Seit mehr als einem Jahrzehnt planen Betreiber und Investor, die Einrichtung zur Suchttherapie in der historischen Wasserburg in Paffrath zu einer Klinik für Alkohol-Kranke zu erweitern. Inzwischen liegt ein Bauantrag für Haus Blegge vor, und auch der Gestaltungsbeirat hat ein positives Votum abgegeben.

Die Pläne zur Erweiterung der Wasserburg Haus Blegge um ein modernes Klinikgebäude reichen mehr als zehn Jahre zurück, nun nehmen sie wenigstens auf dem Papier Gestalt an. Im Rahmen einer Projektentwicklung sollen die denkmalgeschützte Burg und Vorburg saniert und auf der Obstwiese dahinter ein nach neuer Planung dreistöckiger Bau errichtet werden, teilt eine Sprecherin der Aachener Grundvermögen Kapitalgesellschaft auf Anfrage mit.

Betreiber der „Schlossparklinik“ in der uralten Ritterburg sind die Ordenswerke, ein Sozialunternehmen des katholischen Deutschen Ordens. In der fast 40 Jahre alten Klinik sind derzeit bis zu 30 Patient:innen untergebracht.

Hintergrund: Auf dem Gelände neben Haus Blegge befindet sich auch das Seniorenheim St. Raphael, das von den Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu geführt worden war. Die letzten Schwestern zogen 2020 ins Mutterhaus nach Hiltrup, schon 2016 übernahm die Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft (CBT).

Das weitläufige Areal zwischen Paffrather Straße und Schmidt-Blegge-Straße wirkt jenseits der modernen Pflegeheime mit seinem alten Baumbestand wie eine dörfliche Kulturlandschaft.

Bei der geplanten „Revitalisierung“ solle die Kapazität der Klinik nun auf 68 Plätze erhöht werden. Wenn der Neubau fertig ist sollen die bisherigen Patientenzimmer in Burg und Vorburg zu Behandlungs-, Therapie- und Verwaltungsräumen werden.

Ziel sei es, so die Sprecherin der Aachener Grund, „die Einzigartigkeit des Areals in Abwägung der ökologischen und ökonomischen Anforderungen möglichst zu erhalten“, erläutert die Sprecherin der Aachener Grund.

Die Vorburg lässt einen Sanierungsstau erkennen. Foto: Thomas Merkenich

Ein entsprechender Bauantrag sei im Februar bei der Stadt Bergisch Gladbach eingereicht worden, die Baugenehmigung aber formal noch nicht erteilt worden. Derzeit müssten noch einige „Formalien bezüglich der Einleitung von Regenwasser in Oberflächengewässer und einer möglichen Überflutungssituation“ geklärt werden.

Das Projekt war schon 2012 im Planungsausschuss der Stadt beraten und begrüßt worden, weil in die historische Substanz der barocken Wegeführung des Parks nicht eingegriffen werde – und weil die Therapieplätze in der Region dringend benötigt werden. Die Rahmenbedingungen waren 2015 in einem Bebauungsplan festgehalten worden.

Die aktuellen Pläne tauchen jetzt nur indirekt im Fachausschuss auf – in Form des Jahresberichts des Gestaltungsbeirats. Der befasst sich mit großen und/oder stadtbildprägenden Bauprojekten und stellt Haus Blegge in seinem Bericht für den Stadtentwicklungs- und Planungsausschuss am 23. August exemplarisch vor.

Das geplante winkelförmige Gebäude weise eine klare Formsprache ohne Differenzierungen auf und bilde damit keine Gegenposition zu den historischen Gebäude, urteilt der Beirat. Von den zwei Wegachsen, welche auf die Wasserburg zulaufen, würde eine vom Neubau teilweise überbaut.

Gegenüber den ursprünglichen Absichten sind die Pläne deutlich geändert worden: gesetzlich Vorschriften hätten dazu geführt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb einer Suchtklinik in einem zweistöckigen Gebäude auf dieser Grundfläche wirtschaftlich nicht machbar wäre, heißt es im Protokoll des Gestaltungsbeirats. Daher sehe der neue Bauantrag nun eine Höhe von drei Etagen vor – und geht damit über den B-Plan hinaus.

Nach dem Urteil des Gestaltungsbeirats wäre auf der Obstwiese auch ein solcher dreistöckiger Bau „vorstellbar“ und „städtebaulich vertretbar“, am besten in einer Holz-Hybridbauweise mit Dachbegrünung.

Eine Auffassung, die offenbar auch die Stadtverwaltung teilt. Ein Vertreter des Bauamtes, so das Protokoll des Gestaltungsbeirates, habe erklärt, dass die Bauvoranfrage rein rechtlich geprüft werde und „aus heutiger Sicht eine Befreiung als baurechtlich zulässig erscheint“.

Durch die durchgehende dreigeschossige Ausführung wirke das Gebäude auch insgesamt klarer und ruhiger. Zusätzlich regt der Beirat eine leicht aufgelöste, möglichst offene Architektur an. Wenn es die Nutzung zulasse, könnte über eine neue Wegeverbindung zwischen dem Areal und dem Paffrather Ortskern nachgedacht werden.

Wann das Bauprojekt gestartet werden könne, darüber wollen weder der Deutsche Orden noch die Aachener Grund eine Aussage treffen. Nach der noch ausstehenden Erteilung einer Baugenehmigung spiele auch die aktuelle Lage auf dem Baumarkt eine Rolle.


Eine Bitte der Redaktion: Wenn Sie den Park besuchen, beachten Sie bitte die Diskretionszone rund um die Suchtklinik in der Wasserburg und in der Vorburg.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Mir ist es ehrlich gesagt unverständlich, warum man in die direkte Umgebung der einzigen in Bergisch Gladbach vorhandenen Wasserburg einen Klinikneubau setzt!

    Der Denkmalpflegeplan der Stadt Bergisch Gladbach hebt den besonderen Stellenwert des Parkgeländes als regional bedeutsame Kulturlandschaft hervor. Im Denkmalpflegeplan sind auch die Ausmaße des dazugehörigen Parks dargestellt und hier stellt sich mir die Frage, wieso wird der Neubau in unmittelbarer Nähe zum Haupthaus in der Vorburg platziert? Das Gelände ist so riesig, dass hier bestimmt auch eine andere Lokalität zu finden gewesen wäre. Gerade die Seite zum Altenheim ist ja bereits stark bebaut, hier würde sich doch ein Neubau besser einfügen.

    Fakt ist, wenn der Neubau an der Stelle realisiert wird, ist das Jahrhunderte alte Erscheinungsbild der Wasserburg verloren und wird nie wieder revidiert. Ganz im Gegenteil, wenn dann zukünftig Erweiterungen geplant sind hat man als Bauherr alle Möglichkeiten offen.

    Es ist mir vollkommen fremd, wie in Bergisch Gladbach wieder einmal mit einem historischen Ensemble umgegangen wird. Wieso wird der Wert einer solchen Anlage seitens der Stadt nicht erkannt? Ich bin bis heute nicht in der Vorburg oder auf dem Gelände gewesen, da Privateigentum. Die Fotos von Thomas Merkenich sprechen aber Bände. Warum muss diese Kulturlandschaft mit einem kommerziellen Gebäude zerstört werden?