Christian Fischer, Frank Haag, Jörg Köhler, Klaus Orth, Frank Stein mit einem Bus, der bald nach Butscha fahren soll. Foto: Stadt GL

Was als Feuerwehr-Noteinsatz gestartet war, wird inzwischen von großen Teilen der Stadtgesellschaft getragen – die anhaltende Hilfe für die Partnerstadt in der Ukraine. Zehn Nahverkehrsbusse sind Ende Oktober in Butscha angekommen, ein 11. fährt bald mit dringend benötigten Gütern hinterher. Ein neuer Konvoi wird gerade geplant. Wie immer ist die Bethe-Stiftung mit an Bord. Und auch die Feuerwehr, aber in zivil.

Butscha, die Stadt vor den Toren von Kiew, war noch gar nicht offiziell Partnerstadt von Bergisch Gladbach, da war bereits der erste Hilfstransport aus Bergisch Gladbach auf dem Weg. Organisiert von Feuerwehrchef Jörg Köhler und seinem Team. Inzwischen wird der vierte Konvoi geplant, der Ende November oder Anfang Dezember u.a. die vom DRK gesammelte Winterkleidung in die Ukraine mitnehmen soll.

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Formal hat sich die Feuerwehr aus den Hilfsaktionen zurückgezogen, bei den Personen hat sich aber wenig verändert: Jörg Köhler und sein Stellvertreter Frank Haag haben gemeinsam mit Aktiven aus der Feuerwehr und der Stadtverwaltung den Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach – Butscha gegründet, der die Hilfen ehrenamtlich organisiert und durchführt.

Weitere Mitglieder der Feuerwehr wie Christian Fischer gehören nicht nur dem Beirat des Vereins an, sondern sorgen in ihrer Freizeit auch dafür, dass die Busse fit auf die Reise gehen.

75.000 Euro bislang von der Bethe-Stiftung

Dass es Leute aus den Rettungsdiensten sind, die sich so stark für Butscha engagieren, sei ein unschätzbarer Vorteil, sagt Klaus Ort, Kuratoriumsmitglied der Bethe-Stiftung jetzt bei einer Zwischenbilanz. Das gebe der Bevölkerung großes Vertrauen und bestärke die Spendenbereitschaft ungemein.

75.000 Euro hat die Stiftung von Roswitha und Erich Bethe bereits für die Butscha-Hilfe zur Verfügung gestellt, im Rahmen ihrer Verdopplungsaktionen, berichtet Orth. Insgesamt, rekapituliert Köhler, seien in Bergisch Gladbach bislang rund 250.000 Euro zusammen gekommen, darunter 56.000 Euro alleine von Schulen, die Sponsorenläufe organisiert hatten. Hinzu kommen viele Sachspenden, auch von Unternehmen.

Geld und Material werden dringend gebraucht, berichten Haag und Köhler. Die Hilfe könne, dank der vielen Kontakte und intensiver Vernetzung, immer zielgerichteter geleistet werden. Das zeigt das Beispiel der zehn alten Nahverkehrsbusse, die zum einen für den Wiederaufbau der Verbindung zwischen Butscha und Kiew notwendig sind . Sie sollen aber auch – falls das notwendig werden sollte – für Evakuierungen eingesetzt werden.

Spendenkonto
Stichwort: Hilfe für Butscha
Stadtverwaltung Bergisch Gladbach
IBAN: DE17370502990311584477
Bank: Kreissparkasse Köln

Ansprechpartner für Sachspenden: j.koehler@stadt-gl.de

Die Kleidersammlung des DRK läuft noch bis Samstag, 12.11. Weitere Infos dazu in diesem Beitrag.

Mit den Bussen hatten die Helfer viel Material nach Butscha gebracht. Von Baustoffen für die Sanierung der Dächer von Schulen und Kitas über Generatoren und Ladegeräten bis hin zu einer Starlink-Anlage, um den Internetempfang in Butscha zu sichern.

Auf der Facebook-Seite der Stadt Butscha ist zu sehen, wie die Dächer mit dem Material aus Deutschland jetzt repariert werden, in einem Video die Ankunft der Busse. Unter Hochdruck versucht die Stadt, die nach den traumatischen Erfahrungen der Besatzung durch russische Truppen nicht mehr Ziel von größeren Raketenangriffen war, ihre Infrastruktur wieder herzustellen.

„Die Lage ist immer noch sehr dynamisch, wir müssen immer wieder sehr schnell reagieren“, sagt Haag. Da sei es von einem riesigen Vorteil, einen Partner wie die Bethe-Stiftung an der Seite zu haben, freut sich Köhler. Weil die Stiftung die Gelder – wenn nötig – auch sehr kurzfristig und unbürokratisch auszahlt. Damit konnte der letzte Transport noch in letzter Minute gekaufte Festplatten und Server-Ersatzteile mitnehmen.

Vierter Konvoi in Vorbereitung

Noch im Dezember will der Verein einen vierten Konvoi auf den Weg bringen. Der sei zwar zunächst klein geplant worden, wachse aber nun schnell auf weitere drei Busse und mehrere Sattelzüge an, berichtet Köhler. Dann soll die Winterkleidung des DRK nach Butscha gebracht werden, aber auch viele andere dringend benötigte Dinge – wie zum Beispiel ein Ultraschallgeräte oder ein Kreißsaalbett.

Beim DRK ist inzwischen bereits einiges an Kleidungsspenden eingegangen, berichtet die Stadtverwaltung. Gebraucht werden jetzt vor allem warme Sachen für Männer: Handschuhe, Stiefel, Unterwäsche. Der Verein selbst ist gerade auf der Suche nach mindestens 100 Wintergarnituren für Arbeiter.

In dieser Anfangsphase bestehe die Partnerschaft mit Butscha noch zu großen Teilen aus Hilfsleistungen aus Bergisch Gladbach, sagt der Vereinsvorsitzende Frank Haag. Aber diese Partnerschaft werden zu einem normalen Austausch führen, auch wenn das noch eine ganze Zeit dauern könne.

„Ich bin sehr stolz auf die Spendenbereitschaft, das ehrenamtliche Wirken der Vereinsmitglieder und die große Unterstützung aus ganz Bergisch Gladbach“, resümierte Bürgermeister Frank Stein, der Schirmherr der Hilfsaktionen ist: „Das ist wirklich großartig!“

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Die Eheleute Bethe sind zu recht EHRENBÜRGER unserer Stadt. Großartige Hilfe von Stadt(verwaltung) und Feuerwehr !
    Ich erinnere auch daran, dass das Deutsche Rote Kreuz warme Winterkleidung für Butscha sammelt. (Telefon 02202-21685)
    Abgabe in der Jakobstrasse 105 am Donnerstag 10.11. 18-19 Uhr und Samstag 12.11. 9-10 Uhr ( intakte warme Kleidung sollen mit Zetteln versehen werden mit Vermerk Geschlecht und Größe)