Im Bereich bis zur Nikolausstraße sind bereits alle Bäume gefallen. Foto: Thomas Merkenich

Die Umgestaltung der Bensberger Einkaufsstraße stockt: Die Ausschreibungsfrist wäre eigentlich am Dienstag ausgelaufen, doch offenbar hat keine Baufirma ein Angebot für den Großauftrag abgegeben. Die Stadt verweist auf die Unsicherheiten in der Branche, passt die Bedingungen an und verlängert die Frist für die Schlossstraße.

„Aufgrund der nicht einzuschätzenden Weltwirtschaftslage und diversen Lieferengpässen ist die Abgabe eines Angebotes und das damit verbundene Risiko für Anbieter zu hoch“, teilt die Stadtverwaltung am Mittwoch knapp zwei Monate nach der Veröffentlichung der Ausschreibung schriftlich mit.

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Ob das heißt, dass tatsächlich kein Angebot im Rathaus eingegangen ist, lässt die Stadt auch auf Nachfrage offen.

Aktualisierung, 17.8.: Auf eine weitere Nachfrage hin präzisiert die Stadt heute ihre Angaben. Die Ausschreibung sei vor Auslaufen der Einreichungsfrist verlängert worden. Typischerweise gingen Angebote erst sehr kurz vor Ende der Frist ein, um möglich Änderungen noch berücksichtigen zu können. Die Anzahl der Angebote werde daher tatsächlich erst am letzten Tag der Frist bekannt. Immerhin hätten einige Firmen bei der Stadtverwaltung Interesse zu erkennen gegeben.

Dass in der aktuellen Lage, die von enormen Preissteigerungen, Personalknappheit und Lieferengpässen geprägt ist, sich kein Unternehmer darauf einlassen will, einen festen Preis und einen fixen Zeitplan zu nennen, leuchtet ein. Immerhin geht es um den Umbau der gesamten Schlossstraße in drei Abschnitten, mit einer Pflasterfläche von rund 15.000 Quadratmetern in Naturstein.

Daher will die Stadt jetzt den potenziellen Auftragnehmern ein Stück weit entgegen kommen. Mit einer längeren Angebotsfrist bis zum 30. August und zwei gewichtigen Änderungen:

Eine „Stoffpreisgleitklausel“ würde es dem Auftragnehmer ermöglichen, höhere Preise in Rechnung zu stellen, zudem soll eine „Anpassung von Ausführungsfristen“ ermöglicht werden. Beides aber nur für den Fall „höherer Gewalt“, wie etwa ein Krieg oder eine Naturkatastrophe.

Risiko verlagert sich auf die Stadt

Damit, das führt die Stadt weiter aus, wäre ein Auftragnehmer gegen Vertragsstrafen abgesichert, wenn er den vereinbarten Zeitplan nicht einhalten kann. Die höhere Kalkulationssicherheit der Anbieter, so die Hoffnung, könne sie nun doch noch zu einem Angebot verleiten.

Allerdings nimmt die Stadt das Kosten- und Zeitrisiko zu großen Teilen auf die eigenen Schultern.

Keinen Spielraum sieht die Verwaltung bei den Inhalten der Ausschreibung, die auf politische Beschlüsse zurückgehen: Die Ausführung in Naturstein sei gesetzt, ebenso die Vergabe aller drei Abschnitte in einem Zug.

Belkaw kündigt Bauarbeiten an

 „Die Belastung der Anlieger, Gewerbetreibenden und Einzelhändler wäre zu hoch, wenn die Arbeiten immer wieder unterbrochen würden“, sagt Harald Flügge. Er ist erster Beigeordneter und für Verkehrsflächen zuständig, habe sich in dieser Frage aber mit dem Verwaltungsvorstand abgestimmt.

Der Ärger bei den Einzelhändler:innen in Bensberg ist ohnehin spürbar. Nachdem sie bereits den Wegfall von Parkplätzen in der Schlossstraße hinnehmen mussten befürchten einige, dass der provisorisch ausgeführte und zum Teil missratene Bauabschnitt (Vorplatz der Schlossgalerie, Schlosstreppe sowie der Stadtplatz) zum Dauerzustand werden.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. BM Stein und seine Spezis sollen erstmal den völlig heruntergekommenen und desolaten Refrather Weg und die Dolmannstraße verkehrssicher sanieren. Gleiches gilt für dieeLaurentiusstraße. Er hält sich nicht an die alle zwei Jahre durchzuführenden Verkehrsschauen, ignoriert seine Verkehrssicherungspflicht als BM und lässt sich stattdessen als Möchtergernmacher feiern (Kirmes, Butscha, Schloßstraße).

  2. … und wenn uns jemand dann in 2026 oder später, nach hoffentlich Ende der Umgestaltungsmaßnahme, nach weiterer Erwärmung und Austrocknung unseres Kontinents wie auch unseres Stadtzentrums, fragen würde:

    Welche Rolle haben eigentlich Klimawandel und Klimanotstand in diesem Jahrhundert-Projekt gespielt?

    Dann würden wir sagen: Keine.

  3. Das Titelphoto des Beitrags ist treffend gewählt:
    Steingrau versiegelte Fläche um ein Baumgrab
    – Das Konzept der „Umgestaltung“ in einem Bild verdichtet.
    Wir schreiben das Jahr 2022, und man fragt sich unweigerlich:
    Was mag in den Köpfen der Verantwortlichen und Beteiligten vorgehen …?

  4. Die letzten Wochen haen es gezeigt: wir benötigen Schatten in der Innenstadt!
    30 Jahre alte Bäume zu entfernen um dann später mehr, aber kleinere Bäume nachzupflanzen ist wie Facharbeiter zu entlassen und dafür mehr junge, ungelernte einzustellen. Das funktioniert so nicht!
    Besonders unschön, daß die Bäume bereits zur Vorbereitung der Arbeiten Anfang des Jahres gefällt wurden um jjetzt zu verkünden, daß die Arbeiten frühestens nächstes Jahr begonnen werden können.

    In dem Zusammenhang Klmawandel und damit verbundenen Starkregen-Ereignissen, ist auch noch einmal der Gestaltungsrahmen erwähnenswert: wir bekommen in Bensberg 15.000 Quadratmeter in Naturstein in grau.
    Das soll an denBergbau in früheren Zeiten erinnern und an die bergische Grauwacke erinnern.
    Nicht nur, daß wir international auschreiben müssen und dann keine bergische Grauwacke bekommen, sondern auch dass wir erneut Flächen versiegeln, die dringend offen sein sollten, bzw. entsiegelt werden sollten.

    Grünflächen statt grauer-Versiegelung – gut für das Klima, das Mikroklima in der Innenstadt, das Auge und die Aufenthaltsqualität in Bensberg!

  5. Als Bürger fragt man sich, warum die Schloss Straße nicht direkt richtig gemacht wurde?