Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden: Während Kati vegan oder vegetarisch isst landet bei Friedhelm auch mal ein ganzes Tier im Bräter. Für #MeinLeibgericht haben sich die beiden geeinigt: Gemeinsam bereiten sie ein veganes Chili zu. Dabei wandern jedoch Zutaten in den Eintopf, die man eher von Desserts kennt. Es ist eine ungewöhnliche Rezeptur, aus der die beiden einen warmwürzigen Gaumenschmaus zaubern.

Kati schnippelt und lacht: „Eigentlich ist Friedhelm der bessere Koch von uns beiden. Ich mache die schnelle vegetarische oder vegane Küche. Er kocht wenn wir Gäste haben.“ Dann könne es auch gerne Fleisch sein – je nach Vorliebe der Gäste.

Foto: Thomas Merkenich

Von draussen dringt Vogelgezwitscher in die kleine gemütliche Küche in der Gronauer Waldsiedlung. Chilischoten und Knoblauchzehen verwandeln sich unter Katis Händen ruckzuck in fein gewürfelte Stückchen. Der Duft von gebratenen Zwiebeln liegt in der Luft.

Friedhelm hantiert derweil an der Espresso-Maschine – sie wird eine wichtige Zutat für den Eintopf liefern. 

Klassiker mit Schokolade und Espresso!

Chili con Carne kennt jeder. Das Gericht mit Hackfleisch ist ein Dauerbrenner in Bistros und heimischen Küchen. In der Variante von Kati und Friedhelm kommt es indes vegan daher (sin carne = ohne Fleisch). 

Das Rezept stammt aus dem Web, mit außergewöhnlichen Zutaten: Bei Kokosblütenzucker, gemahlener Vanille und Zimt denkt man eher an ein Dessert als an einen herzhaften Hauptgang. Das gilt auch für die vegane Schokolade und den Espresso, die noch in das Chili wandern werden.

Foto: Thomas Merkenich

„Wir kochen das Gericht gerne bei Parties, statt einer Suppe“, erzählt Yogalehrerin Kati, während sie Knoblauch, Chili und Paprika zu den geschmorten Zwiebeln gibt und alles anschwitzen lässt.

Der Bauch bestimmt

Die Zutaten besorgen die beiden meist im Bio-Laden um die Ecke, oder auch mal in einem Supermarkt. „Es sollte jedoch möglichst Bio-Ware sein“, betont Friedhelm. 

Groß geplant werden die Einkäufe in der Regel nicht. Der Bauch schreibt den Einkaufszettel, je nach Lust und Laune. „Meist kaufe ich jeden zweiten Tag ein. Mittlerweile erkenne ich bei manchen Kassiererinnen an der Gesichtsfarbe, ob sie gut gelaunt sind“, schmunzelt Friedhelm, der sich seit Beginn der Pandemie um den Haushalt kümmert. 

Frisch gebrühter Bio-Espresso

Kati rührt im Chili, das mittlerweile schon ordentlich eingekocht ist. Schokolade und Gewürze haben sich zu einer sämigen Konsistenz verbunden. Es duftet ein wenig orientalisch. Der Espresso könne so langsam dazu, ruft sie ihre Bestellung Barista Friedhelm zu.

Der lässt umgehend die Kaffeemühle aufheulen. 100 Prozent Arabica verwandeln sich in frisches Kaffeemehl, das sofort im Siebträger landet und zu einem kräftigen Espresso mit feinporiger Crema extrahiert wird.

Auch beim Kaffee legen die beiden Wert auf Bio-Qualität. Zudem sollte es Fairtrade-Ware sein, damit die Kaffeebauern einen angemessenen Preis für ihre Ware erhalten.

„Bio-Kaffee ist ein Mitbringsel, über das sich Friedhelm besonders freut“, verrät Kati. Friedhelm erzählt von einem alten Kollegen, der von seinen Arbeitsreisen Rohkaffee mitbrachte und zuhause selbst röstete. „Da lernte ich, wie unterschiedlich Kaffee tatsächlich schmecken kann.“

Gemütlich, herzlich, einladend

Ob er sich damals schon hat träumen lassen dass Espresso mal eine Zutat für ein Chili sein könnte? Jedenfalls wandert sein frisch gebrühter kleiner Schwarzer in den Eintopf, und der wiederum auf dem gemütlich gedeckten Tisch.

Das Haus ist herzerfrischend untrendig eingerichtet. Mit alten, schön aufgearbeiteten Möbeln. Viel Holz ist dabei. Das spiegelt sich auch in der schlichten und umso herzlicheren Tischdeko wider.

Altes Porzellan und betagtes Goldbesteck fügen sich mit Baumwollsets auf dem Holztisch zu einem gemütlichen Ensemble. Fast als wolle das Service von vielen leckeren, heiteren Mahlzeiten im Kreise guter Freunde berichten.

Foto: Thomas Merkenich

„sine“ ist mehr als „con“

„Wir sind gute Esser“, grinst Kati und verteilt das Chili sin Carne. Herzhaft und verführerisch duftet es aus dem Teller. Nuancen von Espresso steigen in die Nase, Röstaromen und Gewürze hängen in der Luft – spannende Kombinationen. 

Das vegane Chili mit Espresso, Schokolade und vielen anderen ungewohnten Gewürzen ist ein wunderbares Gericht. Warmwürzig, aromatisch, leicht scharf, mit Biss durch die Walnüsse und das nicht weichgesimmerte Gemüse. Die Kombination von Süßem und Herzhaftem geben der Kreation den Pepp. Man schmeckt jedem Löffel hinterher.

Foto: Thomas Merkenich

Chili sin carne – mit Schokolade und Espresso
2 Zwiebeln/Schalotten
3 Knoblauchzehen
1/2 Sellerie-Knolle
3 Möhren
1 kleine rote Chili-Schote
3 EL Olivenöl
1 EL Kokosblütenzucker/Rohrzucker
50g vegane Schokolade (80 Prozent Kakaoanteil)
2 Dosen passierte Tomaten, ca. 800g
1 Paprika gewürfelt
1 Dose Kidneybohnen, ca. 300g
1 Dose Mais, ca. 150g
100g Walnüsse
100 ml Espresso
2 Msp gemahlene Vanille
1 TL Kreuzkümmel
2 TL (Rauch) Paprika
1 TL Salz
1/2 TL Zimt
Pfeffer
Das Gemüse putzen und fein würfeln, die Walnüsse grob. Zwiebel und Knoblauch mit Öl im Topf anschwitzen, das Gemüse hinzu und schmoren lassen. Den Zucker dazugeben und karamellisieren.
Anschließend Paprika, Kidneybohnen, Mais, passierte Tomaten, die Schokolade und Gewürze hinzugeben, aufkochen und 30 bis 45 min dicklich einkochen lassen. Eventuell etwas Wasser hinzu.
Nach 20 bis 25 Minuten die Walnüsse dazugeben. Vor Ende der Kochzeit den Espresso dazugießen und umrühren. Abschmecken. Pur genießen, oder mit Baguette oder Reis servieren. 

Das Leibgericht von Kati und Friedhelm: Einfach in der Zubereitung, aber vollmundig und voller Überraschungen beim Genießen. „sine“ ist in dieser Variante weitaus mehr als „con“. Dieses Chili hat das Zeug, zu einem neuen Klassiker zu werden. 

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. 100% Arabica? Das wäre für einen Espresso keine gute Wahl, denn dann fehlte es dem Ergebnis an Körper und Crema. In eine gute Espresso-Mischung gehört schon auch ein ordentlicher Anteil Robusta.