Sozialdezernent Ragnar Migenda mit Bürgermeister Frank Stein bei der Wiedereröffnung der städtischen Unterkunft in Lückerath. Foto: Thomas Merkenich

Nach und nach erweitert die Stadt Bergisch Gladbach ihre Kapazitäten für die Unterbringung von Flüchtlingen, aus der Ukraine und anderen Ländern. Mit weiteren 45 Plätzen sind auf dem „Carpark“ in Lückerath jetzt alle noch verfügbaren Container wieder in Gebrauch. Daher denkt die Stadt über den Ankauf weiterer Container nach – und stellt sich auf eine längerfristige Unterbringung ein.

Der „Carpark“ war früher mal von der belgischen Armee genutzt worden und dann 2017 zur Unterkunft für bis zu 250 Flüchtlinge hergerichtet worden. Eigentlich sollte dort nun eine Kita gebaut werden – doch nach Russlands Angriff auf die Ukraine wurden die alten Container im März sehr schnell ertüchtigt, für 100 Flüchtlinge aus der Ukraine.

Diese Kapazität hat die Stadt nun um weitere 45 Plätze erweitert, teilt die Verwaltung mit. Damit wenigstens ein Teil der Menschen, die in der Notunterkunft „Hermann-Löns-Hallen“ in schlecht isolierten Kabinen leben. Dort sind derzeit noch 87 Menschen untergebracht.

„Es ist mehr als traurig, dass es nach so kurzer Zeit schon wieder einen Grund gibt, die Unterkünfte in Gebrauch nehmen zu müssen“, erklärt der für den Sozialbereich zuständige Verwaltungsvorstand Ragnar Migenda: „Nun wollen wir die Menschen, die zu uns kommen, aber würdig unterbringen. Das Lückerather Containerdorf ermöglicht uns, einer großen Zahl von Menschen eine sehr anständige erste Wohnsituation anbieten zu können.“

Ein Blick in die noch nicht eingerichteten Räume. Foto: Thomas Merkenich

Damit seien allerdings alle Container, die die Stadt in den Jahren nach 2016 in großer Zahl gekauft hatte, aufgebraucht. Ein Teil der Fertigelemente war bereits für die Interimsschulen am OHG, für die GGS Bensberg und das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium eingesetzt worden.

Daher prüfe der städtische Operative Stab (OpS) zur Unterbringung Geflüchteter neue Angebote für den Ankauf gebrauchter Container, die dem weiteren Ausbau des Standortes Lückerath dienen könnten. Darüber hinaus hat der Stadtrat bereits den Ankauf bzw. die Anmietung weiterer größerer Gebäude(-komplexe) beschlossen – doch bis die zur Verfügung stehen vergeht noch einige Zeit.

Bereits Mitte November waren rund 1200 Ukrainer:innen in Bergisch Gladbach registriert; hinzu kommen in den städtischen Unterkünften derzeit 669 Flüchtlinge anderer Nationen, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Angesichts des kalten Winters und der von Russland gezielt zerstörten Infrastruktur in der Ukraine ist mit einem weiteren Zuzug zu rechnen.

Turnhallen nur als „allerletztes Mittel“

„Notbehelfe wie zum Beispiel Turnhallen kommen aus Gründen der Menschlichkeit und wegen unserer Verantwortung für den städtischen Schul- und Sportbetrieb nur als allerletztes Mittel in Betracht,“ sagt Migenda.

Auch der Ausbau der Unterkünfte leidet unten den aktuellen Problemen auf dem Baumarkt. Der Ausbau in Lückerath habe sich von Mai bis November hingezogen und erheblich verzögert.

145 Menschen können in den Containern auf dem Carpark-Gelände wohnen. Foto: Thomas Merkenich

Pläne für Kita auf Eis

„Die Kolleginnen und Kollegen der Hochbauabteilung haben hier sehr zügig und flexibel reagiert“, sagt Kämmerer Thore Eggert als zuständiger Dezernent: „Ich bin froh, dass wir trotz Material- und Zeitproblemen so schnell fertig geworden sind. So müssen wir zunächst keine zusätzlichen Standorte finden.“

Die Pläne, auf dem Carpark-Gelände eine dringend benötigte Kita zu bauen, hat die Stadtverwaltung bislang noch nicht ad acta gelegt, sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Angesichts der Flüchtlingslage könne es jedoch im Moment nicht weiter verfolgt werden.

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Redaktion

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1 Kommentar

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  1. Dass wir Menschen in Not helfen dürfte selbstverständlich sein. Doch was hat das mit dem Bau notwendiger Kita-Plätze zu tun. Nachdem den Kindern der Bauplatz auf der Lena Wiese nicht gegönnt war, wurde diese Möglichkeit weit weg von der Bebauung zu gesprochen. Nun stehen keine Bienen im Weg, sondern der Krieg in der Ukraine. Der Bürgermeister scheint bei dieser Entwicklung keine Bauschmerzen zu bekommen.