlich nicht unbedingt den Weg durch das ganze Stromnetz nimmt, wenn er vor Ort verbraucht wird. Das entlastet auf gewisse Weise das Netz.

Tatsächlich ist es aber wie bei einem See: Die Strommoleküle fließen an einer Stelle in den großen See hinein, direkt daneben werden sie wieder abgezapft. Sehr wahrscheinlich erhält man beim Abzapfen ein große Menge aus dem eben eingeleiteten Strom. Das gilt aber für alle, die den See an dieser Stelle anzapfen. Ob sie Regionalstrom, Öko- oder konventionellen Strom gebucht haben.

Mein Fazit: Grüner Strom ohne Umwege? Stimmt nicht.

„Verminderte CO2-Emissionen dank klimafreundlicher Prozesse“

belkaw.de/regionalstrom

Das Modewort der Stunde: klimafreundlich. Ein weiterer Appell an die Emotionen. Im Kopf entsteht ein Bild von Äpfeln, die, vor Ort gekauft, nicht transportiert werden müssen und so CO2-Emissionen verringern. Oder?

Auf Nachfrage sagt Eisenhut, dass sich dieser Vorteil auf Ökostrom generell beziehe. Zur Erinnerung: Die Stromerzeugung in den EEG-geförderten Anlagen im Bergischen ist natürlich sehr viel klimafreundlicher als die in konventionellen Kraftwerken. Dass sie nun Regionalnachweise verkaufen können, ändert aber nichts daran, wie viel Strom sie produzieren und wie viel CO2 sie damit einsparen.

Dieser Punkt ist also ebenfalls kein Vorteil dieses Stromtarifs. Er suggeriert jedoch, noch einmal, das Bild eines dezentralen Strombezugs.

Mein Fazit: Verminderte CO2-Emissionen? Stimmt nicht.

Warum kostet Regionalstrom mehr?

Als Zweipersonen-Haushalt mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 2400 Kilowattstunden pro Jahr soll ich für den Regionalstrom der Belkaw rund 72 Euro pro Monat bezahlen. Zum Vergleich: Für den Ökostrom wären es knapp 69,50 Euro, für den Basis-Tarif 69 Euro im Monat (Preise ab 1.1.2022).

Eisenhut erklärt, dass die Regionalnachweise beschafft werden müssten und dass die Abwicklung aufwendiger sei als bei anderem Öko-Strom. Wir haben beim Umweltbundesamt nachgefragt, welches Geld wohin geht:

Zunächst einmal gibt es die Kosten für das Regionalnachweis-System, also für die Registrierung und Kontoführung sowie für die Ausstellung, Übertragung und Entwertung jeder Kilowattstunde. Das sind allerdings kleine Beträge, alle transparent nachzulesen in der Herkunfts- und Regionalnachweisgebührenverordnung.

Hinzu kommen beim Energieversorger die Kosten und Aufwände, um das System einzurichten, das Produkt zu vertreiben und zu bewerben. Und (sofern die Belkaw in Zukunft weitere, externe Anlagen in ihr Portfolio aufnimmt) die Kosten für die Regionalnachweise selbst. Der Handel der Nachweise findet direkt zwischen den beteiligten Akteur:innen statt. Preise sind dem Umweltbundesamt daher nicht bekannt.

Inwieweit der Aufpreis für den Regionalstrom der Belkaw gerechtfertig sind, lässt sich also schlecht einschätzen. Grundsätzlich kann man aber bestätigen, dass dem Unternehmen mit dem Tarif Mehrkosten entstehen.

Fazit: Macht der Regionalstrom-Tarif Sinn?

Es ist grundsätzlich gut, wenn die Menge an Strom, die ich verbrauche, zeitgleich grün und regional erzeugt wird. Der Regionalstrom-Tarif ändert aber weder etwas an der Stromerzeugung noch an den CO2-Emissionen. Ein nachhaltiger Einfluss auf die Energiewende ist auch nicht zu erwarten.

Das liegt weniger an der Belkaw als am Konzept der Regionalnachweise selbst. Denn dabei geht es in erster Linie um die zusätzliche Vermarktung ohnehin vorhandenen Stroms aus EEG-Anlagen – und nicht um die Förderung des Ausbau erneuerbarer Erzeugungsanlagen.

Auch für die Belkaw dürfte der Regionalstrom-Tarif vor allem ein Marketingprodukt sein. Mit dem Trendthema Regionalität verspricht sich das Unternehmen vermutlich einen Image-Gewinn als heimatverbundene Energieversorgerin vor Ort. Umso saurer stößt mir als Verbraucherin die intransparente und suggestive Werbung auf.

Alles in allem komme ich zu dem Schluss: Der Regionalstrom-Tarif macht so, wie ihn die Belkaw anbietet, keinen Sinn.

Laura Geyer

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

12 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. @Herr Maus: die Energy Payback Time von PV-Anlagen in Deutschland beträgt 1-2 Jahre je nach Anlagentyp, siehe Climate Change 35/2021 des Umweltbundesamts (https://tinyurl.com/2wdy8pwy). Mit einer Anlagenlaufzeit von etwa 20-25 Jahren ergibt das einen Erntefaktor von 10-25. Was daran „lange dauern“ oder „erbärmlich“ sein soll, erschließt sich mir nicht.

    Die Stromgestehungskosten von Kohle und Gas liegen über denen von erneuerbaren Energien, siehe beispielsweise die Studie „Stromgestehungskosten erneuerbare Energien“ des Fraunhofer ISE von Juni 2021 (https://tinyurl.com/4cbcp8j3). Inklusive der Kosten für die notwendige Speicherinfrastruktur mag das zu konstanten Energiepreisen führen, aber sicherlich nicht zu „massiv steigenden“.

    Wie günstig und zuverlässig „Gas von Herrn Putin“ ist, sehen wir ja gerade eindrucksvoll.

  2. Guten Tag Frau Geyer,

    Ihr Bericht zeigt, dass der Strom- UND Erdgas-Kunde auch intensiver hinterfragen sollte, wie klimafreundlich die Energie angeliefert wird. Hier gäbe es noch einiges zu eruieren.
    Was leider bisher (aus welchen Gründen auch immer) von der EU- und der jetzigen Ampel-Regierung — aber auch von den vorigen CDU/SPD-Regierungen — sowie den Energie- Lieferanten unterschlagen wird:
    Klimagerecht ist Energie erst dann, wenn möglichst wenig CO2 in die Herstellung der Anlagen und Infrastruktur investiert werden muss. Das Maß dafür ist der „Erntefaktor“ der aussagt, wieviel Energie und/oder CO2 investiert werden muss, um dann Energie „ernten“ zu können. Das grüne Etikett alleine als „Erneuerbare“ führt dabei ggf. in die Irre, was politisch gewollt sein kann. Denn der Erntefaktor von Photovoltaik (PV) und Wind ist in Deutschland erbärmlich. D.h. die Energie zum Bau der Anlagen ist teuer sowie massiv CO2 belastet und es dauert lange bis auch die investierten CO2-Fußabdrücke (u.a.) der Anlagen oder Zuleitungen wieder kompensiert werden. Sinn machen beide Energieerzeugungen, was Kosten und CO2-Fußabrücke angeht, bei PV z.B. in Nordafrika und für Windanlagen in Chile.
    Niemand sollte sich daher wundern, wenn die Energiepreise in Deutschland ohne Subventionen oder Fördergelder massiv ansteigen.
    Kohle, Erdöl und Kernenergie waren die ausschlaggebende preisliche Konkurrenz für Herrn Putin. Jetzt richtet er sich mit seinem Erdgas, ohne dass es bei uns in Zukunft nicht mehr geht, nach unseren sog. „Erneuerbaren“. Wer will es ihm verdenken?!

    Diese Bedrouille wird noch härter zugreifen, wenn wir alle Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke abgeschaltet haben werden. Wir werden erst ca. 20% und später ca. 40% Strom zukaufen müssen. Auch alle Stromverkäufer der EU kennen unsere eigen-erzeugte missliche Lage. Und niemand soll später sagen, er hätte es nicht kommen sehen.

  3. Vielen Dank für diesen fundierten und verständlichen Artikel! Ich freue mich sehr, das Thema Energiewende auf lokaler Ebene so gut aufbereitet zu sehen. Wenn ich nicht schon Fördermitglied wäre, würde ich es spätestens jetzt.

    @Mehmet Schreiner: beim Thema Speicher stimme ich voll und ganz zu, beim Thema Kernenergie nicht. Das Fraunhofer Institut hat bereits 2012 in einer Studie vorgerechnet, wie es ohne Kohle und Kernenergie gehen kann. Kernenergie ist nicht nur mit größeren Risiken behaftet, sondern auch teuer. Die Energiewende ist natürlich eine große Herausforderung, aber machbar und meiner Meinung nach alternativlos.

  4. Ein gut recherchierter Artikel.

    Aber zwei Dinge bleiben.

    Wenn die Bürger von Ernergieerzuegung und -Netz Ahnung hätten, hätte die EE-Lobby und die Grünen ein Problem.

    Ohne Speicher wird eine Energiewende nicht funktionieren.
    Es wird nur die Kombination aus Kernenergie und EE bleiben.

    Man betrachte bitte den nächtlichen Strommix auf http://www.electricitymap.org

    Nebenbei:
    Diese Woche hat der Bundestag sich dagegen entschieden, 10% des CO2 Ausstoßes in Deutschland einzusparen. Der Ampel und CDU geht es also mitnichten um den Klimaschutz, sondern nur um Ideologie.

  5. Laura Geyer, Danke für diese umfangreiche und aufschlussreiche journalistische Leistung. Eine Frage hätte ich aber noch: Wo wird das Biogas für die beiden Blockheizkraftwerke erzeugt, also die eigentliche Energiequelle und wieviele Haushalte werden von diesen Blockheizkraftwerken mit Wärme versorgt ?

  6. Hallo Laura Geyer, da haben Sie einen richtig gut recherchierten Beitrag geschrieben. Ich stimme der Meinung von Christian Metten absolut zu.

    Die Kritik am Regionalstrom der BELKAW bringt das Dilemma des „grün gewaschenen“ Graustroms auf den Punkt, stammt doch ein großer Teil des von der BELKAW bezogenen Stroms (von der RheinEnergie Trading AG) aus „schmutziger“ Braunkohleverstromung.

    Der „Rheinland-Appell 2021“, unterzeichnet von 22 rheinisch-bergischen Klimagruppen, zeigt es deutlich auf. Die BELKAW liegt mit 7% Ökostrom auf dem vorletzten Platz von 17 Stadtwerken im Rheinland. Da ist noch viel Luft nach oben.

    Es geht auch anders, wie die EWS (ElektrizitätsWerke Schönau) oder naturstrom zeigen. Durch einen zusätzlichen „Sonnencent“, enthalten im Strompreis, wird der weitere Ausbau von EE-Anlagen gefördert.

    Die BELKAW könnte sich auch das Geschäftsmodell der WSW (Wuppertaler Stadtwerke) anschauen, wo Solar-, Biogas-, Wasser- und Windenergie regional erzeugt werden. Na, klar, da kommt dann wieder der „graue Strom-See“ und das eine Netz.

    Als Bürger können wir die BELKAW ermutigen, nach dem ersten Schritt „Regional-Strom“ nun rasch die nächsten Schritte folgen zu lassen. Die EE-Anlagen in der Region mit einer hohen bürgerschaftlichen Beteiligung massiv zu fördern und auszubauen, mit dem Ziel, ab 2022 nur noch 100% Ökostrom an die Kunden zu liefern. Dann wäre „Regional-Strom“ glaubwürdiger und im Obstkorb lägen dann wirklich nur regionale Äpfel.

  7. Der Apfelvergleich hinkt leider etwas. Tatsächlich ist es eher so wie bei einem See, in den einige große Flüsse und viele kleine Bäche ihr Wasser einleiten und aus dem gleichzeitig eine ungleich größere Zahl von kleinen Bächen abgehen.

    Verteilt sich das Wasser im See gleichmäßig? Natürlich nicht. Jeder abgehende Bach bekommt das Wasser immer aus dem nächsten Fluss, niemals aus einem weit entfernten.

    Genauso verhält sich der Strom. Der fließt immer auf dem kürzesten Weg vom Kraftwerk zum Verbraucher.

    So wird z. B. der Strom aus meiner privaten Photovoltaikanlage (PVA) in meinem Haus verbraucht. Erzeugt diese im Sommer mehr als ich verbrauche, fließt der Strom zum Nachbarn.

    Die Kunden der Belkaw beziehen ihren Strom also physikalisch aus den vielen kleinen Kraftwerken vor Ort (PVA, Blockheizkraftwerke, Wasserkraftwerke) und aus den am nächsten gelegenen großen Kraftwerken – das sind die Heizkraftwerke der RheinEnergie in Köln und die Braunkohlekraftwerke der RWE westlich von Köln.

    Für jeden Verbraucher entsteht eine individuelle Mischung.

    Der Regionalstrom der Belkaw ist ein gutes Modell. Richtig gut funktionieren würde es, wenn möglichst viele PVA ihren Strom vertraglich an die Belkaw liefern würden – darum sollt die Belkaw sich bemühen.

    Und jeder sollte sich eine PVA anschaffen – das ist der schnellste Weg zum grünen Strom.

  8. Hallo Frau Geyer, vielen Dank für diesen sehr gut aufbereiteten Artikel! Für mich persönlich ist das Greenwashing. Schade! Die Belkaw verpasst hier eine Riesenchance aktiver Treiber der notwendigen Veränderungen zu sein. Es gibt so viele Potenziale in der Region allein Dächer mit Photovoltaikanlagen auszustatten. Dies könnte z.B. vom regionalen Versorger proaktiv unterstützt werden – durch Expertise, Zuschüsse oder sogar Direktinvestitionen, um Bürgern/ oder der Stadt die Anlagen zu vermieten. Dann könnte man diesen Werbeversprechen eher glauben. Glücklicherweise sind die Bürger cleverer als die alte Industrie denkt. Es gibt glaubwürdigere Ansätze von anderen Organisationen, um tatsächlich einen Beitrag zur Zukunft zu leisten. Ich selbst investiere aktuell und bin positiv überrascht, wie schnell Photovoltaik zu einem rentablen und sinnvollen Investment wird.

  9. Danke für den gut recherchierten Beitrag!
    Die letzten Absätze bringen es auf den Punkt: Es geht letztlich (nur) um Kund:innenbindung mit dem „Regionalgefühl“.
    Statt solcher Marketing-Gimmicks sollte die Belkaw lieber in neue(!) EE-Anlagen investieren – sehr gerne in der Region, sonst eben anderswo. Dann käme sie für mich auch als Stromversorger in Frage.

  10. Hallo Frau Geyer,
    viel zu lesen, sagen vielleicht die einen.
    Ich sage, viel recherchiert.
    Vielen Dank für die viele Arbeit.
    Je weiter ich in den Artikel reingelesen habe, es wurde nur interessanter.

    Meist gibt es vor Ort aber keine solchen Angebote, wie von Ihnen am Beispiel der BELKAW geschildert.
    Beim Zertifikatekauf z. B. in Norwegen (alte Wasserkraftwerke in Nord-Norwegen) verschiebt die BELKAW hiesigen „Schmutz“ auf dem Papier dorthin. (siehe Bild zu „Herkömmlicher Ökostrom“ oben im Artikel)

    Der BdE (Bund der Energieverbraucher) rät Interessierten dazu, sich einen Anbieter zu suchen, der die Gewinnspanne auch wieder in EE-Anlagen (EE=erneuerbare Energie) reinvestiert und damit dieses Angebot vergrößert.

    Falls die BELKAW entsprechendes unterläßt/ändert, ändert das auch Ihre Haltung?
    Anders Gefragt: Was muß oder sollte die BELKAW Ihrer Meinung nach ändern, daß dabei Regionalstrom mehr „Sinn“ macht?

    Oder muß man zusätzlich noch Geduld haben? Autos mit der „E“-Erweiterung im Kennzeichen sind ja auch noch nicht ausschließlich „E“-lektrisch.

  11. Guten Abend, und wie régional ist das Biogas ? Vielleicht ja von einer alten Deponie, dann wäre es noch für etwas nützlich oder doch aus Mais
    monokulturen in Niedersachsen, BW, MV oder?? Vielleicht sogar aus Lohmar?. Dann wäre es noch regional aber Monokulturell