Der Plan der Stadtverwaltung, auf der Bienenwiese am Lückerather Anger eine dringend benötigte Kita zu bauen, war im vergangenen Jahr auf viele Vorbehalte gestoßen. Daher hat sich die neue Verwaltungsspitze noch einmal auf die Suche gemacht – und eine Alternative gefunden: auf dem sogenannten Carpark-Gelände an der Gladbacher Straße.

Dass die Stadtteile Lückerath und Bensberg einen weiteren großen Kindergarten benötigt, steht außer Frage. Aber ausgerechnet auf der zum Teil geschützten Wiese am Lückerather Anger, die gerade von der Bieneninitiative „Blühendes GL“ aufgearbeitet worden war?

Anwohner:innen, Umweltfreund:innen und nicht zuletzt die Grünen waren empört. Am Ende hatte die noch von Bürgermeister Lutz Urbach (CDU) geführte Verwaltung den Standort trotz einiger Kommunikationsprobleme durchgesetzt, mangels Alternativen. Die Entscheidung fiel mit 10 zu 9 Stimmen gegen die Ampel.

Frank Stein (SPD), damals als Beigeordneter für den Kita-Bau zuständig, trug die Entscheidung mit. Aber nur, so berichtet er jetzt in einem Gespräch mit Medienvertretern, mit „erhebliche Bauschmerzen“.

Zudem sei ihm, beim nach wie vor wichtigen Kampf um mehr Kita-Plätze, viel Misstrauen entgegen geschlagen. Einige Bürger:innen hätten der Stadt eine „Salamitaktik“ unterstellt, eine schrittweisen Bebauung der ganzen Wiese befürchtet.

Neue Mehrheiten, neuer Standort

Inzwischen ist Stein Bürgermeister, die Ampel hat eine Mehrheit im Stadtrat und mit Ragnar Migenda ist ein weiterer „grüner“ Beigeordneter an Bord. Gemeinsam mit Migenda, so berichtet Stein weiter, habe er sich noch einmal auf die Suche nach einem anderen Standort gemacht – und zaubert ihn in der Ratssitzung am heutigen Donnerstag aus dem Hut.

Die Containerunterkünfte Lückerath musste nach drei Jahren geräumt werden.

Der Kindergarten mit vier Gruppen soll nun auf dem Carpark-Gelände an der Gladbacher Straße gebaut werden. Früher hatten die belgische Armee das Gelände lange gepachtet, und für ihre Fahrzeuge genutzt. Zuletzt hatten dort die städtischen Container einer Flüchtlingsunterkunft gestanden, die jedoch schon im vergangenen Jahr geräumt werden musste.

Immer wieder war über eine neue Nutzung diskutiert worden, zum Beispiel für ein neues Schwimmbad oder eine neue Schule. Doch bislang hieß es immer, der private Eigentümer wolle nicht verkaufen.

Doch jetzt, berichtet Stein, sei er sich mit dem Eigentümer doch noch einig geworden. Die Kita solle auf dem Streifen entlang des Waldes gebaut werden, möglichst weit weg vom Seniorenheim und der Bebauung auf der anderen Seite.

Der Rest des Geländes soll bleiben, was er schon lange baurechtlich ist – eine Reservefläche für sportliche Nutzungen. Eine weitere Bebauung sei von der Verwaltung nicht vorgesehen. Für die Nutzung soll ein langfristiger Pachtvertrag vereinbart werden.

Die Lena-Wiese dagegen, sagt Stein, soll „der Natur zurück gegeben werden“, eine weitere Bebauung sei dort ausgeschlossen.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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15 Kommentare

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  1. Man hat einen neuen Platz für die Kita gefunden, möglichst weit weg vom Seniorenheim und der Bebauung. Da darf man auch mal drüber nachdenken.“ weit weg“. ?

  2. Bericht Bunke: Ihre Ansicht kann ich nur unterstützen. Sie ist richtig, weil sie das Leben widerspiegelt. Kinder und Senioren bereichern sich gegenseitig.

  3. „Doch jetzt, berichtet Stein, sei er sich mit dem Eigentümer doch noch einig geworden. Die Kita solle auf dem Streifen entlang des Waldes gebaut werden, möglichst weit weg vom Seniorenheim und der Bebauung auf der anderen Seite.“
    Die Frage sei doch bitte erlaubt: Warum dieser nahezu kategorische Ausschluss von Kita – möglichst weit weg vom Seniorenheim!? Wäre es nicht vorteilhafter und für das Nebeneinander und Verstehenen von Generationen angebracht, wenn Kita und Seniorenheim nebeneinander oder sogar integriert gebaut werden? Beispiele zeigen, dass Senioren von Kindern lernen und ihre Freude haben, so wie umgekehrt. Also daher meine Anregung: Eine Erweiterung des Seniorenheims ( als Neubau), denn es gibt leider viel zu wenig Plätze für unsere Senioren und zu Pflegenden, und im Verbund eine Kita, wobei sich beide Einrichtungen gegenseitig bereichern. Ein großer gesellschaftlicher und sozialer Zugewinn für Bensberg! Es wäre sehr zu begrüßen, wenn der Grundstückseigentümer gemeinsam mit der Stadtverwaltung ein solches Konzept ernsthaft in Erwägung zieht und darüber berät.

  4. Selbst wenn Manche die (bisher unversiegelte) Lenawiese als „Bauland“ ansehen, muss demokratisch darüber entschieden werden, ob tatsächlich gebaut wird. Herr Urbach hat an Rat und Stadtgesellschaft vorbei im Alleingang der Blühwiese „gekündigt“. Dieses Vorgehen war nicht in Ordnung und wurde nun zurecht korrigiert.

    Für bezahlbaren Wohnraum ist die Fläche ungeeignet: Aufgrund der mäßigen Verkehrsanbindung und der umliegenden Bebauung würden dort wenn, dann wohl Einfamilienhäuser gebaut, die sich die wenigsten jungen Familien leisten können. Das sieht an der Gladbacher Straße oder der Eissporthalle anders aus: Hier könnten (relativ) günstige Mietwohnungen entstehen.

    Die nächsten Supermärkte sind an der Kölner Straße (Lidl, Edeka) und in Heidkamp (noch Netto) – vergleichsweise weit entfernt, weshalb das städtische Nahversorgungskonzept hier die größte „Unterversorgung“ im Stadtgebiet feststellt.
    Was Sie (Bensberger) zu Elektroautos schreiben, stimmt nur teilweise: Diese emittieren zwar lokal kein CO2 und NOx, aber fast ebensoviel Feinstaub (aus Reifenabrieb). Vor allem aber sind sie genauso gefährlich für kleine Kinder, vielleicht sogar noch gefährlicher aufgrund ihrer geringeren Lautstärke.

  5. Eigentum verpflichtet. Diesen Grundsatz lebt der Eigentümer des Grundstücks in Lückerath, auf dem nun eine neue Kita entstehen kann, in vorbildlicher Weise. Es war sein Wunsch, sein privates Grundstück für genau diese Nutzung zur Verfügung zu stellen. Das ist nicht so selbstverständlich, wie es nun genommen wird! – Damit hat ER die notwendige Bedingung geschaffen, auf der nun geplant und gebaut werden kann. Nicht nur er freut sich, dass unser Bürgermeister und unsere Verwaltung mit ihm an diesem Strang ziehen.

    Anita Rick-Blunck | FDP-Vorsitzende

  6. An Herr Dettmar: Danke für den Hinweis. Ich werde mal die Marke wechseln. Aber nach der wird ausgewiesenes Bauland auch nicht Brachland.

  7. An Bensberger: Meinen darf jeder was will. Sie haben ja auch im Wesentlichen recht.
    Aber meisten sind es jene, welche selbst im Grünen wohnen und stimmen wollen wo andere hinzuziehen haben. Das ist ja auch kein Momentproblem, es wird auch in Zukunft immer noch brisanter werden. Ich bin gegen jede Bebauung im Wald und in der freien Landschaft aber wir werden nicht umhin kommen vorhandene Bebauung in Zukunft zu erweitern. Aber bezogen auf die Lena- Weide geht die Diskussion am Problem vorbei. Hier wurde durch den Ex-Bürgermeister Urbach festgestellt, dass die angedachte Fläche zur Bebauung Bauland nach 34 ist und warum soll dann nicht gebaut werden. Es kann doch in der Verwaltung nicht jeder machen was er will. Der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum ist groß und wird noch größer werden.

  8. Lieber Herr Humbach, ist das Ihr Ernst? Frau Meinhardt oder wer auch immer „laden die Welt ein, wollen aber deutschen Familien würdiges Wohnen verweigern?“ … Mein Tipp an Sie als Freund des (deutschen) Weines: Machmal hilft es beim Nachdenken über Politik auch, eine Flasche ungeöffnet zu lassen.

  9. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Aus meiner Sicht ist diese Entscheidung sehr positiv. Ein brachliegendes Gelände, das seit Jahrzehnten im Wechsel unterschiedlich genutzt und bebaut wurde, wird nun für den dringenden Kita-Ausbau in der Stadt genutzt. Ja, dort verläuft eine Hauptverkehrsstraße, aber die daraus entstehenden Probleme werden mit dem wachsenden Anteil an Elektroautos zurückgehen. An Hauptstraßen wird es in den nächsten Jahren leiser und sauberer. Lastwagen werden vermutlich noch einige Zeit mit Verbrennungsmotoren fahren, aber PKW in absehbarer Zeit nicht mehr, das lässt sich aus diversen Ankündigungen der Autohersteller entnehmen.

    Auf der anderen Seite wird so eine Naturfläche geschützt, das ist in meinen Augen ebenfalls positiv. Warum sollte man dort bauen? Die Ampel-Koalition hat angekündigt, dass der Parkplatz an der Eissporthalle mit Wohnungen überbaut werden soll. Dort, in etwa 300m Entfernung der „Lena-Wiese“, ist also genug Potenzial für Wohnflächen vorhanden. Die Bahndamm-Zukunft sollte zuvor entschieden werden, aber das gilt für eine Bebauung auf der Wiese ebenso.

    Weitere 37 Hektar Zanders-Fläche warten ja auch noch auf eine neue Nutzung, warum sollten wir jetzt kurz davor weitere Grünflächen (zu-)betonieren?

  10. Sehr geehrte Frau Meinhardt, ich nehme nur einen Teilsatz Ihres Statement heraus. „Eine darüber hinausgehende Bebauung lehnen wir ab“. Er ist bezeichnend für Ihre Wohnungsbaupolitik. Sie laden die Welt ein, wollen aber deutschen Familien würdiges Wohnen verweigern. So mein Eindruck. Ob die Kita nun auf der ehemaligen Car- Parkfläche oder auf der Lena- Weide gebaut wird, ist doch unerheblich. Hauptsache die Kinder bekommen das was ihnen zusteht. Die Lena- Weide ist an der Straße vom Fürstenbrünnchen bis Pützchen Bauland nach § 34, so wurde es von dem Vorgänger Bürgermeister Urbach festgestellt. Jetzt hängt an der Straße ein Schild Blumen pflücken und betreten verboten. Was haben Sie gegen Kinder die Blumen pflücken. Treten Sie endlich dafür ein , dass junge Menschen Familien gründen können und ihnen sesshaft werden ermöglicht wird. Nehmen Sie sich mal eine gute Flasche Wein und über denken Sie Ihre Politik. Im Wein steckt Wahrheit nur allein.

  11. Die Blumenwiese ist wirklich schön, aber warum kann man nicht beides haben: Maximal 1stöckige Bebauung (Wohnungen) mit Verpflichtung zum Anlegen der Blumenwiese auf dem Dach?

  12. Wir freuen uns sehr, dass mit dieser Lösung die Bebauung der Lena-Wiese verhindert werden konnte und Lückerath gleichzeitg eine neue Kita bekommt. Frank Stein und unser grüner Dezernent Ragnar Migenda haben in vielen Gesprächen mit dem Eigentümer der CarPark Fläche und der Bezirksregierung diese Lösung ermöglicht. Für dieses Engagement bedanken wir uns sehr! Eine darüber hinausgehende Bebauung der CarPark Fläche lehnen wir aber ab. Die Fläche ist Teil eines überregionalen Grünzugs und Frischluftschneise. Die Bebauung mit der Kita wird konzeptionell so geplant werden, dass die Funktion des Grünzugs und der Frischluftschneise nur minmal beeinflusst wird und ist ein Kompromiss, um den Lückerather Anger zu sichern.

    Theresia Meinhardt
    Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat

  13. Lena Weide: Es ist doch bekannt, es gibt im Ort eine Sichtweise die weitere Bebauung ablehnt. Es ist ja auch schön so im Grünen zu wohnen. Ich selbst habe auch das Glück. Aber deswegen neben mir weitere Bebauungen vor allem bei dieser Wohnungsnot abzulehnen, halte ich für wenig sozial verträglich. Unter Bürgermeister Urbach wurde die Fläche als Bauland nach § 34 erkannt. Nun gut, der neue Bürgermeister hat Bauchschmerzen bekommen und bereits Beschlossenes zurückgezogen. Wenn das so einfach ist, dann dürfen wir doch hoffen, dass die Baumaßnahme im Neuborner Busch verhindert wird. Luxus Bauten im Wald genehmigen und Bauen auf Bauland verhindern darf doch nicht auf der Agenda der neuen Verwaltung stehen.

  14. Noch ein Super -Markt. Bald soll doch Aldi im jetzigen Netto- Markt sesshaft werden. Wenn ich die Rabatt- Schlacht, welche nun auch bei den Lebensmittel angekommen ist wahr nehme und höre das Millionen Werte an Lebensmittel entsorgt werden, dann würde ich eher dazu raten jungen Familien Bauland zur Verfügung zu stellen.

  15. Das sind doch mal gute Nachrichten. :-)
    „Reservefläche für sportliche Nutzungen“…ich frage mich, ob sich der vordere, zur Gladbacher Straße gewandte Teil der Fläche nicht für einen kleinen Supermarkt (+ ev. weitere Geschäfte) nutzen ließe, mit Wohnungen obendrüber. Laut Nahversorgungskonzept fehlt ein solcher in Lückerath-Nord, und die Bebauung zur Straße hin würde den Kindergarten von Lärm und Abgasen abschirmen.
    Wäre das nicht 1 Überlegung wert?