Unter hohem Zeitdruck hat die Stadt Bergisch Gladbach die Wohncontainer auf dem Carpark-Gelände an der Gladbacher Straße saniert und neu angeschlossen; noch in dieser Woche sollen hier die ersten Menschen aus der Ukraine einziehen. Längerfristig – und dennoch vorübergehend, denn spätestens in zwei Jahren soll hier eine Kita gebaut werden.

Nach den Notunterkünften an der Saaler Mühle und in Hand hat die Stadtverwaltung jetzt eine größere Wohneinheit fertig gestellt, in der Flüchtlinge aus der Ukraine für längere Zeit leben können: Zwei Riegel der 2017 eingerichteten und nach drei Jahren geschlossenen Container-Anlage wurden jetzt in einer Hauruck-Aktion der städtischen Hochbauabteilung und einiger lokaler Firmen von Grund auf saniert und wieder an das Versorgungsnetz angeschlossen. Deutlich schneller, als ursprünglich geplant.

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In einer ersten Ausbaustufe können hier rund 110 Menschen untergebracht werden, berichtete Tanja Dieball aus der Hochbauabteilung der Stadt, die das Projekt leitet.

In den 10,5-Quadrameter großen Wohncontainern sollen in der Regel zwei Personen leben, für Familien können Einheiten zusammengelegt werden. Darüber hinaus gibt es in den wieder hergestellten 100 Containern Gemeinschaftsräume und Sanitäranlagen. In einem zweiten Schritt werden weitere 50 Container saniert.

Den Betrieb der Anlage übernimmt – wie bereits nach 2017 – ein Team des Deutschen Roten Kreuzes.

Hintergrund: 789 Flüchtlinge aus der Ukraine sind der Stadt derzeit in Bergisch Gladbach bekannt. Davon sind zwei Drittel privat untergebracht, ein Drittel durch die Stadtverwaltung. Neben den Notunterkünften Saaler Mühle und Hermann-Löns-Halle greift die Stadt dabei auch auf Wohnungen der RBS zurück. Hinzu gekommen sind 42 Plätze in der ehemaligen AM-Akademie am Bensberger Schloss, die die Versicherung Generali zur Verfügung gestellt hat. Darüber hinaus kümmert sich die Stadt um 730 Flüchtlinge aus anderen Ländern als der Ukraine.

Neue Ausnahmegenehmigung

Um die Anlage überhaupt wieder in Betrieb nehmen zu können hat die Stadt eine erneute baurechtliche Ausnahmegenehmigung für drei Jahre beantragt und erhalten. Laut Bebauungsplan ist das private Gelände für sportliche Nutzungen vorgesehen – und dabei bleibt es grundsätzlich auch, stellte Bürgermeister Frank Stein vor Ort klar.

Bürgermeister Frank Stein (l.). und Sozialdezernent Ragnar Migenda erläutern die Lage vor Ort. Foto: Thomas Merkenich

Im Gegensatz zu den Notunterkünften, erläuterte Sozialdezernent Ragnar Migenda, werden auf dem Carpark-Gelände die Menschen nicht nur provisorisch untergebracht – sondern solange, wie sie es wollten.

Also auch über Monate und womöglich Jahre hinweg, so wie die Lage es erfordere. Die Notunterkünfte mit derzeit 240 Plätzen sind dagegen nur für eine erst Aufnahme und Registrierung gedacht; von dort sollen die Menschen möglichst schnell in Familien, Wohnungen oder eben städtische Unterkünfte wie in Lückerath vermittelt werden.

Pläne für Kindergarten

Die neue Nutzung des Carpark-Geländes sei dennoch auf zwei Jahre begrenzt, erläutert Migenda. Die Vorarbeiten für den geplanten Bewegungskindergarten und weitere Sportanlagen laufen weiter, „in zwei Jahren rollen hier hoffentlich die Bagger an“, sagte der Sozialdezernent. Kita-Plätze werden in Lückerath dringend benötigt.

Priorität hat für die Stadt im Moment jedoch die Versorgung der Flüchtlinge. In Absprache mit dem Eigentümer und nach einer Information der Anwohner:innen habe sich die Stadt daher entschieden, das Gelände bis zum Baubeginn noch einmal für die Unterbringung der Flüchtlinge zu nutzen und die bereits in großen Teilen abgebaute Anlage wieder herzustellen.

Diese Aufgabe, berichten Stein und Migenda, seien die beteiligten Fachabteilung – die zum Beispiel mit dem Schulbau ohnehin mehr als genug zu tun hätten – zusätzlich und mit hohem Engagement angegangen. Projektleiterin Dieball lobt die Handerker und den Versorger Belkaw, die sofort reagiert hätten.

Insgesamt, so der Bürgermeister, habe die Stadtverwaltung mit allen ihren Abteilungen in dieser neuen Krisenlage in kurzer Zeit sehr viel geleistet. Nach wie vor gelte dabei die Maxime, dass kein Mensch, der Hilfe suche, aus Bergisch Gladbach weggeschickt werde.

70 Prozent der Menschen erfasst

Bei der Erfassung der Menschen aus der Ukraine für die Auszahlung von finanziellen Hilfeleistungen gebe es angesichts der hohen Zahl von Fällen zwar einen Rückstand, doch der werde jetzt mit weiterem Personal abgearbeitet. Alle Flüchtlinge, die über die Notunterkünfte verteilt werden, seien bereits erfasst; bei den Menschen, die privat untergebracht sind, seien es jetzt 40. Mit einer Gesamtquote von 70 Prozent arbeite die Verwaltung auch in diesem Bereich „sehr, sehr gut“, sagte der zuständige Dezernent Migenda.

Die Flüchtlingsinitiativen hatten berichtet, dass einigen Flüchtlingen und auch ihren Gastgeber:innen das Geld für Lebensmitteleinkäufe ausgehen, weil ihre Anmeldung noch nicht abgeschlossen worden ist. Ein kurzfristiger Spendenaufruf des Bürgerportals mit der Aktion Neue Nachbarn zur Überbrückung dieses vorübergehenden Engpasses stieß in der Zwischenzeit auf große Resonanz.

Einige der Gastgeber:innen hatten zudem erkennen müssen, eine längere Unterstützung der Flüchtlinge nicht leisten zu können. Auch diese Personen werden von der Stadt in Wohnungen oder städtische Unterkünfte vermittelt.

Bürgermeister Frank Stein. Foto: Thomas Merkenich

Wie lange die Flüchtlinge aus der Ukraine am Ende tatsächlich bleiben, sei vollkommen offen, sagt Bürgermeister Stein. Zwar wollten die meisten von ihnen so schnell wie möglich nach Hause zurück – aber die Fernsehbilder der zerbombten Städte in der Ukraine vermittelten eine andere Realität. Daher stelle sich die Stadt darauf ein, über einen langen Zeitraum hinweg Hilfe zu leisten.

„Die Zeiten, als nach einer Krise wieder Normalität einkehrte, ist längst vorbei“, sagt der Bürgermeister.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Das ist eine wirklich großartige Leistung der Stadtverwaltung, die Einrichtung in so kurzer Zewit wieder nutzbar zu machen! Herzlichen Glückwunsch und nicht weniger herzlichen Dank dafür!
    Und auch ein herzlicher Dank an die Anwohner, die – wie mir Frank Stein berichtete – die Wiederinbetriebnahme der Einrichtung sofort und vorbehaltlos akzeptiert haben!
    Liebe Grüße
    Lutz Urbach

  2. Konnte Herr Migenda den Fahrradhelm nicht am Lenker lassen? ;)

    Wäre es nicht ein guter Zeitpunkt, erneut die Kita in Lückerath auf der Bienenwiese zu prüfen? Wer weiß, wann das Thema endet? Nicht, dass die Kita sich dadurch verschiebt, weil man keinen Ersatz für die Container gefunden hat.

    1. Herr Schreiner, solche Kommentare sind überflüssig. Das sie kein Freund des Radverkehrs sind, wissen wir bereits. Hat aber gerade nichts mit dem Thema des Artikels zu tun!

      und nein, es muss nicht noch einmal geprüft werden, ob eine Kita auf der Lenawiese gebaut werden soll. Wir brauchen in Lückerath auch unverbaute Freiflächen. In den letzen Jahren hat sich dieser Stadtteil leider nicht zum Positiven entwickelt, es wurde viel gebaut und flächendecken versiegelt!

      Die Fläche auf dem ehemaligen Car-Parkgelände ist ausreichend groß, um neben der Flüchtlingsunterkunft (die hoffentlich nicht länger als die zwei Jahre benötigt wird), auch eine Kita zu realisieren.
      Es ist eine großartige Leistung aller Beteiligten in einer solchen Krisensituation die Unterkunft schnell wieder für Geflüchtete herzurichten, deren Heimat gerade zerstört wird.

      1. Die Kita soll nach der Nutzung des Geländes für die Flüchtlingsunterkunft gebaut werden, nicht gleichzeitig.

      2. Ich bin ein großer Freund des Fahrradfahrens, setzte mich sogar regelmäßig dafür ein, aber nicht mit der Brechstange, sondern den gesamten Verkehr betrachtend.
        Bin eben kein Freund dieser versteckten politischen Statements ;) Ist wie Herr Stein, der nach Nominierung das Rad entdeckt hat.

        Als Kandidatin für Lückerath und vielleicht dort wohnhaft, kann ich Ihre Einstellung verstehen. Dennoch gibt es dort und angrenzend genügend Grünflächen.

        Sollten die Kinder für die Kita nicht aus Lückerath kommen und mit dem Auto gebracht werden, so ist natürlich das Carpark Gelände besser.
        Kommen die Kinder aus dem großen Bereich zwischen Saaler Mühle und Bensberger Straße, so wäre die Lena-Wiese besser und sicherer, als den Weg an und über die Bensberger Straße meistern zu müssen.

        Wie ist da die Datenbasis in der Verwaltung und bei Ihnen in der Ampel?

    2. Lieber Herr Schreiner,
      das Foto von Herrn Migenda habe ich gemacht und ausgewählt. Ich habe noch unzählige Bilder auf denen kein Fahrradhelm zu sehen ist. Aber dieses Bild stellt einfach eine schöne Gesprächsszene dar. Dahinter ein politisches Statement zu vermuten, ist doch ein wenig arg weit hergeholt. Finden Sie nicht?
      Zumal Sie ja dann dieses Statement mir unterstellen. Schließlich habe ich die Bilder gemacht und ausgewählt.
      Vielleicht sollten wir uns einfach mal darüber freuen, dass es in diesen schwierigen Zeiten so viel Engagement in der Verwaltung und bei den vielen ehrenamtlichen Helfern gibt. Man muss nicht immer hinter allem etwas negatives vermuten.