Sankt Johann Baptist in Refrath. Foto: Thomas Merkenich

Die Entscheidung des Erzbistums Kölns, schon jetzt alle Bergisch Gladbacher Gemeinden in einer „Pastoralen Einheit“ zu vereinen und Norbert Hörter zum Pfarrer für die ganze Stadt zu machen, stößt in St. Johann Baptist auf heftigen Widerstand. Auch der langjährige Pfarrer Winfried Kissel, der sein Amt verliert, wendet sich öffentlich gegen diesen Schritt: Er fühle sich „bewusst getäuscht und belogen“.

Der Kirchenvorstand von St. Johann Baptist in Refrath wirft dem Erzbistum Köln vor, mit der Berufung von Norbert Hörter zum alleinigen leitenden Pfarrer der neuen „Pastoralen Einheit Bergisch Gladbach“ schon zum 1. März alle bisherigen Zusagen zu brechen. Ein Projekt, das das Erzbistum unter dem Schlagwort #ZusammenFinden bewirbt, das aber offenbar das Gegenteil bewirkt. Neben Winfried Kissel, dem leitenden Pfarrer in Refrath, wird auch Wilhelm Darscheid, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Bergisch Gladbach-West, abberufen.

„Unter Ausnutzung hierarchischer kirchlicher Strukturen“ und ohne die zugesagte Mitwirkung der Gemeinden schaffe das Erzbistum unumkehrbare Tatsachen, heißt es in einer Antwort des Refrather Kirchenvorstands auf den Brief des zuständigen Monsignore Markus Bosbach. Dieses „Proklamandum“ war am Sonntag in allen katholischen Kirchen der Stadt verlesen worden und erklärt Bergisch Gladbach zum Pilotprojekt für den Umbau der Gemeinden im Erzbistum.

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Pilotprojekt „Pastorale Einheit“: Erzbistum stellt zwei Pfarrer in Bergisch Gladbach frei

Die Katholischen Gemeinden in Bergisch Gladbach sollen bei der umfassenden Konsolidierung des Erzbistums Köln eine Vorreiterrolle einnehmen: Schon zum 1. März werden die fünf Seelsorgebereiche der Stadt in einer „pastoralen Einheit“ unter Leitung von Kreisdechant Norbert Hörter zusammengefasst. Zwei von früher fünf leitenden Pfarrern werden kurzfristig freigestellt, eine Stelle bleibt unbesetzt.

Winfried Kissel, der im Zuge dieses Verwaltungsumbaus sein Amt als leitender Pfarrer nach 18 Jahren in St. Johann Baptist verliert, äußerte sich im Gottesdienst in einer persönlichen Erklärung verbittert. Kissel legt offen, dass ihm eine entsprechende Entscheidung von Bischof Woelki und Monsignore Bosbach im Dezember vom Personalchef des Bistums mitgeteilt worden sei. Er habe seinen Rücktritt anbieten müssen. Dem folge er „nicht freiwillig“, sondern nur, weil er bei Priesterweihe Gehorsam versprochen habe, sagte Kissel.

Mit Blick auf den großen Vertrauensverlust im Umgang der Bistumsleitung mit Missbrauch, aber auch hinsichtlich des Versprechens von Transparenz und Einbeziehung der Gemeinde beim Projekt #ZusammenFinden fühle er sich „bewusst getäuscht und belogen“, erklärte Kissel.

Am Ende der Ansprache des Pfarrers erhebt sich die gesamte Gemeinde und spendet Kissel langanhaltenden Beifall.

Der Gottesdienst von St. Johann Baptist ist aufgezeichnet worden, die persönliche Erklärung von Pfarrer Kissel beginnt bei 1:18.

Der Gemeindevorstand von St. Johann Baptist spricht in seiner Erklärung von einer „reinen Machtdemonstration“ des Erzbistums; es wolle den Prozess des Zusammenfindens der Gemeinden in Wahrheit gar nicht.

Der Vorstand bezieht sich nicht nur auf die Abberufung der Pfarrer Kissel und Darscheid, sondern spricht in diesem Zusammenhang auch den Rücktritt von Thomas Droege als Geschäftsführer der Katholischen Jugendagentur an. Damit verliere man „eine Person mit Strahlkraft in Politik und Gesellschaft“.

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Auch der Kirchenvorstand hält der Bistumsleitung vor, „unsere Gemeinde im gesamten bisherigen Prozess belogen“ zu haben. Der neue Begriff „Modellprojekt Bergisch Gladbach“ diene als Rechtfertigung für die „offensichtliche Zerstörung funktionierender lebendiger Gemeinden in unserem Kreisdekanat zugunsten eines ‚Ausprobierens’“. Ohne Not würden die Abberufungen die Personalnot verschärfen.

Das Fazit der Refrather: „Wir stellen fest, Sie verletzen und zerstören unsere funktionierenden und lebendigen Gemeindestrukturen. Bisher sprechen wir nur für St. Johann Baptist, aber sicherlich werden die Gemeinden im Seelsorgebereich BGL West ähnlich empfinden.“ Gleichzeitig startet der Kirchenvorstand eine Unterschriftenaktion, in dem er die Gemeindemitglieder um Zustimmung zu seiner Darstellung bittet.

Dokumentation

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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12 Kommentare

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  1. Frei nach Erich Kästner (1929):

    Da hilft kein Hohn
    und auch kein Spott,
    kein Fluchen
    und kein Beten.
    Die Nachricht stimmt:
    Der liebe Gott
    ist nie in diese Kirche
    eingetreten.

    Diese Kirche wird von uns allen – egal, ob Muslim, Hindu, Heide, Buddist, Christ – alimentiert, sofern wir Steuern zahlen. Diese Herren lassen sich und ihren Lebensstil durch uns alle aushalten. Eigentlich müssten sie demütiger sein.

  2. Das ist doch nichts Neues. Als Pfarrer Hommerich, der in Refrath jahrelang die Kommunion in beiderlei Gestalten praktiziert hatte, in den Ruhestand ging, durfte sein Interims-Nachfolger die per Fax reingekommene Nachricht des Generalvikars – damals Herr Schwaderlapp – in der Messe verlesen, dass diese Praxis ab sofort zu unterlassen sei. Ein Gespräch mit dem Kirchenvorstand oder dem Gemeinderat im Vorfeld? – Fehlanzeige.

    So regieren die Strukturen in der katholischen Kirche! Die Idee der Beteiligung der Gläubigen ist nur Augenwischerei. Da bemühen sich Laien, etwas zu verbessern, ohne dass es je Aussicht hätte, in irgendeiner Form umgesetzt zu werden. Selbst wenn die Bischöfe etwas ändern wollten, droht immer noch ein Rüffel aus Rom.

  3. Ich finde super dass es von seiten der Gemeinde eine Unterschriften Aktion gestartet wird. Und ich wünsche mir, dass diese Gehör findet.

    Die öffentliche Austrittserklärung Herrn Urbach bringt ihm natürlich viel Aufmerksamkeit, bleibt aber Wirkungslos in Bezug auf die lokale Situation. Oder zumindest wird Herr Urbach nicht mehr Teil einer Lösung / Verbesserung sein.

    Natürlich erzeugt (oder sollte) es Druck erzeugen wenn die Kirche Mitglieder verliert, aber ich empfinde dies nicht als den richtigen Weg. Es schadet in erster Linie der Glaubensgemeinschaft. Wenn man allerdings kein aktives Mitglied der Kirche ist, wird die Entscheidung einfacher fallen.

    Nichtsdestotrotz empfinde auch ich die angesprochenen Probleme aus kaum aushaltbar, ich kann nicht verstehen wie das alles möglich ist.
    Aber für mich persönlich gesehen, gehe ich auch gerne in meine Kirche, bin Teil der lokalen Gemeinschaft und nutze die Angebote von eben dieser.

  4. es hat den verbliebenen treuen Gläubigen (verständlicherweise !) die Sprache verschlagen…
    Mit tun die engagierten liebenswerten Gemeindemitglieder und Ehrenamtler*innen so leid angesichts solcher diktatorischer Entscheidungen der unbelehrbaren Kirchenfürsten. Wäre die Schaffung einer NEUEN Kirche von unten eine Alternative?

    1. Es gibt doch die Klimafreunde ;)

      Als Agnostiker lebt es sich doch sehr viel einfacher, muss man bei diesem Schauspiel erneut feststellen.

  5. Den missbrauchten Gläubigen und Mitglieder der Katholischen Kirchendiktatur hat es wohl (allerdings verständlich) die Sprache verschlagen…
    Mir tun die engagierten Gemeindemitglieder und Ehrenamtler*innen angesichts dieser perfiden Missachtung und dauernder Lügen der Kirchenfürsten so leid.

    1. Dass es denen keineswegs die Sprache verschlagen hat, können Sie schon am postwendend veröffentlichten offenen Brief des Kirchenvorstands St. Johann Baptist erkennen. Dazu kommen etliche andere veröffentlichte Meinungen. Das wurde inb der Bistumsleitung durchaus auch wahrgenommen – nicht umsonst wird der zuständige Weihbischof Ansgar Puff noch in dieser Woche in die Gemeinde eilen.

  6. „Gehorsam“ aller noch in der kath. Kirche Versammelten vom Pfarrer bis zum Kommunionkind verlangt dieser Kardinal. Seelsorge, Gemeinschaft, Nächtensliebe, Empathie und Christi Wort haben in Köln und Umgebung keine Chance mehr. „Gehorsam“ haben die Kirchenmitglieder und deren geistlichen Oberen in den Pfarreien zu üben. Wahrheit und Versprechen kennen die Vertreiber der Christen in Köln und Umgebung nicht mehr. Es geht nur noch um das, was man füher, längst geächtet, als „Kadavergehorsam“ bezeichnete.

    Die gesamte Leitung der Kölner Diozese gehört wegen Unvermögen und Renitenz abgelöst.

  7. Wenn ich nicht schon aus der Kirche ausgetreten wäre, dann spätestens jetzt!
    Ungeheuerlich, wie mit den Gemeinden und den Pfarrern umgesprungen wird.

  8. Ein Coup d’État von oben, garniert mit salbungsvollen Floskeln. Mich verlangt es dringend nach einem zuverlässig wirkenden Antiemetikum.