Foto: Thomas Merkenich

In der Serie #MeinLeibgericht sind wir zu Gast bei Christel. Sie kocht ein kleines feines Menü mit herbstlichen Zutaten, bei dem eine köstliche Linsensuppe die Hauptrolle spielt. Und sie überrascht uns auch mit einer Mini-Ausstellung zum Thema Suppe. Kochen hat sie am heimischen Herd und in der Schule gelernt. Große Portionen bereitete sie später in ihrer WG zu, heute für den Kölschsingkreis der Freunde vom Stammdesch Ratteköpp.

„Deko ist nicht meine Stärke“, sagt Christel, die früher als Sozialarbeiterin gearbeitet hat und heute ihre Rente genießt, und zeigt auf den Tisch. Sie hat die Tafel mit Blumen und Gräsern aus dem Garten geschmückt. Es sieht gemütlich aus. Und passt zu dem Menü, das wir heute gemeinsam kochen.

Kleine Ausstellung rund um die Suppe

„Ich habe mir ein Herbstmenü überlegt, mit überbackenen Feigen als Vorspeise, einer Linsensuppe als Hauptgang sowie Äpfeln und karamelisierten Walnüssen auf Panna Cotta.“

Christel schwärmt von Suppe. Sie zeigt uns Bücher zum Thema, zum Beispiel einen Artikel des Schriftstellers Rafik Schami im Buch „Suppe für Syrien“. Ein afrikanischer Suppentopf aus Botswana, der auf offenem Feuer genutzt wird, steht zur Ansicht parat. Ebenso wie diverse alte und neue Kellen aus unterschiedlichen Ländern. Sie hat dies alles wunderbar drappiert, als Deko in der Küche.

An der Wand hängen Zitate zum Thema Suppe: „Eine Suppe ist etwas Elementares. Und sie ist immer von Nutzen, auch wenn die Welt um uns herum versagt“, von Anthony Bourdain, einem-US-amerikanischen „Die Liebe eines Mannes wird im Bett gewonnen und bei Tisch erhalten“, zitiert Christel lachend Madame Pompadour und kramt das Rezept einer Consommé hervor, mit der sie den französischen König Ludwig XIV. herumbekommen haben soll.

Von der Mutter liegt ein Kochbuch von 1933 parat, in altdeutscher Schrift gedruckt. Über 70 Suppenrezepte sind darin verzeichnet. „Mein Vater hat mir immer das Märchen von der Nagelsuppe vorgelesen.“

Etwas tröstendes

Wir schneiden das Wurzelgemüse klein, um die Rinderbrühe zuzubereiten. Dies wird die Basis der Linsensuppe. Knochen und Fleisch vom braunen Bio-Limousin- Rind wandern in den Topf, kaltes Wasser darüber, Kräuter und Gemüse.

Sowie seine halbe Zwiebel mit Haut, in der Eisenpfanne angeröstet. „Das bringt Farbe in die Brühe“, erklärt Christel. Das ganze wird jetzt zwei Stunden auf kleiner Flamme köcheln.

„Nicht zu stark erhitzen, sonst wird das Fleisch zäh. Und der Eiweißschaum bleibt drin, das klärt die Suppe!“ so Christels Tipps.

Für unsere Linsensuppe greift sie auf Brühe gleicher Machart aus dem Tiefkühler zurück. Das geht heute schneller. Dazu schmoren wir Wurzelgemüse im Topf glasig an, hinzu kommt die aufgetaute Brühe und kleine braune Berglinsen. Eine Fleischeinlage darf auch nicht fehlen. „Das Kassler hängt beim Metzger noch im Rauch, daher geben wir heute Wiener dazu.“

Es köchelt auf dem Herd, und Christel gerät ins Schwärmen. Suppe habe immer etwas tröstendes, für den Magen und die Seele. „Das tut einfach gut.“ Ihre kleine Ausstellung mit internationalen Rezepten und Suppenutensilien zeigt, dass dies ein internationales Thema ist. Suppe geht immer, rund um den Globus.

Kochen in der WG, Gyros bei den Grünen

Das Kochen habe sie sich von ihrer älteren Schwester abgeschaut, die zuhause nach den Tod der Mutter für die Mahlzeiten zuständig war. „Ich war Schlüsselkind, und wenn nichts vorgekocht war tat es auch mal eine Tütensuppe von Maggi.“

An der Volks- und Handelsschule gab es Kochen noch als Unterrichtsfach. Nach der Gründung einer WG ging das Kochen des Vier-Personen-Haushaltes reihum. „Nur mein damaliger Freund und heutiger Mann wurde nach einem Versuch am Herd vom Kochen befreit“, schildert Christel.

Vegetarisches Essen war damals, Ende der 1970er, noch kein Thema. Es gab Hausmannskost. „Mit dem Geld gab es nie Ärger, wir hatten eine Kasse, da zahlte jeder was ein und legte nach einem Einkauf die Quittungen dazu.“

Auch bei den Grünen, bei denen sie sich zur Zeit der ersten Ampelkoalition in Bergisch Gladbach engagiert hatte, war die fleischlose Ernährung noch kein Thema. „Montags war Fraktionssitzung, danach ging es auf ein Gyros und ein Kölsch zum Griechen, unten am Konrad-Adenauer-Platz.“

Heute bekocht sie gerne noch Gäste, und natürlich für ihre Kölner Freunde. Da geht die Einladung zum Essen immer reihum. Beim deftigen Schmaus und reichlich Kölsch und Wein wird über Gott und die Welt diskutiert, Geschichten auf Kölsche Mundart vorgetragen und, wenn dann noch Zeit bleibt, altes Kölsches Liedgut gesungen.

Foto: Thomas Merkenich

Feigen vorneweg

Während die Brühe die Küche mit einem wunderbaren Aroma anreichert, machen wir uns an die Vorspeise. Feigen werden in Scheiben geschnitten, darauf ein Blatt Basilikum, eine halbe Kugel vom kleinen Mozzarella, Pfeffer aus der Mühle und etwas Olivenöl.

Das wandert zum leichten Gratinieren in den Ofen, während Scheiben von Ciabatta in der Pfanne geröstet werden. Fix angerichtet auf dem Teller, wird es zusammen mit einem kleinen Sherry zu einem Gaumenschmaus. Feige und Basilikum entpuppt sich als eine tolle Kombination, perfekt abgerundet durch die Röstaromen des Brotes und dem Schmelz des Mozzarella.

Ein Glücklichmacher

Dann schöpft sie die Linsensuppe in tiefe Teller, kleine Spritzer landen auf dem Rand des Porzellans. „Dafür habe ich in der Schule immer Punktabzug bekommen. Das Servieren wurde da auch benotet.“ Was soll’s, zuhause musste es damals immer schnell gehen, da war für ein perfektes Arrangement auf dem Teller keine Zeit.

Foto: Thomas Merkenich

„Will jemand Maggi?“ fragt Christel belustigt in die Runde, wohlwissend welche genüssliche Wohltat sie auf den Teller gezaubert hat. Während draussen der Himmel immer grauer wird und der Herbst kalt durch die Hecken kriecht, schlürfen wir still und andächtig die wohltuende Linsensuppe. Würzig, fein abgeschmeckt, ein Glücklichmacher.

Die Panna Cotta, getoppt mit leicht in Zitrone und Zucker gekochten Äpfeln sowie karamellisierten Walnusskernen, bildet einen wunderbaren, saftig-süss-satten Schlussakkord. Mehr muss nicht sein.

Bitte keine Ersatzreligion

Früher habe man vor dem Essen noch gebetet. „Komm Herr Jesus, sei unser Gast…“ zitiert Christel, und uns fallen die restlichen Zeilen spontan wieder ein. Heute startet man meist weltlicher ins gemeinsame Essen.

Dafür wird heute aus der Nahrung oft eine Ersatzreligion gemacht. „Das ist ein Luxusproblem“, sagt Christel. Sie hatte früher nie viel Fleisch gegessen, vielleicht mal Sonntags. Suppe gab es immer vorneweg. Aber Spinat und Spiegelei oder Fisch mit Kartoffelsalat habe es auch mal getan. Dem hippen Getue um heutige Nahrung, dem kann sie nichts abgewinnen.

Foto: Thomas Merkenich

Ach ja, neben Suppen gehört Christels zweite Leidenschaft dem Spargel, „in allen Varianten.“ Während der Kuba-Krise gab es einen Aufruf, sich zuhause Vorräte anzulegen, erzählt sie. Ihr Vater nahm dosenweise Schweinefleisch, sie habe sich Spargel in Dosen gewünscht. „Und davon habe ich sogar das Wasser aus der Dose getrunken“, lacht sie.

Heute schüttelt es sie bei der Vorstellung von Spargelwasser aus der Dose. Dann doch lieber ein selbstgemachtes Spargelsüppchen vom frischen Spargel im Wonnemonat Mai. Spargelwasser aus der letzten Saison hat sie übrigens auch noch eingefroren, zum Verfeinern von Suppen aller Art.

Die Rezepte für das Herbstmenü

Christel hat uns die Rezepte des Menüs und für ihre Rindfleischbrühe zur Verfügung gestellt. Sie können Sie zum Nachkochen und Ausdrucken downloaden.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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