Dieses Partnerschaftsreise nach Runnymede bot ein ungewöhnliches Programm, ein verrücktes Theater eingeschlossen. Foto: Jörg Bärschneider

Die britische Queen feiert Jubiläum – und mitten drin eine Delegation aus Bergisch Gladbach, Die Bürgerreise der Städtepartnerschaft mit Runnymede erlebte ein Land im Ausnahmezustand.

Vier rauschhafte Tage lang feierte Großbritannien das 70. Thronjubiläum von Elisabeth II., überall drehten die Briten mit Big Jubilee Lunches, Picknick und Paraden auf. 16.000 Straßenfeste waren es allein im Vereinigten Königreich, Hunderte weitere im Commonwealth.

Vom Platin Jubilee der Königin Anfang Juni werden wir Reisende der Bürgerfahrt nach Runnymede noch lange zehren. Zumal wir im allgemeinen Trubel auch gleich als Ehrendelegation eingereiht wurden. In der ländlichen Partnerkommune westlich von London tauchten wir in ein Lebensgefühl ein, das einfach nur very british war: das Jubiläum der 96-jährigen Monarchin als landesweite Basisbewegung. 

Überraschungsgast am Flughafen Heathrow 

Vorbereitet hatten die Reise Norbert Brochhagen und Angela Behrend vom Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach-Runnymede. Kaum waren wir in Heathrow gelandet, wurden wir von Frank Stein begrüßt. Zusammen mit Behrend war der Bürgermeister bereits einen Tag früher auf die Insel geflogen, weil er zur Eröffnung der Pfingstkirmes am Wochenende vorzeitig zurück in die Heimat zurückreisen wollte. Trotz dichten Terminkalenders ließ sich Stein die Tour nach Runnymede jedoch nicht nehmen.

„Endlich unsere alte Partnerstadt in England kennenzulernen, ist mir ein großes Anliegen. Wir sollten froh über Bürgerkontakte aller Art über Grenzen hinweg sein und gerade in der heutigen Zeit alles dafür tun, sie weiter zu entwickeln.“  

Empfang im Rathaus von Runnymede. Foto: Angela Berend

Zwei Bürgermeisterinnen zum Empfang

Im Rathaus von Runnymede wurden wir von gleich zwei Bürgermeisterinnen begrüßt:  von Margaret Harnden, die dieses Amt seit Ende Mai bekleidet, und ihrer Vorgängerin Elaine Gill. Wir erfuhren, dass der Posten jährlich neu besetzt wird und hauptsächlich repräsentative Pflichten umfasst. Mit dabei war auch Verwaltungschef Paul Turrell.

Margaret Harnden, Frank Stein, Paul Turrell. Foto: Angela Behrend

Im Sitzungssaal des Gemeinderats entspann sich ein fachsimpelnder Austausch über die unterschiedlichen Rollen von Bürgermeister und Verwaltungschef in Großbritannien und Deutschland. Vor der Weiterfahrt versammelten wir uns vor dem Rathaus auf dem Magna-Platz, wo neuerdings eine Texttafel vor einer frisch gepflanzten Eberesche an die Partnerschaft mit Bergisch Gladbach erinnert. Eine schöne Geste, zeugt sie doch von der Wertschätzung für die in die 1960er-Jahre reichende Beziehung beider Kommunen.

 

Foto: Angela Behrend

Zwölf Bronzestühle auf der Büffelwiese

Vom Magna-Platz zur Magna-Carta-Wiese sind es dann nur ein paar Minuten. Wer hier zum ersten Mal ankommt, könnte sich fragen, was an dieser Büffel-Weide entlang der Themse so geschichtsträchtig ist. Die Antwort geben zwölf Bronze-Stühle, die als Installation namens „Die Juroren“ in der Landschaft stehen.

Genau hier sollen Englands mächtigste Fürsten ihrem König Johann Ohneland im Jahr 1215 die Unterwerfung unter das aufgeschriebene Gesetz abgetrotzt und damit die Anfänge des modernen Rechtsstaats begründet haben. 

Die Egham-Band, Herzstück der Partnerschaft

Ohne Dennis Brown wären wir ziemlich aufgeschmissen. Für Angela und Norbert ist er der wichtigste Ansprechpartner in Runnymede, er kennt alle und alles, was in der Stadt wichtig ist, ist die Ruhe selbst und unser ständiger Fahrer.

Vor allem aber managed er die Egham-Brassband. Dieses mehr als 160 Jahre alte Bläserensemble ist das Herzstück der Städtepartnerschaft und war schon oft im Rheinland, an der Strunde zuletzt 2019. Dennis chauffiert uns zum Vereinsheim der Band, wo uns die Musiker einen liebenswürdigen Empfang mit Musik, Büffet und Getränken bereiten. Großes Gesprächsthema ist der Gegenbesuch der Band zum Stadtfest im September. 

3.000 Leuchtfeuer für die Queen

Später am Abend erleben wir den landesweiten Auftakt der Thronfeierlichkeiten. Alles, was laufen kann, strömt zu einer erhöht gelegenen Lichtung im Wald zum geselligen „Lighting of Beacon“.

Margaret, wie die Bürgermeisterin überall angesprochen wird, merkt man ihre 82 Lebensjahre keine Sekunde an. In ein tiefrotes Samtgewand gehüllt und mit schwerer Amtskette um den Hals, ergreift sie das Mikrofon: „Wir haben immer Glück mit unserer Königin gehabt, vor allem auch in schweren Zeiten. Seien wir uns bewusst, dass wir ein so großes Jubiläum wahrscheinlich nie wieder feiern werden. Für mich gilt das auf jeden Fall.“

Pünktlich um 21.45 Uhr drückt sie auf den Knopf, der das meterhohe Leuchtfeuer neben ihr entzündet, eines von mehr als 3.000 im ganzen Land. Beifall brandet auf, untermalt vom Näseln eines Dudelsacks.

Foto: Jörg Bärschneider

Schrilles Theater, pummelige Corgys

Die kommenden zwei Tage sollen sich zum royalen Ausnahmezustand steigern. Für uns zunächst mit einem Volksfest in den Parkanlagen der Eliteschule TASIS im naheliegenden Thorpe: Kleinkinder und Großeltern mit aufgemalter Flagge auf der Wange, schrilles Theater, pummelige Corgys in Union-Jack-Ummantelung, fröhliches Porzellan-Zerdeppern.

Besucher des Volksfests, links Margaret Harnden. Foto: Jörg Bärschneider

Und über allem strahlt die Sonne, lädt die Menschen ein, es sich auf ihren Picknickdecken bequem zu machen. Höhepunkt ist das Konzert der Egham-Band mit zwei Dutzend Musikern. Dirigent Gareth Green erläutert das Programm: „Bekannte Stücke aus allen Landesteilen“. Am Ende erklingt Beethovens Europa-Hymne – ein Signal an versteckte Brexiteers? 

Foto: Jörg Bärschneider

Wie man sie kennt, die Briten 

So geht es am nächsten Tag in Windsor weiter. Mit dem Wechsel der königlichen Garde rund um das Schloss, das die Königin seit ihrer Corona-Isolation zu ihrem ständigen Zuhause gewählt hat. Auf dem „Long Walk“, einer schnurgerade gezogenen Allee im Park, promenieren Tausende Menschen an einer Oldtimer-Show vorbei und lassen sich vor der Bühne zum Konzert nieder. 

Bei patriotischen Klängen, mit wedelnden Fähnchen, ausgelassen und vereint. Letzteres nicht gerade selbstverständlich im sonst so aufgewühlten Land. Aber in diesen Tagen will einfach alles gelingen. Wobei die Briten ihrem Ruf gerecht werden, der Pathos-Falle durch eine allzeit stilsichere Prise Humor und Selbstironie zu entgehen. Auch die Egham-Band spielt auf – eine besondere Ehre in Hörweite der königlichen Gemächer.

Partnerschaft mit viel Musik

Am Abend vor der Abreise sorgen unsere britischen Gastgeber noch einmal für eine kleine Sensation. Die vormalige Bürgermeisterin Elaine und ihr Mann Harry haben uns, Margaret und einige Bandmitglieder zu einem Abschiedsbüffet in ihren Garten eingeladen.

Plötzlich hebt Dennis zu einer Ansprache an und ernennt Angela und Norbert zu Vizepräsidenten der Egham-Band. „Danke, dass Ihr uns in Eurer Gemeinschaft ein Zuhause gebt“, bringen beide ihre Freude über diesen unerwarteten Freundschaftsbeweis zum Ausdruck.

Foto: Jörg Bärschneider

Als uns Dennis am nächsten Tag zurück zum Flughafen fährt, hat niemand Zweifel: In dieser Partnerschaft ist viel Musik.   

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